Vielleicht ist der Name Valdas Ivanauskas das Einzige, was deutsche Fussballfans über Litauen wissen. Der frühere Profi beim Hamburger SV scheiterte kürzlich als Trainer in Jena. Für die Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich konnte sich Litauen nicht qualifizieren - gab aber offenbar einen prima Trainingspartner für die Vorbereitungsphase anderer Mannschaften ab. Dass Litauen gegen Russland dabei 1:4 verlor (als Gastspiel im deutschen Burghausen), wird kaum soviel Ärger bereitet haben, als wenn es ein Basketballspiel gewesen wäre. Dass aber ausgerechnet im EU-Partnerland Prag beim Spiel gegen Tschechien sämtliche Zeremonien daneben gingen, wird vielleicht doch Überraschung verursacht haben.
Einem Bericht der Online-Ausgabe der "Prager Zeitung" ist es zu verdanken, dass auch deutschsprachigen Interessierten Details bekannt wurden.
Zitat: Eine Stunde vor Spielbeginn musste die Verteilung des offiziellen Programmheftes gestoppt werden, weil darin nicht die litauische, sondern die lettische Flagge und ein Foto der lettischen Auswahl abgebildet sowie Riga als Hauptstadt Litauens genannt wurde. Vor dem Anpfiff im Stadion Eden hatten die Verantwortlichen zudem die lettische Hymne abgespielt.
Wird uns Deutsche das nun beruhigen? Fällt es uns doch immer noch schwer, die drei Staaten auseinanderzuhalten, von denen es heißt sie seien entweder "baltisch" oder gar ein einziges "Baltikum"...
Fazit: ein bischen Länderkenntnis kann nicht schaden. Besuchen Sie Litauen!
Webseite des litauischen Fußballverbands (lit.)
Lietuva - haben Sie das EU-Mitglied Litauen schon einmal kennengelernt? Ein Land mit wunderschönen Naturlandschaften, einer eigenen Sprache mit großer Tradition, und vielfältigen Kulturzeugnissen. Wir möchten auf dieser Seite zur kritschen Diskussion beitragen über aktuelle Themen Litauens, und gleichzeitig für mehr Verständnis für die litauische Perspektive werben.
05 Juni 2008
01 Juni 2008
Wege nach Litauen
Umfangreiche Hinweise zum Arbeiten in Litauen gibt es inzwischen auch ... bei ihrem deutschen Arbeitsamt (pardon: Arbeitsagentur). Unter dem Motto "Wege ins Ausland" gibt es Tipps zum Umzugs ins niedrige Lohnniveau. Vor allem "Verkäufer, Busfahrer, Köche, Bauarbeiter" seien gefragt, so die deutschen Berater. "Gut dotiert" seien allerdings nur diejenigen Fachkräfte, die von ihren Firmen nach Litauen entsandt würden.
Aber auch die deutsche Arbeitsagentur weiß, dass in Litauen selbst die einheimischen Arbeitskräfte und Facharbeiter vielfach in andere EU-Länder auswandern (Details über die Gründe werden uns erspart). Der Sozialhilfesatz in Litauen betrage 50 Euro monatlich, weiß auch die deutsche Arbeitsagentur. Wer das Abenteuer trotzdem wagt, kann ja als Deutscher einfach mit dem Personalausweis einreisen, und muss bei Kontrollen nur beachten, nicht zweimal innerhalb von 90 Tagen erwischt zu werden (denn offiziell gilt eine Aufenthaltshöchstdauer von 90 Tagen). Und wer dann in Litauen tatsächlich Arbeit findet: der litauische Arbeitgeber informiert die zuständigen Behörden, und schon kommt die Aufenthaltsgenehmigung (so könnten man es aus den Infos herauslesen). Ungleiche Behandlung? Für Litauer bleibt der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt weiterhin fest verschlossen.
Für Deutsche, die in Litauen arbeiten wollen, gibt es sogar Jobsuchmöglichkeiten im Internet. Zunächst die Jobbörse der Arbeitsagentur selbst. Der Test der beschriebenen Vorgehensweise führte allerdings nicht zum Ziel: wer "Litauen" als bevorzugten Arbeitsort angibt, kann bei der Jobbörse kaum verhindern, dass auch Angebote in anderen Ländern angezeigt werden (Holland, Schweiz, Österreich, Dänemark). Angebote in Litauen: Fehlanzeige.
Zweite Möglichkeit: das Eures-Portal. Zwar kann hier nur nach einzelnen Berufszweigen gesucht werden, aber dafür umso erfolgreicher. Für die "mittleren Fachkräfte" werden hier über 40 Angebote ausgewiesen - Litauisch-Kenntnisse allerdings vorausgesetzt, um diese einordnen und nutzen zu können. Auch Angebote für Verkäufern, Mechaniker , Physiker und Ingenieure finden sich hier. Auffällig auch, wie viele Lehrkräfte gesucht werden (für ein Gehalt von 430 Euro monatlich, Litauisch sprechend natürlich).
Für Wissenschaftler und für die Forschung gibt es noch "Eracareers": hier läuft die Suche komplett in Englisch, und einzelne Angebote werden auch für Litauen ausgewiesen - zum Beispiel in der Nukleartechnologie (sic!).
Auf den Webseiten der litauischen Arbeitsvermittlung (Lietuvos Darbo Birža) finden sich die aktuellen Statistiken zur Entwicklung des Arbeitsmarktes. Die Arbeitslosigkeit liegt landesweit durchschnittlich bei 4,7% (April 2008); in Druskininkai mit 9,4% am höchsten, und in Elektrėnai und Neringa mit 1,7% im niedrigsten. Als besorgniserregend wird der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit bezeichnet.
Und schließlich: interessant sind noch die Angaben zur Höhe des Kindergeldes in Litauen. Bei Geburt eines Kindes gibt es 310 Euro vom Staat. Und danach? (Zitat Arbeitsagentur): "Danach gibt es ein monatliches Kindergeld. Familien mit einem oder zwei Kindern bekommen für jedes Kind bis zum dritten Geburtstag etwa 28 € und danach bis zum neunten Geburtstag 15 € Kindergeld. Für Familien mit mehr Kindern gibt es für jedes Kind bis zum dritten Geburtstag 41 € und danach bis zum 18. Geburtstag 15 €. Arbeitnehmerinnen haben vor dem Entbindungstermin 70 Kalendertage Mutterschaftsurlaub, danach 56 Kalendertage. In dieser Zeit wird ihr volles Gehalt vom staatlichen Sozialversicherungsfonds weitergezahlt. Allerdings müssen sie in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens drei Monate oder in den 24 Monaten zuvor insgesamt sechs Monate versichert gewesen sein."
Infodatei der Arbeitsagentur (PDF-Datei) "Arbeiten in Litauen"
Aber auch die deutsche Arbeitsagentur weiß, dass in Litauen selbst die einheimischen Arbeitskräfte und Facharbeiter vielfach in andere EU-Länder auswandern (Details über die Gründe werden uns erspart). Der Sozialhilfesatz in Litauen betrage 50 Euro monatlich, weiß auch die deutsche Arbeitsagentur. Wer das Abenteuer trotzdem wagt, kann ja als Deutscher einfach mit dem Personalausweis einreisen, und muss bei Kontrollen nur beachten, nicht zweimal innerhalb von 90 Tagen erwischt zu werden (denn offiziell gilt eine Aufenthaltshöchstdauer von 90 Tagen). Und wer dann in Litauen tatsächlich Arbeit findet: der litauische Arbeitgeber informiert die zuständigen Behörden, und schon kommt die Aufenthaltsgenehmigung (so könnten man es aus den Infos herauslesen). Ungleiche Behandlung? Für Litauer bleibt der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt weiterhin fest verschlossen.
Für Deutsche, die in Litauen arbeiten wollen, gibt es sogar Jobsuchmöglichkeiten im Internet. Zunächst die Jobbörse der Arbeitsagentur selbst. Der Test der beschriebenen Vorgehensweise führte allerdings nicht zum Ziel: wer "Litauen" als bevorzugten Arbeitsort angibt, kann bei der Jobbörse kaum verhindern, dass auch Angebote in anderen Ländern angezeigt werden (Holland, Schweiz, Österreich, Dänemark). Angebote in Litauen: Fehlanzeige.Zweite Möglichkeit: das Eures-Portal. Zwar kann hier nur nach einzelnen Berufszweigen gesucht werden, aber dafür umso erfolgreicher. Für die "mittleren Fachkräfte" werden hier über 40 Angebote ausgewiesen - Litauisch-Kenntnisse allerdings vorausgesetzt, um diese einordnen und nutzen zu können. Auch Angebote für Verkäufern, Mechaniker , Physiker und Ingenieure finden sich hier. Auffällig auch, wie viele Lehrkräfte gesucht werden (für ein Gehalt von 430 Euro monatlich, Litauisch sprechend natürlich).
Für Wissenschaftler und für die Forschung gibt es noch "Eracareers": hier läuft die Suche komplett in Englisch, und einzelne Angebote werden auch für Litauen ausgewiesen - zum Beispiel in der Nukleartechnologie (sic!).
Auf den Webseiten der litauischen Arbeitsvermittlung (Lietuvos Darbo Birža) finden sich die aktuellen Statistiken zur Entwicklung des Arbeitsmarktes. Die Arbeitslosigkeit liegt landesweit durchschnittlich bei 4,7% (April 2008); in Druskininkai mit 9,4% am höchsten, und in Elektrėnai und Neringa mit 1,7% im niedrigsten. Als besorgniserregend wird der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit bezeichnet.
Und schließlich: interessant sind noch die Angaben zur Höhe des Kindergeldes in Litauen. Bei Geburt eines Kindes gibt es 310 Euro vom Staat. Und danach? (Zitat Arbeitsagentur): "Danach gibt es ein monatliches Kindergeld. Familien mit einem oder zwei Kindern bekommen für jedes Kind bis zum dritten Geburtstag etwa 28 € und danach bis zum neunten Geburtstag 15 € Kindergeld. Für Familien mit mehr Kindern gibt es für jedes Kind bis zum dritten Geburtstag 41 € und danach bis zum 18. Geburtstag 15 €. Arbeitnehmerinnen haben vor dem Entbindungstermin 70 Kalendertage Mutterschaftsurlaub, danach 56 Kalendertage. In dieser Zeit wird ihr volles Gehalt vom staatlichen Sozialversicherungsfonds weitergezahlt. Allerdings müssen sie in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens drei Monate oder in den 24 Monaten zuvor insgesamt sechs Monate versichert gewesen sein."
Infodatei der Arbeitsagentur (PDF-Datei) "Arbeiten in Litauen"
07 Mai 2008
Litauen als Faktor in der EU
Während Estland sich mit den Nachwehen der unruhigen Maifeierlichkeiten des Jahres 2007 herumschlägt, und Lettland sich immer wieder mit Forderungen konfrontiert sieht, doch für die "russischsprachigen" Bürger/innen das Kommunalwahlrecht einzuführen (bzw. den Status der "Nicht-Staatsbürger" möglichst ganz abzuschaffen), herrscht in Litauen bezüglich der Beziehungen zum großen Nachbarn Russland ruhige Gleichmütigkeit. Sollte man meinen.
Aufsehen um Litauen
Die Wirklichkeit sieht anders aus. In der Ausgabe des "Tagesspiegel" vom 5.5.2008 rief Stefan Bickerich sogar einen "Prager Frühling II" aus. Nur einen Tag vorher bemühte sich die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Novosti um Beruhigung der Diskussion, und wählte die Überschrift "viel Lärm um nichts". Worum geht es aber?
Die Europäische Union möchte mit Russland ein neues, für alle EU-Mitgliedsstaaten geltendes Partnerschaftsabkommen (PKA) aushandeln - das bisherige lief 2007 aus. Vereinbart ist bisher nur, dass dieses alte weiter gelten soll, bis ein neues ausgehandelt ist. Neu verhandelt werden unter anderem die Bereiche der Energieversorgung und der Sicherheitspolitik.
Und in diesem Zusammenhang wurde die Position Litauens in den vergangenen Wochen zum Faktor der Diskussion, bzw. zum Bestandteil von Schlagzeilen in den deutschen Medien: "Russlands Verhandlungen mit EU und WTO blockiert" (Deutsche Welle), "Litauen bremst weiter EU-Russland-Verhandlungen" (Reuters), "EU streitet über Umgang mit Russland" (Financial Times Deutschland), oder sogar: "Litauen weiter gegen EU-Verhandlungen mit Russland" (AP / Finanzen.net).
Respekt für die litauischen Positionen eingefordert
Litauens Position bezüglich der EU-Verhandlungen mit Russland ist "Sicherheit, Gerechtigkeit, Solidarität" - so das litauische Außenministerium in einer eigenen Stellungnahme. "Litauen befürwortet die Aufnahme von Verhandlungen mit Russland, aber die konkreten litauischen Interessen müssen berücksichtigt und auch benannt werden dürfen," so die litauische Haltung. Was sind "litauische Interessen"? Derselbe Text benennt die Sicherung der Energieversorgung (Russland solle die Versorgung Litauens über die Drushba-Pipeline zügiger wieder aufnehmen), Rechtssicherheit, und sicherheitspolitische Fragen Osteuropas (Russland soll die volle staatliche Integretät von Georgien und Moldawien garantieren). Litauen befürwortet auch die NATO-Mitgliedschaft von Ländern wie Georgien (und hat damit Deutschland und Frankreich nicht an seiner Seite).
Weiterhin möchte Litauen dem EU-Russland-Abkommen eine gesonderte Erklärung zur rechtlichen Zusammenarbeit beifügen. Und Litauen strebt auch an, Kriminalprozesse zu starten bezüglich der Ereignisse am 13.Januar 1991 in Vilnius (versuchter Putsch der "schwarzen Barette", Erstürmung des Fernsehturms in Vilnius) und auch am 31.Juni 1991 in Medininkai (ein damals neu eingerichteter Grenzübergang). Und schließlich wird auch die Frage möglicher Schadenersatzforderungen heutiger EU-Bürger/innen, die zu sowjetischen Zeiten nach Sibirien deportiert wurden, nicht unerwähnt gelassen.
Am 29.April bekundete das litauische Außenministerium im Rahmen einer erneuten Presseerklärung erste Zufriedenheit: "die Europäische Union versteht die litausche Position immer besser." Eine weitere Annäherung der Positionen sollen jetzt unter Vermittlung der gegenwärtigen EU-Präsidentschaft Sloweniens versucht werden.
Nur Vorwahlkampf? Profilierungsversuche? Oder europäische Ignoranz?
Was bleibt, ist der auch in der Presse sich wiederspiegelnde Eindruck, dass Litauen sich auch innenpolitisch als selbstständig handelnder Partner zu profilieren sucht. Kommentator Andrej Fedjaschin versucht bei "RIA Novosti" gleich alles als Wahlkampfgeklingel abzutuen - und die litauische Position gegenüber den anderen EU-Partnern zu isolieren. "Alles eine Sache von höchstens ein paar Wochen", so Fedjaschin, dies hätten ihm "EU-Diplomaten, die anynoym bleiben wollten", versichert. Schließlich seien am 12.Oktober in Litauen Parlamentswahlen angesetzt - andere Gründe der Vorsicht gegenüber Positionen Russlands will er nicht gelten lassen.
Für den größten Kontrast dazu hat nun Stefan Bickerich im "Tagesspiegel" gesorgt. Dort ist gar zu lesen: "40 Jahre nach dem CSSR-Aufstand erhebt sich wieder ein Land in Osteuropa gegen Moskau. Es ist das kleine Litauen." Russland blockiere die Öllierungen an das kleine baltische Land aus fadenscheinigen Gründen, und nach Fertigstellung der Ostsee-Pipeline, an Litauen vorbei, sei Litauen sowieso einer möglichen Willkür Moskaus ausgeliefert. Deutschland dagegen setze weiterhin auf "Sonderbeziehungen zu Moskau".
Eine Meinung, die viele andere deutsche Journalisten nicht unbedingt teilen mögen. Zumindest das deutsch-litauische Verhältnis wird für besser gehalten, als man aus solchen Szenarien folgern müsste.
Bei "Europolitan" wird Europa-Staatsminister Günter Gloser (SPD) mit der zuversichtlichen Äusserung zitiert, die slowenische EU-Präsidentschaft werde Litauen "zu einem Umdenken" bewegen. In "die Presse" werden gar die litauischen Argumente verwischt und verwechselt; Zitat: "Außerdem müsse Moskau gedrängt werden, stärker bei der Suche nach Litauern zu helfen, die in den 1990er-Jahren verschwunden sind."
(es geht um einen litauischen Geschäftsmann, der 2007 im Gebiet von Kaliningrad verschwunden ist - und natürlich um die erwähnten Ereignisse aus dem Jahr 1991).
Derweil zitiert RIA Novosti genüßlich die Position der estnischen Botschafterin Kaljurand in Moskau: "Estland hat die EU-Russland-Gespräche nie blockiert."
"Das größte Risiko für die Europäische Union liegt aber darin, dass Putins Politik sie spaltet" - so formulierte die "Süddeutsche Zeitung" bereits am 16.5.2007 zum gleichen Thema. Es sieht so aus, als ob noch nicht alle Diskussionen zu einem konstruktiven Ende geführt werden können, mit dem dann auch Litauen und Deutschland gleichermaßen zufrieden wären.
Aufsehen um Litauen
Die Wirklichkeit sieht anders aus. In der Ausgabe des "Tagesspiegel" vom 5.5.2008 rief Stefan Bickerich sogar einen "Prager Frühling II" aus. Nur einen Tag vorher bemühte sich die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Novosti um Beruhigung der Diskussion, und wählte die Überschrift "viel Lärm um nichts". Worum geht es aber?Die Europäische Union möchte mit Russland ein neues, für alle EU-Mitgliedsstaaten geltendes Partnerschaftsabkommen (PKA) aushandeln - das bisherige lief 2007 aus. Vereinbart ist bisher nur, dass dieses alte weiter gelten soll, bis ein neues ausgehandelt ist. Neu verhandelt werden unter anderem die Bereiche der Energieversorgung und der Sicherheitspolitik.
Und in diesem Zusammenhang wurde die Position Litauens in den vergangenen Wochen zum Faktor der Diskussion, bzw. zum Bestandteil von Schlagzeilen in den deutschen Medien: "Russlands Verhandlungen mit EU und WTO blockiert" (Deutsche Welle), "Litauen bremst weiter EU-Russland-Verhandlungen" (Reuters), "EU streitet über Umgang mit Russland" (Financial Times Deutschland), oder sogar: "Litauen weiter gegen EU-Verhandlungen mit Russland" (AP / Finanzen.net).
Respekt für die litauischen Positionen eingefordert
Litauens Position bezüglich der EU-Verhandlungen mit Russland ist "Sicherheit, Gerechtigkeit, Solidarität" - so das litauische Außenministerium in einer eigenen Stellungnahme. "Litauen befürwortet die Aufnahme von Verhandlungen mit Russland, aber die konkreten litauischen Interessen müssen berücksichtigt und auch benannt werden dürfen," so die litauische Haltung. Was sind "litauische Interessen"? Derselbe Text benennt die Sicherung der Energieversorgung (Russland solle die Versorgung Litauens über die Drushba-Pipeline zügiger wieder aufnehmen), Rechtssicherheit, und sicherheitspolitische Fragen Osteuropas (Russland soll die volle staatliche Integretät von Georgien und Moldawien garantieren). Litauen befürwortet auch die NATO-Mitgliedschaft von Ländern wie Georgien (und hat damit Deutschland und Frankreich nicht an seiner Seite).Weiterhin möchte Litauen dem EU-Russland-Abkommen eine gesonderte Erklärung zur rechtlichen Zusammenarbeit beifügen. Und Litauen strebt auch an, Kriminalprozesse zu starten bezüglich der Ereignisse am 13.Januar 1991 in Vilnius (versuchter Putsch der "schwarzen Barette", Erstürmung des Fernsehturms in Vilnius) und auch am 31.Juni 1991 in Medininkai (ein damals neu eingerichteter Grenzübergang). Und schließlich wird auch die Frage möglicher Schadenersatzforderungen heutiger EU-Bürger/innen, die zu sowjetischen Zeiten nach Sibirien deportiert wurden, nicht unerwähnt gelassen.
Am 29.April bekundete das litauische Außenministerium im Rahmen einer erneuten Presseerklärung erste Zufriedenheit: "die Europäische Union versteht die litausche Position immer besser." Eine weitere Annäherung der Positionen sollen jetzt unter Vermittlung der gegenwärtigen EU-Präsidentschaft Sloweniens versucht werden.
Nur Vorwahlkampf? Profilierungsversuche? Oder europäische Ignoranz?
Was bleibt, ist der auch in der Presse sich wiederspiegelnde Eindruck, dass Litauen sich auch innenpolitisch als selbstständig handelnder Partner zu profilieren sucht. Kommentator Andrej Fedjaschin versucht bei "RIA Novosti" gleich alles als Wahlkampfgeklingel abzutuen - und die litauische Position gegenüber den anderen EU-Partnern zu isolieren. "Alles eine Sache von höchstens ein paar Wochen", so Fedjaschin, dies hätten ihm "EU-Diplomaten, die anynoym bleiben wollten", versichert. Schließlich seien am 12.Oktober in Litauen Parlamentswahlen angesetzt - andere Gründe der Vorsicht gegenüber Positionen Russlands will er nicht gelten lassen.
Für den größten Kontrast dazu hat nun Stefan Bickerich im "Tagesspiegel" gesorgt. Dort ist gar zu lesen: "40 Jahre nach dem CSSR-Aufstand erhebt sich wieder ein Land in Osteuropa gegen Moskau. Es ist das kleine Litauen." Russland blockiere die Öllierungen an das kleine baltische Land aus fadenscheinigen Gründen, und nach Fertigstellung der Ostsee-Pipeline, an Litauen vorbei, sei Litauen sowieso einer möglichen Willkür Moskaus ausgeliefert. Deutschland dagegen setze weiterhin auf "Sonderbeziehungen zu Moskau".
Eine Meinung, die viele andere deutsche Journalisten nicht unbedingt teilen mögen. Zumindest das deutsch-litauische Verhältnis wird für besser gehalten, als man aus solchen Szenarien folgern müsste.
Bei "Europolitan" wird Europa-Staatsminister Günter Gloser (SPD) mit der zuversichtlichen Äusserung zitiert, die slowenische EU-Präsidentschaft werde Litauen "zu einem Umdenken" bewegen. In "die Presse" werden gar die litauischen Argumente verwischt und verwechselt; Zitat: "Außerdem müsse Moskau gedrängt werden, stärker bei der Suche nach Litauern zu helfen, die in den 1990er-Jahren verschwunden sind."
(es geht um einen litauischen Geschäftsmann, der 2007 im Gebiet von Kaliningrad verschwunden ist - und natürlich um die erwähnten Ereignisse aus dem Jahr 1991).Derweil zitiert RIA Novosti genüßlich die Position der estnischen Botschafterin Kaljurand in Moskau: "Estland hat die EU-Russland-Gespräche nie blockiert."
"Das größte Risiko für die Europäische Union liegt aber darin, dass Putins Politik sie spaltet" - so formulierte die "Süddeutsche Zeitung" bereits am 16.5.2007 zum gleichen Thema. Es sieht so aus, als ob noch nicht alle Diskussionen zu einem konstruktiven Ende geführt werden können, mit dem dann auch Litauen und Deutschland gleichermaßen zufrieden wären.
08 April 2008
Elektronisch durch Vilnius
Auch für den Stadtverkehr in Europas Kulturhauptstadt 2009, in Vilnius, wird ein elektronisches Ticket eingeführt -
bereits Ende 2007 wurde es auf einer Pressekonferenz vorgeführt. Bürgermeister Juozas Imbrasas stolz: "Das neue E-Ticket in Vilnius ist dann das gegenwärtig modernste Ticket des öffentlichen Nahverkehrs in Europa."
So redet, wer europäische (Kultur)hauptstadt wird, und Europas Zentrum sein möchte.
Als Leistungsmerkmal der neuen Karte wird herausgestellt, dass die Kundendaten nicht nur bei der Stadt Vilnius zu Nutze kommen, sondern auch bei den kommunalen Verkehrsbetrieben "Susisiekimo paslaugos". Ab August 2008, nach Ende einer Übergangsperiode, sollen Monatskarten sogar ausschließlich nur noch elektronische Tickets in Vilnius verkauft werden. Später, aber Herbst 2008, soll auch der Einzelticketverkauf umgestellt werden. 14 Millionen Litas Zuschuß hat es vom Europäischen Regionalentwicklungsfond dafür gegeben - und das Projekt soll ähnlich auch in Kaunas und Klaipeda umgesetzt werden.
Für die Kund/innen interessant sind sicher zuallererst die rasanten Preissteigerungsraten, die bereits Ende 2007 bekannt gegeben wurden: von Dezember 2007 bis Januar 2008 soll der Preis 2 Litas betragen, im Februar und März 2008 dann 4 Litas, April bis Juli 2008 6 Litas, und ab August 2008 dann 8 Litas (1 Litas = 0,289 Euro).
Elektronisch durch Litauen - und rasant schnell auf europäisches Preisniveau - noch vor 2009 jedenfalls.
Wie gut, dass es wenigsttens www.marsrutai.lt gibt; hier können Interessierte am öffentlichen Nahverkehr in Litauen schon mal üben, wie es gehen könnte. Entweder per Eingabemaske (wer denn schon weiß, wie die in Frage kommenden Haltestellen heißen), oder per Karte mit allen Stops in optischer Übersicht. Autofahrer/innen werden dabei nicht ausgeblendet und können per Klick auf eine eigene Übersichtskarte ihre Fahrtrouten planen. Dies alles kann auch aufs Handy gesendet werden, wenn die Nutzer/innen es möchten.
Da sollten dann die Zeiten bald vorbei sein, wie sie hier im Bericht eines Studierenden im Rahmen eines Erasmus-Auslandssemesters deutlich werden. Zitat: "Das einzige Übel in Vilnius ist der öffentliche Personennahverkehr, der sich hauptsächlich aus zwei Fortbewegungsmitteln zusammensetzt: Autobus und Trolleybus.Letztere sind elektrisch durch Oberleitungen (im Prinzip wie Straßenbahn) betriebene Busse, die bereits veraltet waren, als ich damals vor 22 Jahren das Licht der Welt erblickte. Und die Autobusse sind noch älter..." (aus einer Info der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus)
Andere sehen den ÖPNV in Litauen ja eher wie ein interessantes Abenteuer an, wie etwa Hardy Koch, der seinen sehr interessanten Bericht zu einem medizinischen Gastaufenthalt in Kaunas mit der Bemerkung garniert, er sei dort "zum ersten Mal in seinem Leben mit einem Trolleybus - einer Mischung aus Bus und Straßenbahn - gefahren (Medi-learn).
Es gab sogar schon einmal eine litauische Adaption des vom Berliner GRIPS-Theater aufgeführten Musicals "Linie 1". Eine Infoseite der Schering-Stiftung schreibt dazu: "Im Frühjahr 2001 hatte in Litauen eine vom Keistuoliu Teatras inszenierte Bearbeitung mit dem Titel 'Regel Nr. 1: Von Vilnius träumen ist verboten' Premiere. Mit Unterstützung der Schering Stiftung gastierte im September 2003 dieses 'Theater der Sonderlinge' mit seiner 'Taisykle Nr. 1' in Berlin. In Vilnius gibt es keine U-Bahn. Die junge Frau aus der Provinz, die sich auf der Suche nach ihrem Rockstar in die Stadt wagt, fährt mit dem Trolleybus oder durchstreift die Altstadt zu Fuß. Dabei begegnet sie diversen skurrilen Typen, den Schülerinnen Hysterika und Erika, der Flaschentaschen-Sofia, einer schwangeren Zigeunerin und natürlich den Witwen, die in der litauischen Fassung in religiöser Verklärung Stalin nachtrauern. Auf der Treppe des Standesamts findet das Mädchen dann schließlich doch noch ihren 'Traummann'."
So schön kann Trolleybus-Fahren in Litauen sein!
bereits Ende 2007 wurde es auf einer Pressekonferenz vorgeführt. Bürgermeister Juozas Imbrasas stolz: "Das neue E-Ticket in Vilnius ist dann das gegenwärtig modernste Ticket des öffentlichen Nahverkehrs in Europa."So redet, wer europäische (Kultur)hauptstadt wird, und Europas Zentrum sein möchte.
Als Leistungsmerkmal der neuen Karte wird herausgestellt, dass die Kundendaten nicht nur bei der Stadt Vilnius zu Nutze kommen, sondern auch bei den kommunalen Verkehrsbetrieben "Susisiekimo paslaugos". Ab August 2008, nach Ende einer Übergangsperiode, sollen Monatskarten sogar ausschließlich nur noch elektronische Tickets in Vilnius verkauft werden. Später, aber Herbst 2008, soll auch der Einzelticketverkauf umgestellt werden. 14 Millionen Litas Zuschuß hat es vom Europäischen Regionalentwicklungsfond dafür gegeben - und das Projekt soll ähnlich auch in Kaunas und Klaipeda umgesetzt werden.
Für die Kund/innen interessant sind sicher zuallererst die rasanten Preissteigerungsraten, die bereits Ende 2007 bekannt gegeben wurden: von Dezember 2007 bis Januar 2008 soll der Preis 2 Litas betragen, im Februar und März 2008 dann 4 Litas, April bis Juli 2008 6 Litas, und ab August 2008 dann 8 Litas (1 Litas = 0,289 Euro).Elektronisch durch Litauen - und rasant schnell auf europäisches Preisniveau - noch vor 2009 jedenfalls.
Wie gut, dass es wenigsttens www.marsrutai.lt gibt; hier können Interessierte am öffentlichen Nahverkehr in Litauen schon mal üben, wie es gehen könnte. Entweder per Eingabemaske (wer denn schon weiß, wie die in Frage kommenden Haltestellen heißen), oder per Karte mit allen Stops in optischer Übersicht. Autofahrer/innen werden dabei nicht ausgeblendet und können per Klick auf eine eigene Übersichtskarte ihre Fahrtrouten planen. Dies alles kann auch aufs Handy gesendet werden, wenn die Nutzer/innen es möchten.
Da sollten dann die Zeiten bald vorbei sein, wie sie hier im Bericht eines Studierenden im Rahmen eines Erasmus-Auslandssemesters deutlich werden. Zitat: "Das einzige Übel in Vilnius ist der öffentliche Personennahverkehr, der sich hauptsächlich aus zwei Fortbewegungsmitteln zusammensetzt: Autobus und Trolleybus.Letztere sind elektrisch durch Oberleitungen (im Prinzip wie Straßenbahn) betriebene Busse, die bereits veraltet waren, als ich damals vor 22 Jahren das Licht der Welt erblickte. Und die Autobusse sind noch älter..." (aus einer Info der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus)
Andere sehen den ÖPNV in Litauen ja eher wie ein interessantes Abenteuer an, wie etwa Hardy Koch, der seinen sehr interessanten Bericht zu einem medizinischen Gastaufenthalt in Kaunas mit der Bemerkung garniert, er sei dort "zum ersten Mal in seinem Leben mit einem Trolleybus - einer Mischung aus Bus und Straßenbahn - gefahren (Medi-learn).Es gab sogar schon einmal eine litauische Adaption des vom Berliner GRIPS-Theater aufgeführten Musicals "Linie 1". Eine Infoseite der Schering-Stiftung schreibt dazu: "Im Frühjahr 2001 hatte in Litauen eine vom Keistuoliu Teatras inszenierte Bearbeitung mit dem Titel 'Regel Nr. 1: Von Vilnius träumen ist verboten' Premiere. Mit Unterstützung der Schering Stiftung gastierte im September 2003 dieses 'Theater der Sonderlinge' mit seiner 'Taisykle Nr. 1' in Berlin. In Vilnius gibt es keine U-Bahn. Die junge Frau aus der Provinz, die sich auf der Suche nach ihrem Rockstar in die Stadt wagt, fährt mit dem Trolleybus oder durchstreift die Altstadt zu Fuß. Dabei begegnet sie diversen skurrilen Typen, den Schülerinnen Hysterika und Erika, der Flaschentaschen-Sofia, einer schwangeren Zigeunerin und natürlich den Witwen, die in der litauischen Fassung in religiöser Verklärung Stalin nachtrauern. Auf der Treppe des Standesamts findet das Mädchen dann schließlich doch noch ihren 'Traummann'."
So schön kann Trolleybus-Fahren in Litauen sein!
31 März 2008
Kirchenimport
Kirchen nach Litauen zu befördern ist offenbar nicht mit dem Spruch
"Eulen nach Athen" zu vergleichen - auch wenn das baltische Land doch als sehr glaubensorientiert gilt, und die Zahl der Kirchen eigentlich nicht zu wünschen übrig lässt.
Die Firma Erich Bundschuh aus Walldürn-Glashofen im Odenwald hat es dennoch gemacht, und lieferte eine komplette Kirche nach Venta im Norden Litauens - am Ostermontag 2008 war Einweihung (26,83 Meter lang, 11,30 Meter breit, Firsthöhe 10,80 Meter im Kirchenschiff). Erfahrungen im Holzbau zahlen sich eben aus.
Nur die Beschreibung, wie es zu diesem Auftrag kam, fällt etwas kompliziert aus. Verantwortliche Personen: Pfarrer Gauronskas, ehemals in Venta tätig, heute bei einer anderen Gemeinde in Kaliningrad. Viktor Niedermayer, Dolmetscher und Bauleiter der KfdO (Kirche für den Osten e.V.), der Gauronskas traf. Gebaut werden sollte die Kirche zunächst in der Ukraine (die KfdO baut ganze Sägewerke in der Ukraine auf, für den Kirchenbau), aber angeblich seien die Zollformalitäten von der Ukraine nach Litauen zu kompliziert gewesen (wie ist ein Kirchenimport zu verzollen?). Foto rechts: die Kirche in Venta am Tag der Einweihung (Foto: Bundschuh)
So kam Bundschuh zu dem Bauauftrag - wenn man der Darstellung seiner Projektbeschreibung glauben kann. Die Webseite der KfdO stellt es etwas anders dar: eigentlich seien diese Bauteile für einen Pfarrer in Sibirien bestimmt gewesen; die russischen Behörden hätten aber Schwierigkeiten gemacht, so hätten die Bauteile in Deutschland zwischengelagert werden müssen und nun ihre neue Bestimmung gefunden. Erstaunlich: Schamhaupten in Bayern (Sitz der KfdO) als Verschiebebahnhof für den Kirchenexport? Handwerker Bundschuh sagt selbst dazu, damals hätten brandschutzrechtliche Bestimmungen den Aufbau in der Ukraine verhindert.
Die höchsten Kirchenwürden haben sich eingeschaltet: Der Bischof von Telšiai, Dr. Jonas Boruta, habe selbst um Hilfe gebeten: Venta habe 30.000 Einwohner, 60% davon katholisch, aber bisher keine Kirche (so stellt es die KfdO auf ihrer Webseite dar - an dieser Stelle kann auch online gespendet werden, da wird den Interessierten eine attraktiv klingende Dreisatz-Rechnung geboten. Immerhin sind laut KfdO-Angaben bis November 2007 40.000 Euro für dieses Projekt gespendet worden).
Die Lokalzeitungen (Donaukurier 21.3.08, Rhein-Neckar-Zeitung und Fränkische Nachrichten am 29.3.08) berichten ebenso stolz, aber die Fakten verschwimmen offenbar: gemäß Donaukurier hat Venta plötzlich nur noch 4200 Einwohner. Das reizt zur weiteren Recherche: bei Wikipeda (zugegeben, auch alles andere als eine sicher Quelle) wird eine Bevölkerungszählung von 2005 angegeben, der zufolge Venta 3221 Einwohner hat. Da haben sich die angeblich christlich motivierten Menschen mit dem spendenuntertstützten Kirchenbau-Business doch "zufällig" mal um eine Null vor dem Komma vertan, scheint es. -
Dem tüchtigen Handwerksmeister kann es egal sein. Er ist auf kreativen Ingenieurholzbau spezialisiert und achtet auch auf Energieeffizienz. In der Rhein-Neckar-Zeitung sind auch ein paar weitere Hintergrundinfos sachlich dargestellt: Venta wurde erst 1966 aus dem Zusammenschluß zweier Dörfer heraus gegründet. Eine Reißbrettplanung, um einen Rangierbahnhof herum. Dazu ein Industriekomplex mit Baustoffherstellung und chemischer Industrie. Aber eben keine Kirche. Nun ist das auch behoben, und ein paar menschliche und kirchliche Kontakte zwischen Deutschland und Litauen sind wohl auch dazugekommen.
"Eulen nach Athen" zu vergleichen - auch wenn das baltische Land doch als sehr glaubensorientiert gilt, und die Zahl der Kirchen eigentlich nicht zu wünschen übrig lässt.Die Firma Erich Bundschuh aus Walldürn-Glashofen im Odenwald hat es dennoch gemacht, und lieferte eine komplette Kirche nach Venta im Norden Litauens - am Ostermontag 2008 war Einweihung (26,83 Meter lang, 11,30 Meter breit, Firsthöhe 10,80 Meter im Kirchenschiff). Erfahrungen im Holzbau zahlen sich eben aus.
Nur die Beschreibung, wie es zu diesem Auftrag kam, fällt etwas kompliziert aus. Verantwortliche Personen: Pfarrer Gauronskas, ehemals in Venta tätig, heute bei einer anderen Gemeinde in Kaliningrad. Viktor Niedermayer, Dolmetscher und Bauleiter der KfdO (Kirche für den Osten e.V.), der Gauronskas traf. Gebaut werden sollte die Kirche zunächst in der Ukraine (die KfdO baut ganze Sägewerke in der Ukraine auf, für den Kirchenbau), aber angeblich seien die Zollformalitäten von der Ukraine nach Litauen zu kompliziert gewesen (wie ist ein Kirchenimport zu verzollen?). Foto rechts: die Kirche in Venta am Tag der Einweihung (Foto: Bundschuh)
So kam Bundschuh zu dem Bauauftrag - wenn man der Darstellung seiner Projektbeschreibung glauben kann. Die Webseite der KfdO stellt es etwas anders dar: eigentlich seien diese Bauteile für einen Pfarrer in Sibirien bestimmt gewesen; die russischen Behörden hätten aber Schwierigkeiten gemacht, so hätten die Bauteile in Deutschland zwischengelagert werden müssen und nun ihre neue Bestimmung gefunden. Erstaunlich: Schamhaupten in Bayern (Sitz der KfdO) als Verschiebebahnhof für den Kirchenexport? Handwerker Bundschuh sagt selbst dazu, damals hätten brandschutzrechtliche Bestimmungen den Aufbau in der Ukraine verhindert.Die höchsten Kirchenwürden haben sich eingeschaltet: Der Bischof von Telšiai, Dr. Jonas Boruta, habe selbst um Hilfe gebeten: Venta habe 30.000 Einwohner, 60% davon katholisch, aber bisher keine Kirche (so stellt es die KfdO auf ihrer Webseite dar - an dieser Stelle kann auch online gespendet werden, da wird den Interessierten eine attraktiv klingende Dreisatz-Rechnung geboten. Immerhin sind laut KfdO-Angaben bis November 2007 40.000 Euro für dieses Projekt gespendet worden).
Die Lokalzeitungen (Donaukurier 21.3.08, Rhein-Neckar-Zeitung und Fränkische Nachrichten am 29.3.08) berichten ebenso stolz, aber die Fakten verschwimmen offenbar: gemäß Donaukurier hat Venta plötzlich nur noch 4200 Einwohner. Das reizt zur weiteren Recherche: bei Wikipeda (zugegeben, auch alles andere als eine sicher Quelle) wird eine Bevölkerungszählung von 2005 angegeben, der zufolge Venta 3221 Einwohner hat. Da haben sich die angeblich christlich motivierten Menschen mit dem spendenuntertstützten Kirchenbau-Business doch "zufällig" mal um eine Null vor dem Komma vertan, scheint es. -
Dem tüchtigen Handwerksmeister kann es egal sein. Er ist auf kreativen Ingenieurholzbau spezialisiert und achtet auch auf Energieeffizienz. In der Rhein-Neckar-Zeitung sind auch ein paar weitere Hintergrundinfos sachlich dargestellt: Venta wurde erst 1966 aus dem Zusammenschluß zweier Dörfer heraus gegründet. Eine Reißbrettplanung, um einen Rangierbahnhof herum. Dazu ein Industriekomplex mit Baustoffherstellung und chemischer Industrie. Aber eben keine Kirche. Nun ist das auch behoben, und ein paar menschliche und kirchliche Kontakte zwischen Deutschland und Litauen sind wohl auch dazugekommen.
03 März 2008
Arbeit am Image: wo liegt Litauen?
Nur selten wird Litauen-Werbung so schön platziert wie kürzlich beim Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" zum Kölner Literaturfest Lit-Cologne. Litauen war nicht einmal vertreten, aber der Bericht zur Auftaktveranstaltung mit Anke Engelke, Cordula Stratmann und Roger Willemsen gibt die Frage von Anke Engelke wieder, was dieses "Lit" im Titel der Veranstaltung eigentlich bedeute. "Litauen?" - diese Antwort bzw. ironische Randbemerkung ist von Cordula Stratmann überliefert. Kommentar des berichterstattenden Journalisten: hier ging "lustig" vor "literarisch".
Dabei unternimmt Litauen doch gerade im Frühjahr 2008 vielfältige Anstrengungen, um sich ins Blickfeld der deutschen Kulturinteressierten zu schieben. Allerdings firmiert die eigentliche litauische Literatur hier - wie auch bei der anstehenden Buchmesse in Leipzig - eher unter dem Motto "Kleine Sprachen, große Literaturen".
150.000 Litauer leben inzwischen bereits in Irland leben, 10.00o sind es in Dänemark. Das erzählte die litauische Botschafterin in Dänemark, Rasa Kairiene, der Zeitung "Der Nordschleswiger" (deutschsprachige Zeitung in Dänemark). Ob aus den dort verlebten Jahren neue Erzählungen, spannende Geschichten, oder Erfahrungen vom Zusammentreffen mit anderen Kulturen entstehen?
Auf deutscher Seite ist Litauen immer noch recht häufig wegen verschiedenen Sozialprojekten im Gespräch. So startet etwa der ASB von Bad Oldesloe nach Kelme (Abendblatt 28.2.2008), in Osnabrück wird Geld gesammelt für Pagegiai (Neue Osnabrücker Zeitung 11.2.08), und Breitenstein setzt sich für Projekte in Medininkai ein (Böblinger Zeitung). Da ist es wahrscheinlich schwierig zu vermitteln, dass in Litauen gleichzeitig Hilfsbeedürftigkeit und doch Arbeitskräftemangel gibt. "Mittlerweile kommen die Arbeitskräfte nicht nur aus der Ukraine oder Weißrussland, sondern aus der Türkei und sogar aus China," so sagt es Botschafterin Kairiene im Interview. Europäische Schieflage, oder ungleichzeitige Wahrnehmung?
Da wirkt sicher auch ein Bericht einer jungen Österreicherin interessant, der kürzlich im "Standard" nachzulesen war. Manuela Baier arbeitet "in den Wäldern Litauens", so kennzeichnet es die Zeitung, in einem Kongreßhotel. "Unter meinen Freunden und in unserer Branche gilt Litauen natürlich eher als ungewöhnlicher Arbeitsort," so die Hoteliertochter, die per Hotel-Shuttlebus versucht, Verbindung zum Nachtleben in Vilnius zu behalten. "Aber man kann viel bewegen, und man sieht die Entwicklung."
Dabei unternimmt Litauen doch gerade im Frühjahr 2008 vielfältige Anstrengungen, um sich ins Blickfeld der deutschen Kulturinteressierten zu schieben. Allerdings firmiert die eigentliche litauische Literatur hier - wie auch bei der anstehenden Buchmesse in Leipzig - eher unter dem Motto "Kleine Sprachen, große Literaturen".
150.000 Litauer leben inzwischen bereits in Irland leben, 10.00o sind es in Dänemark. Das erzählte die litauische Botschafterin in Dänemark, Rasa Kairiene, der Zeitung "Der Nordschleswiger" (deutschsprachige Zeitung in Dänemark). Ob aus den dort verlebten Jahren neue Erzählungen, spannende Geschichten, oder Erfahrungen vom Zusammentreffen mit anderen Kulturen entstehen?Auf deutscher Seite ist Litauen immer noch recht häufig wegen verschiedenen Sozialprojekten im Gespräch. So startet etwa der ASB von Bad Oldesloe nach Kelme (Abendblatt 28.2.2008), in Osnabrück wird Geld gesammelt für Pagegiai (Neue Osnabrücker Zeitung 11.2.08), und Breitenstein setzt sich für Projekte in Medininkai ein (Böblinger Zeitung). Da ist es wahrscheinlich schwierig zu vermitteln, dass in Litauen gleichzeitig Hilfsbeedürftigkeit und doch Arbeitskräftemangel gibt. "Mittlerweile kommen die Arbeitskräfte nicht nur aus der Ukraine oder Weißrussland, sondern aus der Türkei und sogar aus China," so sagt es Botschafterin Kairiene im Interview. Europäische Schieflage, oder ungleichzeitige Wahrnehmung?
Da wirkt sicher auch ein Bericht einer jungen Österreicherin interessant, der kürzlich im "Standard" nachzulesen war. Manuela Baier arbeitet "in den Wäldern Litauens", so kennzeichnet es die Zeitung, in einem Kongreßhotel. "Unter meinen Freunden und in unserer Branche gilt Litauen natürlich eher als ungewöhnlicher Arbeitsort," so die Hoteliertochter, die per Hotel-Shuttlebus versucht, Verbindung zum Nachtleben in Vilnius zu behalten. "Aber man kann viel bewegen, und man sieht die Entwicklung."
11 Februar 2008
Litauen richtet erneut Esperanto Kongreß aus
Gibt es Journalisten, die in Esperanto schreiben? Oder in dieser bekanntesten aller Kunstsprachen recherchieren, oder sich untereinander austauschen? Im Mai 2008 werden diese Fragen bei Bedarf zu klären sein - beim internationalen Kongreß der Esperanto-Journalisten in Vilnius. Litauen fühlt sich schon länger dem Esperanto verbunden: 2005 fand sogar der Esperanto-Weltkongreß in Vilnius statt. Der Erfinder des Esperanto, Ludvik Lazarus Zamenhof, hatte jüdisch-litauische Vorfahren. Eine "Zamenhofen-Straße" hat "Litovio" (Litauen, auf Esperanto) gleich in Vilnius und auch in Kaunas vorzuweisen.

Vom 26. bis 30.Mai 2008 werden sich die Esperanto-Kundigen Pressevertreter in Vlnius treffen - soviel ist bisher bekannt. Wer mehr wissen will, muss offenbar des Esperanto kundig sein: die Infoseite der litauischen Esperanto-Vereinigung bietet keinerlei Übersetzung dazu an. Wer erst die "ideale gemeinsame Weltsprache" gelernt hat, scheint solche Bedürfnisse nicht mehr zu haben (wo doch "Loko", "Tempo" und "Ĉeftemo" längst klar sind).
Webseite der litauischen Esperanto-Vereinigung
03 Februar 2008
Wieder Ölunfall in Butinge
Der Bau des litauischen Ölterminals Butinge nahe der lettischen Grenze war heiss umstritten - litauische wie lettische Umweltschützer hatten beim Bau heftig protestiert. Damals konnte sich Litauen nicht mit Lettland einigen in den damals neu zu ordnenden Fragen der Energiepolitik: weder über im Bereich der Seegrenze mit Lettland vermutete Ölfelder in der Ostsee, noch in der Hafenpolitik, die der litauischen Ölraffinerie Mazeikiai eine Versorgung von der Ostsee ermöglichen sollte. Wie so oft, wenn sich wirtschaftliche und finanzielle Interessen gegenüber Natur- und Umweltschutz durchsetzen, hieß es damals: die Anlage ist völlig sicher, es kann gar nichts passieren.
Dass es schon lange anders anders ist, wird nicht mehr so laut verkündet. Auch in der vergangenen Woche wieder: bereits am Donnerstag morgen soll sich beim Entladen des Tankers "Antarktika" (registriert unter der Flagge der Cayman Inslands) ein Ölunfall am litauischen Terminal Butinge zugetragen haben - das melden die Nachrichtenagenturen sowohl Litauens wie Lettlands. Auch die Küste des nördlichen Nachbarlands ist bereits betroffen, da momentan vorherrschende Winde das ausgetretene Öl schnell nach Norden trieben. Das Entladen des Tankers wurde gestoppt.
Am Donnerstag hatten litauische Behörden zunächst die Ausbreitung des Öls auf eine Fläche von nur 50 qm geschätzt.
Nachdem Russland die Ölversorgung für die Raffinerie Mazeikiai 2006 über die Drushba-Pipeline wegen angeblich dringender Reparaturen gestoppt hatte, ist Butinge als einzige Versorgungsmöglichkeit übrig geblieben. Seit der Inbetriebnahme des schwimmenden Entlade-Terminals 1999 soll es immer wieder Unfälle gegeben haben: 2001 gerieten gleich 59 Tonnen Rohöl in die Ostsee.
Ob die mühsam gekitteten energiepolitischen Beziehen zwischen Litauen und Lettland (angeblich wollen alle drei baltischen Staaten ja zusammen mit Polen sogar ein Atomkraftwerk bauen) nun wieder in Frage gestellt werden könnten, bleibt vorerst unklar. Zwar äusserte der lettische Umweltminister Vejonis, der selbst in den 90er Jahren gegen den Bau des Terminals aktiv war, gegenüber lettischen Medien seinen Unverständnis über den Unfall - aber für den Bereich Energie ist sein Ministerium gar nicht zuständig. Vejonis gegenüber der Tageszeitung NRA am 1.Februar: "Wie man sieht, ist es besser sehr sorgfältig zu überlegen, bevor so etwas gebaut wird. Damals haben die Litauer behauptet, alles sei vollkommen sicher."
Pressemeldung "Baltic Times" zum Ölunfall
Dass es schon lange anders anders ist, wird nicht mehr so laut verkündet. Auch in der vergangenen Woche wieder: bereits am Donnerstag morgen soll sich beim Entladen des Tankers "Antarktika" (registriert unter der Flagge der Cayman Inslands) ein Ölunfall am litauischen Terminal Butinge zugetragen haben - das melden die Nachrichtenagenturen sowohl Litauens wie Lettlands. Auch die Küste des nördlichen Nachbarlands ist bereits betroffen, da momentan vorherrschende Winde das ausgetretene Öl schnell nach Norden trieben. Das Entladen des Tankers wurde gestoppt.
Am Donnerstag hatten litauische Behörden zunächst die Ausbreitung des Öls auf eine Fläche von nur 50 qm geschätzt.
Nachdem Russland die Ölversorgung für die Raffinerie Mazeikiai 2006 über die Drushba-Pipeline wegen angeblich dringender Reparaturen gestoppt hatte, ist Butinge als einzige Versorgungsmöglichkeit übrig geblieben. Seit der Inbetriebnahme des schwimmenden Entlade-Terminals 1999 soll es immer wieder Unfälle gegeben haben: 2001 gerieten gleich 59 Tonnen Rohöl in die Ostsee.
Ob die mühsam gekitteten energiepolitischen Beziehen zwischen Litauen und Lettland (angeblich wollen alle drei baltischen Staaten ja zusammen mit Polen sogar ein Atomkraftwerk bauen) nun wieder in Frage gestellt werden könnten, bleibt vorerst unklar. Zwar äusserte der lettische Umweltminister Vejonis, der selbst in den 90er Jahren gegen den Bau des Terminals aktiv war, gegenüber lettischen Medien seinen Unverständnis über den Unfall - aber für den Bereich Energie ist sein Ministerium gar nicht zuständig. Vejonis gegenüber der Tageszeitung NRA am 1.Februar: "Wie man sieht, ist es besser sehr sorgfältig zu überlegen, bevor so etwas gebaut wird. Damals haben die Litauer behauptet, alles sei vollkommen sicher."
Pressemeldung "Baltic Times" zum Ölunfall
28 Januar 2008
Wer hat Angst vor Litauern?
Angst vor litauischen Hausärzten in Großbritannien scheinen die britischen Ärzteorganisationen zu haben - so berichtet es auch das Deutsche Ärzteblatt.
Großbritannien gehört ja zu denjenigen EU-Mitgliedsländern, die ihren Arbeitsmarkt schon 2004 für die neuen EU-Mitgliedsländer freigegeben haben. Und da laut diesem Bericht die britischen Ärzte zunehmend darauf verzichten, ihre Patienten auch abends und am Wochenende zu versorgen, soll es zunehmend Ärzte aus dem Ausland geben, die auf die britische Insel reisen um genau diesen Service anzubieten. Besonders stark vertreten sollen Ärzte aus Litauen und Polen sein. Bis zu 3.000 Euro kann so ein einziger Wochenend-Einsatz bringen.
Allerdings bietet nicht jeder Arzt individuell so etwas an, sondern es gibt kommerzielle Vertretungsdienst-Organisationen, die das übernehmen. Und dann kommt es dazu, was der britischen Ärzteorganisation Sorgen bereitet: „Viele polnische Hausärzte arbeiten Montag bis Donnerstag in ihrer eigenen Praxis in Polen. Freitag fliegen sie dann nach Großbritannien. Das kann Reisezeiten von bis zu zehn Stunden mit sich bringen“, so ein Sprecher der britischen „Patients Association“ (PA). „Die Ärzte kommen übermüdet an und die Gefahr ist groß, dass sie Fehler machen. Zumal viele nicht sonderlich gut Englisch sprechen,“ so zitiert das Ärzteblatt die Aussagen der Kolleg/innen im britischen Königreich.
Ganz andere Ängste haben Ökonomen offenbar um die Geschäftserfolge nordeuropäischer Banken. Das HANDELSBLATT überschreibt einen entsprechenden Beitrag vom 22.Januar mit "Der Norden zittert". Die Voraussage geht dahin, dass auch die bisher als krisensicher geltenden skandinavischen Banken noch in den Strudel der Bankenkrise geraten könnten. Grund: eine starke Ausrichtung dieser Banken zu Estland, Lettland und Litauen; damit verbunden werden eine möglicherweise zu leichtfertige Kreditvergabe, ein hohes Leistungsbilanzdefizit vor allem in Lettland (-22%) und Litauen (-14%), verbunden mit starken Lohnsteigerungen von bis zu 30%, die rekordhohe Inflation zur Folge hatten. Dem Handelsblatt zufolge mussten die Swedbank 40,5 Millionen Euro an Kreditverlusten in den baltischen Staaten einstecken, die SEB sogar 75 Millionen Euro.
Großbritannien gehört ja zu denjenigen EU-Mitgliedsländern, die ihren Arbeitsmarkt schon 2004 für die neuen EU-Mitgliedsländer freigegeben haben. Und da laut diesem Bericht die britischen Ärzte zunehmend darauf verzichten, ihre Patienten auch abends und am Wochenende zu versorgen, soll es zunehmend Ärzte aus dem Ausland geben, die auf die britische Insel reisen um genau diesen Service anzubieten. Besonders stark vertreten sollen Ärzte aus Litauen und Polen sein. Bis zu 3.000 Euro kann so ein einziger Wochenend-Einsatz bringen.Allerdings bietet nicht jeder Arzt individuell so etwas an, sondern es gibt kommerzielle Vertretungsdienst-Organisationen, die das übernehmen. Und dann kommt es dazu, was der britischen Ärzteorganisation Sorgen bereitet: „Viele polnische Hausärzte arbeiten Montag bis Donnerstag in ihrer eigenen Praxis in Polen. Freitag fliegen sie dann nach Großbritannien. Das kann Reisezeiten von bis zu zehn Stunden mit sich bringen“, so ein Sprecher der britischen „Patients Association“ (PA). „Die Ärzte kommen übermüdet an und die Gefahr ist groß, dass sie Fehler machen. Zumal viele nicht sonderlich gut Englisch sprechen,“ so zitiert das Ärzteblatt die Aussagen der Kolleg/innen im britischen Königreich.
Ganz andere Ängste haben Ökonomen offenbar um die Geschäftserfolge nordeuropäischer Banken. Das HANDELSBLATT überschreibt einen entsprechenden Beitrag vom 22.Januar mit "Der Norden zittert". Die Voraussage geht dahin, dass auch die bisher als krisensicher geltenden skandinavischen Banken noch in den Strudel der Bankenkrise geraten könnten. Grund: eine starke Ausrichtung dieser Banken zu Estland, Lettland und Litauen; damit verbunden werden eine möglicherweise zu leichtfertige Kreditvergabe, ein hohes Leistungsbilanzdefizit vor allem in Lettland (-22%) und Litauen (-14%), verbunden mit starken Lohnsteigerungen von bis zu 30%, die rekordhohe Inflation zur Folge hatten. Dem Handelsblatt zufolge mussten die Swedbank 40,5 Millionen Euro an Kreditverlusten in den baltischen Staaten einstecken, die SEB sogar 75 Millionen Euro.
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23 Januar 2008
90 Jahre litauische Wiedergeburt
Schon sind die ersten Wochen des Neuen Jahres vergangen, und so langsam besinnen sich die zuständigen Stellen auf einige demnächst anstehende Gedenktage. Am 16.Februar 1918 wurde der unabhängige Staat Litauen wiederhergestellt. Am 11.März 1990 erklärte Litauen erneut seine Unabhängigkeit, und löste sich damit von der Sowjetunion. Und am 23. März 1918 wurde die souveräne Republik Litauen von Deutschland de jure als Staat anerkannt.Baltisch sein - vom Wesen dieser Sache
So lesen wir also jetzt vom "Essentia Baltica". Richtig: "Essentia", Lateinisch "das Wesen einer Sache". Geht das einen ähnlichen Trend wie das lettische Projekt "Balticness" (von der gegenwärtigen Ostseeratspräsidentschaft Lettlands ins Leben gerufen)? "Baltisch sein" statt "Baltikum" (wo die Litauer ja auch nicht dazugehören)? Somit heißt es auch "Baltica" und nicht "Baltikum".
Es war eine von Außenminister Steinmeier zusammengerufene Schar deutscher Kulturschaffender, die im Sommer 2007 mit auf amtliche Litauen-Fahrt gehen durfte. Zumeist genau diese Namen finden sich jetzt auch im amtlichen "Partnerschaftsprogramm": so stellt zum Beispiel Schriftsteller Sten Nadolny am 21., 22. und 23.Februar sein Buch "die Kunst der Langsamkeit" in Vilnius und Kaunas vor (leider nicht zusammen mit seinem anderen Titel "Netzkarte" - dann würde es aktuelle Probleme der Deutschen Bahn schön karikieren ...).
Was aber dürfen wir vom "Wesen der baltischen Sache" in Deutschland erwarten? Das litauische Außenministerium erklärt uns die Grundlagen dieser bilateralen Aktivitäten so: "This year Germany is holding the Year of Baltic Culture and Lithuania is holding the Year of German Culture." Also: Deutschland erklärt uns die "baltische" Kultur, und Litauen popularisiert die deutsche Kultur - welch wundersame Arbeitsteilung! Zumindest inneramtlich scheint dies so abgesprochen zu sein - auch wenn sich dies in den bürgerschaftlichen Aktivitäten (z.B. Deutsch-Litauisches Forum) überhaupt nicht widerzuspiegeln scheint.Vilnius sein: von deutschen Ämtern nicht gern gesehen?
Dann also mal eine Frage an die deutschen Ämter: Warum nennt sich die Deutsche Botschaft in der litauischen Hauptstadt weiterhin hartnäckig "Botschaft Wilna"? Und warum stört das niemand auf deutscher Seite?
Die "deutsche Bezeichnung von Vilnius" ist das jedenfalls nicht. Dies zu ändern, und nicht zu verschweigen, wie die litauische Hauptstadt wirklich heißt, wäre doch eine schöne Aufgabe für ein "deutsch-litauisches Kulturjahr"! Und natürlich für das folgende Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt Vilnius ...Ein Grund für die "verspätete" Ankündigung der gemeinsamen Kulturpräsentation ist wiederum in einer Info des litauischen Außenministeriums zu finden: dieses Jahr fängt nicht am 1.Januar an. Offiziell eröffnet wird es erst am 15.März 2008 mit einem festlichen Konzert der KREMERATA BALTICA in der Philharmonie Berlin. Nur mit geladenen Gästen? Jedenfalls ist der Besuch der vier Staatspräsidenten Adamkus, Köhler, Ilves und Zatlers vorgesehen.
Litauen selbst wird am 16.Februar eine Konferenz veranstalten unter dem Titel '1918: Lessons and Mistakes. Relations among Lithuania, Poland and Germany during the Interwar Period and after the End of the Cold War’.
Und, nicht zu vergessen - denn EU und NATO spielen aus litauischer Sicht sowieso eine gleichstarke Rolle: am 7./8.Februar wird es auch ein informelles Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Vilnius geben; es ist anzunehmen, dass dort ebenfalls Neunzigfaches zelebriert wird.
Zum Weiterlesen:
Erklärung des litauischen Außenministeriums zu deutsch-litauischen Aktivitäten
Erklärung des litauischen Außenministeriums zum informellen NATO-Treffen
Rede von Bundesaußenminister Steinmeier beim Thomas-Mann-Festival in Nida im Juli 2007
Das Auswärtige Amt zu den kulturellen Beziehungen zwischen Litauen und Deutschland (bis zum heutigen Tage fehlen auch dort Hinweise auf "Essentia Baltica", und auch hier wird nicht der Name der litauischen Hauptstadt Vilnius, sondern "Wilna" verwendet ...)

Veranstaltungskalender der Botschaft Litauens in Berlin zu ESSENTIA BALTICA
Fakten zu Vilnius (Infoseite der Kulturhauptstadt 2009, engl.)
Info des lettischen Außenministeriums zum Projekt "Balticness" (engl.)
29 Dezember 2007
Neues Jahr, neuer Pass
Zum 1.Januar 2008 wird Litauen neue Reisepässe einführen, um sich weiter an existierende EU-Standards anzupassen; dies kündigte Innenminister Regimantas Ciupaila im Rahmen einer Presseinformation an. Äußerlich neu ist vor allem die Farbänderung: nicht mehr grün, sondern einheitlich EU-burgunderrot. Foto: Gediminas Savickius
Dem Innenministerium zufolge werden in Litauen pro Jahr etwa 200.000 Passdokumente neu ausgestellt. Natürlich wird auch diese Änderung wieder einmal unter anderem damit begründet, es Passfälschern schwerer machen zu wollen. Seit dem 1.Januar 2003 sind in Litauen bereits Identitätskarten eingeführt (entsprechend den deutschen Personalausweisen).
Die erstmalige Einführung von allgemeinen Passdokumenten auf litauischem Gebiet soll übrigens auf die deutsche Besetzung im Ersten Weltkrieg zurückzuführen sein, darauf weist auch ein Beitrag in "Lithuania in the world" hin. Die Deutschen hätten damals verlangt, dass alle Einwohner ständig einen Pass bei sich tragen. Das war 1915-17, aber als Litauen 1918 wieder unabhängig wurde, war einer der ersten Maßnahmen litauische Pässe einzuführen. Interessante Informationen zu den Passvorschriften der damaligen Zeit versammelt auch das Portal "JewishGen" (siehe Abbildung)Deutschland und Litauen haben seit 1990 wieder gute freundschaftliche Beziehungen erreicht. An historische Parallelen erinnert aber auch, dass auch die aktuell gültigen litauischen Pässe in der Bundesdruckerei in Berlin produziert werden.
Infoseiten:
Passbehörde des litauischen Innenministeriums
Infoseite zu Litauen in der EU
Übersicht zu allen noch gültigen litauischen Passdokumenten (ÖFFENTLICHES ONLINE‑REGISTER ECHTER IDENTITÄTS- UND REISEDOKUMENTE - PRADO), allerdings noch ohne die neue ab 2008 gültige Variante
Infos der Bundesdruckerei Berlin
- zum E-Pass-Upgrade
- zur Produktion von litauischen Führerscheinen
- zu Reisepass-Lesegeräten für Grenzbeamte
08 Dezember 2007
Iki, Iki - bye bye ...
Mit einem freundlichen "Iki" ("Hallo" - oder auch "bis zum nächsten Mal") - so begrüßen und verabschieden die gleichnamigen Kettenglieder dieser litauischen Supermärkte ihre Kunden.
Die geschäftlichen Verflechtungen mit Deutschland wachsen weiter. Sämtliche 2009 Läden in Litauen und auch in Lettland sagen nun "Hallo" zur REWE-Gruppe: Die fünf Einzelhändler Rewe aus Deutschland, Leclerc aus Frankreich, Colruyt aus Belgien, Conad aus Italien und die Schweizer Coop haben gemeinsam die Mehrheit an dem baltischen Unternehmen Iki übernommen.
Der Zusammenschluß dieser Fünf unter dem Label "Coopernic" umfasst in 18 Ländern Europas mit 17.500 Märkten einen Gesamtumsatz von über 100 Milliarden Euro. Der Kaufpreis für 80% der IKI-Anteile soll 1 Milliarde Litas (300 Millionen Euro) betragen haben.
Die bisher litauische Kette IKI erwartet im Jahr 2007 einen Umsatz von 635 Millionen Euro, eine Steigerung um 30% gegenüber dem Vorjahr. 7700 Mitarbeiter/innen arbeiten bisher bei IKI, damit ist es die drittgrößte Lebensmittelkette in den baltischen Staaten. 20 Prozent der Anteile werden unverändert von der Eigentümerfamilie Ortiz - den Brüdern George (42), Oliver (40) und Nicolas (36) aus Belgien - mit ihrer Firma "Baltisches Haus" gehalten, die IKI 1992 gründeten.
Zur deutschen REWE-Gruppe gehören auch die toom-Baumärkte, Penny, ProMarkt, AtlasReisen, DER-Reisebüros, ITS, und Dertour.
Damit findet die sagenhafte Erfolgsgeschichte der Ortiz-Brüder, die 1991 nach Litauen kamen und in zunächst gemeinsam in einer 60qm-Wohnung gelebt haben sollen, einen vorläufigen Höhepunkt.
Auch das Projekt der "In-Your-pocket"-Stadtführer, die inzwischen in 16 verschiedenen osteuropäischen Staaten herausgegeben werden, war eng mit der Geschäftstätigkeit der drei jungen Belgier verknüpft. 1992 wurden die ersten Lebensmittel-Läden gegründet, zu einer Zeit, als in Litauen sogar noch die Reste der Rote Armee stationiert waren.
Die Einzelhandelsketten profitieren vom anwachsenden Konsumbedürfnis, vom Wirtschaftswachtum, und von gestiegenen Löhnen in Litauen. Parallel gibt es allerdings auch erhebliche Preissteigerungen - Grundlage der Profite in dieser Branche. Weiterhin ist die Gesamtzahl der Fläche der größeren Supermärkte stark gestiegen.
Infoseite BusinessLithuania
Pressemeldung der REWE-Group
Beitrag in „Verslo savaitė“ (lit.)
IKI Litauen
Beitrag im "Handelsblatt"
IKI - Vision and values
Die geschäftlichen Verflechtungen mit Deutschland wachsen weiter. Sämtliche 2009 Läden in Litauen und auch in Lettland sagen nun "Hallo" zur REWE-Gruppe: Die fünf Einzelhändler Rewe aus Deutschland, Leclerc aus Frankreich, Colruyt aus Belgien, Conad aus Italien und die Schweizer Coop haben gemeinsam die Mehrheit an dem baltischen Unternehmen Iki übernommen.
Der Zusammenschluß dieser Fünf unter dem Label "Coopernic" umfasst in 18 Ländern Europas mit 17.500 Märkten einen Gesamtumsatz von über 100 Milliarden Euro. Der Kaufpreis für 80% der IKI-Anteile soll 1 Milliarde Litas (300 Millionen Euro) betragen haben. Die bisher litauische Kette IKI erwartet im Jahr 2007 einen Umsatz von 635 Millionen Euro, eine Steigerung um 30% gegenüber dem Vorjahr. 7700 Mitarbeiter/innen arbeiten bisher bei IKI, damit ist es die drittgrößte Lebensmittelkette in den baltischen Staaten. 20 Prozent der Anteile werden unverändert von der Eigentümerfamilie Ortiz - den Brüdern George (42), Oliver (40) und Nicolas (36) aus Belgien - mit ihrer Firma "Baltisches Haus" gehalten, die IKI 1992 gründeten.
Zur deutschen REWE-Gruppe gehören auch die toom-Baumärkte, Penny, ProMarkt, AtlasReisen, DER-Reisebüros, ITS, und Dertour.
Damit findet die sagenhafte Erfolgsgeschichte der Ortiz-Brüder, die 1991 nach Litauen kamen und in zunächst gemeinsam in einer 60qm-Wohnung gelebt haben sollen, einen vorläufigen Höhepunkt.
Auch das Projekt der "In-Your-pocket"-Stadtführer, die inzwischen in 16 verschiedenen osteuropäischen Staaten herausgegeben werden, war eng mit der Geschäftstätigkeit der drei jungen Belgier verknüpft. 1992 wurden die ersten Lebensmittel-Läden gegründet, zu einer Zeit, als in Litauen sogar noch die Reste der Rote Armee stationiert waren.Die Einzelhandelsketten profitieren vom anwachsenden Konsumbedürfnis, vom Wirtschaftswachtum, und von gestiegenen Löhnen in Litauen. Parallel gibt es allerdings auch erhebliche Preissteigerungen - Grundlage der Profite in dieser Branche. Weiterhin ist die Gesamtzahl der Fläche der größeren Supermärkte stark gestiegen.
Infoseite BusinessLithuania
Pressemeldung der REWE-Group
Beitrag in „Verslo savaitė“ (lit.)
IKI Litauen
Beitrag im "Handelsblatt"
IKI - Vision and values
02 Dezember 2007
Es weihnachtet Litauisch
Einen litauischen Weihnachtsmarkt veranstaltete die Botschaft Litauens in Berlin am 30.November, pünktlich zum 1.Advent. Eine schöne Gelegenheit für Berlinerinnen und Berliner, mal einige der tradionell erzeugten und sehr schmackhaften Backwaren zu probieren (allein schon das dunkle Kümmelbrot ist legendär!), sowie sich mit Kunsthandwerk und Kinderspielzeug aus Litauen bekannt zu machen. Der Verkaufserlös kam der litauischen Sonntagsschule in Berlin zugute.
Wer sich bis zum Abend noch nicht satt gegessen hatte, konnte zur Repräsentanz des Landes Sachsen-Anhalt in Berlin (nur wenige Häuser weiter) herüberwechseln, wo erstmals ein vorweihnachtlicher litauischer Abend veranstaltet wurde. Landwirtschaftsministerin Petra Wernicke aus Sachsen-Anhalt konnte hier auch die litauische Ministerkollegin Prof. Kasimira Danute Prunskiene als Gast begrüßen. Prunskiene erinnerte in einer kurzen Ansprache an Litauens mehrfache erfolgreiche Teilnahme an Messen und Wirtschaftsausstellungen in Berlin, zum Beispiel der Grünen Woche. Der Leiter der Landesvertretung, Dr. Michael Schneider, betonte besonders die vielfältigen wirtschaftlichen Kontakte seines Bundeslandes nach Litauen.
Für musikalische Unterhaltung sorgte ein Akkordeon-Quartett aus Kaunas, und das Bindeglied sowohl zwischen den Generationen wie auch den Kulturen stellte eine Kinder-Modenschau dar.Ebenfalls am gleichen Tage fand ein Treffen des Deutsch-Litauischen Forums statt. Es wurden Erfahrungen ausgetauscht zwischen Mitgliedern, die aus verschiedenen Arbeits- und Tätigkeitsbereichen mit Litauen zu tun haben.

Mehr dazu:
Webseite Litauische Botschaft
Vertretung Sachsen-Anhalts in Berlin
Deutsch-Litauisches Forum
22 November 2007
Verfilmte Schlachten
Bereits Ende 2006 waren Einzelheiten bekannt geworden über ein weiteres filmisches Großprojekt, das in Litauen und in St.Petersburg produziert wurde. Es ist die Neuverfilmung von Leo Tolstois Klassiker Krieg und Frieden. In Litauen wurden unter anderem die großen Schlachten von Austerlitz (1805) und Borodino (1812) nachgestellt und gedreht. Nun kommt der Film in Deutschland und Österreich ins Fernsehen. Die Sendetermine für ZDF und ORF stehen bereits fest: 6., 9., 13. und 16. Januar 2008. (Fotos: ORF)Sechs Wochen am Stück in Litauen drehen - das hätte Hauptdarstellerin Hannelore Elsner nicht zugesagt, wenn ihre Kinder noch kleiner gewesen wären, sagt sie im ZDF-Interview. Der fertige Film sei wie ein "riesengroßes, dickes Bilderbuch, das man durchblättert" geworden, meint sie. Über 2000 historische Kostüme waren für den Film angefertigt worden.
Tolstois Werk wurde ja bereits mehrfach verfilmt, die bekanntesten Versionen sind die US-Fassung (1956) mit Audrey Hepburn und Henry Fonda sowie ein sowjetischer Film (1968) von Sergej Bondartschuk. Beide haben ihre Fans, und in Internetforen wird bereits heftig diskutiert, ob diese neue Fassung überhaupt eine Chance hat, diese zu übertreffen.Von dem Bondartschuk-Film sei er schon etwas beeindruckt gewesen, sagt Regisseur Robert Dornhelm. "Das war wahrscheinlich mit Abstand der teuerste Film aller Zeiten, allein für die Schlachten waren 40.000 bis 50.000 Soldaten zwei Jahre lang beschäftigt. Die Kavallerie hatte 5000 Pferde. Drei Jahre lang wurde gedreht, zwei Jahre lang geschnitten. Das ist unvorstellbar und großartig monumental, aber zugleich auch sehr intim, sehr detailverliebt. Der Film ist jedoch auch mit einem Schuss Sowjetpropaganda versehen, was möglicherweise gar nicht im Sinne Tolstois war."
Das heutige Produktionsverfahren benötige nicht mehr so viele Statisten, erklärt Dornhelm. Statt 40.000 Soldaten werden nur noch 1000 real abgefilmt, der Rest geschieht durch Vervielfachung.
"Was sprach für Litauen?" wird Regisseur Dornhelm im ORF-Interview gefragt. Dornhelm: "Dass es noch immer nicht einfach ist, in Russland zu filmen. Dass es dort eine sehr gut funktionierende Filmproduktions-Struktur gibt. Dass die „Schlachtfelder“, die wir brauchten, ganz in der Nähe waren."In Italien wurde der Vierteiler bereites erfolgreich ausgestrahlt, in Frankreich ist gerade Halbzeit: Beide Sender erreichten bisher durchschnittlich rund fünf Millionen Zuschauer pro Folge. Das wurde bei einer Presseveranstaltung am 19.11. in Hamburg bekannt gegeben.
Die österreichischen Medien scheinen Dornhelm ("Östereichs Hollywood-Export") auch als guten Koch zu kennen. "Was haben Sie in Litauen kredenzt?", wir er gefragt. Antwort: "Litauen ist das Land der Pilze, also habe ich Gerichte mit Schwammerln zubereitet. Anfangs griffen sie nur sehr zögerlich zu, aber nachdem die Ersten die Mahlzeiten überlebt hatten, herrschte reger Andrang."
Infos des ZDF zum Film
Bilder zu Teil 1 der ZDF-Serie
Hannelore Elsner zu den Erfahrungen bei den Dreharbeiten
Robert Dornhelm im ZDF-Interview
"Bei zu viel Rühren entsteht Gulasch" -Interview mit Robert Dornhelm bei den OÖ-Nachrichten
Infos des ORF-Kundendiensts zum Film
19 November 2007
Tomas Venclova startet Lesereise
Sein Name ist in Deutschland wohl nicht jedem gleich geläufig - aber für Litauen-Interessierte ist der Name "Venclova" in vieler Hinsicht ein Begriff. Tomas Venclova ist heute einer der am meisten international anerkannten litauischen Autoren, Schriftsteller und Poeten. Seine Stimme wird nicht nur in Form der Rezeption seiner Werke wahrgenommen, sondern auch als entschiedener Vertreter seines Heimatlandes auch unter schwierigen oder zumindest sehr verschiedenen Perspektiven: die Realitäten Sowjet-Litauens hat er durchlitten und erlebt soweit, bis er ins Exil gezwungen wurde. In den USA arbeitend, erinnert er sich wiederum gern der europäischen Perspektive, und schrieb erst kürzlich ein Buch über "Vilnius, eine Stadt in Europa." Und als Poet bringt er Saiten in der Seele der Menschen zu erklingen, die mal litauisch, mal polnisch, mal russisch, mal wie aus einem gemeinsamen menschlichen Heimatland entsprungen zu sein scheinen. Tomas Venclova startete am 18.November 2007 eine neuntätige Lesereise durch Deutschland und Österreich."Ja, ich bin ein Weltenbummler," das gibt Tomas Venclova, vor kurzem 70 Jahre alt geworden, zu, "und ich habe auch weiterhin noch Spaß daran." Auf Grönland sei er noch nicht gewesen, erzählt er scherzhaft, aber wer Gelegentheit hat auf Nahdistanz mit ihm zu reden, wird nicht nur über seine Gewandheit zwischen den Sprachen und Kulturen der Welt beeindruckt sein.
Auch beim Start seiner Lesereise - während seines Aufenthalts in Bremen - gab es genug Gelegenheit zwischen den Erfahrungswelten hin- und herzuwandeln (Welten, die sich ja zumindest teilweise im Inneren des Menschen herausbilden). Von einem herzlichen "Sveiki atvykę" gegenüber den Litauisch-Kundigen macht es Venclova keinerlei Mühe, alsbald tief versunken in Russisch emotional und gleichzeitig analytisch mit Wissenschaftlern zu diskutieren (wie in diesem Fall anläßlich eines Besuchs an der Forschungstelle Osteuropa an der Universität Bremen), und anschließend mit den Gästen seiner Lesung bei Bedarf auch auf Englisch oder Polnisch die Umstände der Entstehung seiner Gedichte zu erläutern.Nein, häufiges Reisen klärt offenbar Kopf, Geist und Seele nach wie vor. Dabei bleibt Tomas Venclova interessiert, wo er sich jeweils befindet. "Ich weiß, was Plattdeutsch ist", kramt er sogar ein paar Worte Deutsch hervor, und auch der Klang dieser Sprache kommt klar und bestimmt von seinen Lippen.
Wer noch Gelegenheit hat, sollte sich die Chance einer persönlichen Begegnung mit Tomas Venclova nicht entgehen lassen!
Weitere Termine: 19.11. Frankfurt, 20.11. Wetzlar, 21.11. Wiesbaden, 22.11. Leipzig, 23.11. Berlin, 26.11. Wien.
Infos zur Neuerscheinung Tomas Venclova "Gespräch im Winter" (Suhrkamp)
Details zur Lesereise
Gespräch von Erich Klein und Uldis Tirons mit Tomas Venclova (Eurozine)
Infos von "Books from Lithuania" zu Tomas Venclova
Tomas Venclova bei "Lyrik online"
"Kritische Ausgabe" zum Buch "Vilnius, eine Stadt in Europa"
Labels:
Kultur,
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Literatur,
Vilnius
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