Desinfektionstrupps an allen östlichen Grenzen Litauens: Bilder und Zustände, die in diesem Sommer weitgehend am Touristenstrom vorbei in Litauen zu sehen waren, da sich das auf die östlichen Grenzen des Landes konzentrierte.
Was Deutschen vielleicht zuletzt aus Zeiten der "Vogelgrippe" bekannt ist, geistert seit einigen Wochen durch die litauischen Fernsehnachrichten. Beauftragte des staatlichen Veterinäramts besprühen, komplett in Schutzkleidung eingehüllt, sämtliche aus Belorussland einreisenden Fahrzeuge mit Desinfektionsmitteln und lassen sie über speziell vorbereitete Matten fahren. Es geht um die Afrikanische Schweinepest (ASP), die in Litauens östlichem Nachbarland ausgebrochen ist. In Grodno war Ende Juni ein Fall von Schweinepest von den Behörden festgestellt worden.
Bis vor kurzem wurden für die Vorsorgenmaßnahmen sogar Gebühren von den Speditionsfirmen verlangt. Regierungschef Algirdas Butkevičius stoppte dies erst nach Zusagen von Vertretern der Europäischen Union, Geld für einen entsprechenden Aktionsplan bereitzustellen. Bis dahin hatten die Desinfektionen Litauen täglich etwa 17.000 Litas (ca.5000 Euro) gekostet.
Ein "Aktionsplan" soll es sein
Seit Anfang Juli ist die Problematik akut, und in dem Zeitraum in dem Litauen sich genötigt sah, vorbeugende Maßnahmen zu treffen, kursierten verschiedene Vorschläge was zu tun sei. Auch Verteidigungsminister Juozas Olekas wurde aktiv - in Vertretung des bis dahin noch im Urlaub befindlichen Regierungschefs. Manche Ideen greifen dabei ziemlich weit: "Wir könnten alle Bären in 10km Grenznähe töten" - solche Aussagen sind von Jonas Milius, Chef der litauischen Veterinärbehörde, überliefert (15min). Bekannt ist die Gefahr der Übertragung des Virus durch Wildschweine.
Neue Steuern für die Transportindustrie wollten Agrarexperten einführen, nachdem bereits der Einfuhr einiger Produkte aus Belorußland vorübergehend untersagt worden war.
Nun ist zu lesen, dass jetzt vom Bau von Zäunen oder gar Mauern die Rede ist. Angeblich haben außer Litauen auch Lettland und Polen ähnliche Pläne. Nun ist von Tiergehegen bereits bekannt wie schwierig es ist, von Wildscheinrotten die Beachtung von einfachen Zäunen zu erwarten. Zudem würden solche Anlagen Millionen von Euro kosten - in Ländern, deren Einwohnern ein dem EU-Durchschnitt entsprechender Arbeitslohn nicht zugestanden wird. Andere reden vorerst nur vom Aufbau von "Pufferzonen" - was aber wohl dasselbe bedeuten soll: Zaunbau, und auch Tötung von Schweinen in bis zu 10km Entfernung von der Grenze? 400km Zaunbau - allein in Lettland - und geschätzte 60 Millionen Euro für
ein derartiges Projekt in den betroffenen Ländern insgesamt, eine verrückte Idee?
Schweinemast ist gegenwärtig in Litauen ein ökonomisch relativ erfolgreicher Agarbereich; 2010 waren 442.600 Schweine exportiert worden, den größten Anteil nach Russland. 2011 war auch in Litauen die Schweinepest ausgebrochen. Die meisten größeren Mastanlagen sind in Litauen erst in den vergangenen Jahren neu entstanden. Besonders junge Schweine gelten als stark ansteckungsgefähret gegenüber dem ASP-Virus.
Lietuva - haben Sie das EU-Mitglied Litauen schon einmal kennengelernt? Ein Land mit wunderschönen Naturlandschaften, einer eigenen Sprache mit großer Tradition, und vielfältigen Kulturzeugnissen. Wir möchten auf dieser Seite zur kritschen Diskussion beitragen über aktuelle Themen Litauens, und gleichzeitig für mehr Verständnis für die litauische Perspektive werben.
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01 September 2013
21 August 2010
Litauische Wettkämpfer/innen auf allen Ebenen
Sportliche Hoffnungen
Nur noch wenige Tage bis zum Start der Basketball-Weltmeisterschaft 2010 in der Türkei. Für Litauer ein großes Thema, klar. Vielleicht wird ja von einem "Spätsommermärchen" geträumt. Neu ist, dass nun auch deutsche Medien vorab über litauische Basketballspieler berichten. Vielleicht brachte sich das litauische Team ja durch den Sieg beim "Supercup" in Bamberg eindringlich in Erinnerung.
Die Spielberichte loben dort besonders Linas Kleiza. Dessen überragende Form veranlasste wohl auch das Sportportal SPOX zu einem gesonderten Beitrag über Kleiza. Interessant dabei mitzuverfolgen, dass unter deutschen Basketballfans eine Überschrift wie "Toronto muss mich wie Bosh bezahlen" für Aufregung sorgt. Das verlangt einige Hintergrundinfos. "Eine Überschrift wie die BILD-Zeitung!" so die Rückmeldungen der Leser auf dieser Seite, und das sollte wohl kein Lob sein (die tatsächliche Aussage Kleizas ist auf derselben Seite nachzulesen). Gut, Kleiza spielt erfolgreich in den internationalen Basketball-Ligen - hier geht es nicht um Interna zwischen Vilnius und Kaunas, sondern zwischen Kanada, den USA und Griechenland; da kennen sich deutsche Sportfans aus. Übrigens bezeichnet Spox Keizas Heimatland als "Mini-Staat" - das reklamierte keiner. Die Basketballer Litauens geben wohl genügend sportliche Antworten.
Sommerloch in Litauen entdeckt?
Eigentlich gab es in den vergangenen Wochen wenig Grund zu denken, die Presse habe nichts anderes zu schreiben als überflüssige "Sommerlochthemen". Von zu vielen Überschwemmungen, Großbränden und Hitzeperioden war in letzter Zeit zu berichten. Was aber ist das erfolgreichste litauische Pressestichwort der Woche? Erstaunlicherweise "Grazolyte". Fast schienen einige Presseblätter froh, von dieser "Misswahl der Ziegen" berichten zu dürfen (Westfälische Nachrichten, Krone, N-TV, Saarbrücker Zeitung, Focus, Westline SWR3, Nürnberger Nachrichten, Ostsee-Zeitung, Augsburger Allgemeine).
"Wir wollen so berühmt werden wie der Stierlauf in Pamplona,", so wird ein Vertreter der Gemeinde von Ramygala zitiert. Für ein paar Tage hat es kurzfristig funktioniert. Angeblich leitet sich der Name des Ortes von "Ožkauostis" her - Hafen der Ziegen. Die zahlreichen Fotos auch in der deutschen Presse scheinen zu beweisen (zum Beispiel N-TV), dass hier "Ziegenreporter" vor Ort in Litauen waren. Oder hat hier ein einzelner Berichterstatter alle interessierten deutschen Medien versorgt? Leider war auch nicht von vemehrtem Absatz litauischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse die Rede. Gab es keinen Ziegenkäse? Dafür machte eben das Stichwort von "Grazolyte" die Runde - der Name der angeblichen Siegerziege (wer nur die deutschen Beiträge liest). Das Thema kam auch in die litauischen Medien. Dort wird allerdings wesentlich mehr landwirtschaftlich "fachgesimpelt", zum Beispiel bei Diena.lt, und es wird klar, dass hier mehrere Siegertitel verliehen wurden.
Während Ziegen also offenbar in Litauen gerade "in" sind, haben Biber einen ganz anderen Ruf. Mehrfach positionierten sich Litauer als potentielle Biber-Jäger. Als diesen Sommer in Riga eine Diskussion um Biber entstand, die sich im Rigaer Stadtpark mitten in der Stadt angesiedelt hatten, boten sich schließlich Litauer als ambitionierte Jäger an: "Bei uns werden die abgeschossen und zu Pelzen verarbeitet," hieß es da.Ähnliches berichtet jetzt "die Presse" in Österreich: nicht nur das litauische Forstbeamte Biber zur "Nagetier-Plage" erklären, sondern im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft zu machen. Als eßbare Delikatesse. Geräucherter Biberschwanz als litauische Delikatesse? Es wird vermutlich nicht vorwiegend positive Reaktionen verursachen. In Deutschland ist der Biber eine geschützte Tierart.
Nicht nur schöne Ziegen
Nein, wenn es um Schönheiten geht, hat Litauen aber nicht nur Ziegen zu bieten. Stolz verkündet das Außenministerium dieser Tage in einer Pressemeldung von neuen Maßnahmen im Kampf gegen Menschenhandel und Gewalt gegen Frauen. Die fürs Publikum gewohnten Laufstege kamen bei "Mrs Universe 2010" zum Einsatz.
Bei Youtube kann man bewundern, wie es jetzt offenbar im litauischen Außenministerium zugeht. Aber im Ernst: mehr Aufmerksamkeit für diese Thematik kann nicht schaden. Wenn schon die litauische Diplomatie so große Schwerigkeiten hat im Umgang mit engagierten Bürgern und unabhängig organisierten Initiativen (NGOs - siehe NGO FORUM Litauen), dann funktioniert es vielleicht eher bei Gelegenheiten, wo nach außen hin eigentlich nicht mehr als ein optischer Schönheitswettbewerb erwartet wird? Zumindest in Litauen war beiden Veranstaltungspartnern mehr Aufmerksamkeit gewiss.
Aber wo sind beim angesprochenen Problemthema eher die Schuldigen und die Verursacher zu suchen? Die schönen Frauen Litauens sind es nicht. Der Blick in die deutschsprachige Presse zum gleichen Thema aber irritiert: die "Badische Zeitung" berichtet zum Stichwort "Miss Universum" über schöne Frauen in Venezuela und missverständlche Kostümierung in Peru. "Die Presse" berichtete schon 2009 nach der Wahl einer Venezolanerin davon, dass diese davon schwärmte wie toll die US-Amerikaner ihr Kriegsgefangenencamp in Guantánamo organisierten. Alle anderen Presseberichte dieser Tage gehen davon aus, dass "Miss Universe 2010" in diesen Tagen in Las Vegas gewählt wird. Die gwohnten einschlägigen Fotos begleiten das Ganze, nirgendwo wird auf die Gefahr von Zwangsprostitution hingewiesen. Aber dann wird es auch "Spätzündern" klar: hier geht es nicht um junge Mädchen, sondern eher um "schöne Mütter"! Nicht "Miss", sondern "Mrs.". Schade, dass über diese Idee und die zugrunde liegenden Rahmenbedingungen (Sponsoren?) auf der Webeseite der Veranstalter wenig bis gar nichts zu lesen steht.
Eine Kandidatin aus Deutschland gab es übrigens in Litauen auch. Olena Koch spricht nach Angaben der Veranstalter fließend Ukrainisch, Weißrussisch, Russisch und Englisch. Das rundet das Bild ab, dass es sich hier offenbar eher um eine osteuropäische Veranstaltung handelt, die den Weg in die deutschen Medien dementsprechend nicht gefunden hat.
Bericht über Linas Kleiza bei Spox.com
Webseite zur Basketball-WM 2010
Webseite von Ramygala
Webseite der "Ziegenparade" (Ožkų parade)
Ziegenparade bei YouTube
Webseite "Mrs Universe Litauen2010"
Webseite "Miss Universe"
Nur noch wenige Tage bis zum Start der Basketball-Weltmeisterschaft 2010 in der Türkei. Für Litauer ein großes Thema, klar. Vielleicht wird ja von einem "Spätsommermärchen" geträumt. Neu ist, dass nun auch deutsche Medien vorab über litauische Basketballspieler berichten. Vielleicht brachte sich das litauische Team ja durch den Sieg beim "Supercup" in Bamberg eindringlich in Erinnerung.
Die Spielberichte loben dort besonders Linas Kleiza. Dessen überragende Form veranlasste wohl auch das Sportportal SPOX zu einem gesonderten Beitrag über Kleiza. Interessant dabei mitzuverfolgen, dass unter deutschen Basketballfans eine Überschrift wie "Toronto muss mich wie Bosh bezahlen" für Aufregung sorgt. Das verlangt einige Hintergrundinfos. "Eine Überschrift wie die BILD-Zeitung!" so die Rückmeldungen der Leser auf dieser Seite, und das sollte wohl kein Lob sein (die tatsächliche Aussage Kleizas ist auf derselben Seite nachzulesen). Gut, Kleiza spielt erfolgreich in den internationalen Basketball-Ligen - hier geht es nicht um Interna zwischen Vilnius und Kaunas, sondern zwischen Kanada, den USA und Griechenland; da kennen sich deutsche Sportfans aus. Übrigens bezeichnet Spox Keizas Heimatland als "Mini-Staat" - das reklamierte keiner. Die Basketballer Litauens geben wohl genügend sportliche Antworten. Sommerloch in Litauen entdeckt?
Eigentlich gab es in den vergangenen Wochen wenig Grund zu denken, die Presse habe nichts anderes zu schreiben als überflüssige "Sommerlochthemen". Von zu vielen Überschwemmungen, Großbränden und Hitzeperioden war in letzter Zeit zu berichten. Was aber ist das erfolgreichste litauische Pressestichwort der Woche? Erstaunlicherweise "Grazolyte". Fast schienen einige Presseblätter froh, von dieser "Misswahl der Ziegen" berichten zu dürfen (Westfälische Nachrichten, Krone, N-TV, Saarbrücker Zeitung, Focus, Westline SWR3, Nürnberger Nachrichten, Ostsee-Zeitung, Augsburger Allgemeine). 
Während Ziegen also offenbar in Litauen gerade "in" sind, haben Biber einen ganz anderen Ruf. Mehrfach positionierten sich Litauer als potentielle Biber-Jäger. Als diesen Sommer in Riga eine Diskussion um Biber entstand, die sich im Rigaer Stadtpark mitten in der Stadt angesiedelt hatten, boten sich schließlich Litauer als ambitionierte Jäger an: "Bei uns werden die abgeschossen und zu Pelzen verarbeitet," hieß es da.Ähnliches berichtet jetzt "die Presse" in Österreich: nicht nur das litauische Forstbeamte Biber zur "Nagetier-Plage" erklären, sondern im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft zu machen. Als eßbare Delikatesse. Geräucherter Biberschwanz als litauische Delikatesse? Es wird vermutlich nicht vorwiegend positive Reaktionen verursachen. In Deutschland ist der Biber eine geschützte Tierart.
Nicht nur schöne Ziegen
Nein, wenn es um Schönheiten geht, hat Litauen aber nicht nur Ziegen zu bieten. Stolz verkündet das Außenministerium dieser Tage in einer Pressemeldung von neuen Maßnahmen im Kampf gegen Menschenhandel und Gewalt gegen Frauen. Die fürs Publikum gewohnten Laufstege kamen bei "Mrs Universe 2010" zum Einsatz.
Bei Youtube kann man bewundern, wie es jetzt offenbar im litauischen Außenministerium zugeht. Aber im Ernst: mehr Aufmerksamkeit für diese Thematik kann nicht schaden. Wenn schon die litauische Diplomatie so große Schwerigkeiten hat im Umgang mit engagierten Bürgern und unabhängig organisierten Initiativen (NGOs - siehe NGO FORUM Litauen), dann funktioniert es vielleicht eher bei Gelegenheiten, wo nach außen hin eigentlich nicht mehr als ein optischer Schönheitswettbewerb erwartet wird? Zumindest in Litauen war beiden Veranstaltungspartnern mehr Aufmerksamkeit gewiss.
Eine Kandidatin aus Deutschland gab es übrigens in Litauen auch. Olena Koch spricht nach Angaben der Veranstalter fließend Ukrainisch, Weißrussisch, Russisch und Englisch. Das rundet das Bild ab, dass es sich hier offenbar eher um eine osteuropäische Veranstaltung handelt, die den Weg in die deutschen Medien dementsprechend nicht gefunden hat.
Bericht über Linas Kleiza bei Spox.com
Webseite zur Basketball-WM 2010
Webseite von Ramygala
Webseite der "Ziegenparade" (Ožkų parade)
Ziegenparade bei YouTube
Webseite "Mrs Universe Litauen2010"
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21 September 2009
Die Pilze sprießen wieder ...
Nach dem Regen ... - die Pressemeldungen
Regelmäßig versuchen wir im Litauen-Blog Themen zu finden, die auch diejenigen interessieren könnten, deren Lebens- oder Interessenmittelpunkt nicht nur Litauen ist. Es wäre vielleicht Zeit zu offenbaren, welches Thema, dass mit schöner Regelmäßigkeit immer im Spätsommer seinen Höhepunkt hat, auch hier die umfangreichste Stammkundschaft hat. Woche für Woche interessieren sich in dieser Jahreszeit über 30 Leser/innen dieses Blogs pro Woche nur für eines: für Pilze.
Regelmäßig versuchen wir im Litauen-Blog Themen zu finden, die auch diejenigen interessieren könnten, deren Lebens- oder Interessenmittelpunkt nicht nur Litauen ist. Es wäre vielleicht Zeit zu offenbaren, welches Thema, dass mit schöner Regelmäßigkeit immer im Spätsommer seinen Höhepunkt hat, auch hier die umfangreichste Stammkundschaft hat. Woche für Woche interessieren sich in dieser Jahreszeit über 30 Leser/innen dieses Blogs pro Woche nur für eines: für Pilze.
Gerai, grybai! Klar, sagen Sie nun vielleicht - also doch Litauen-Fans! Aber die Erklärung ist einfacher: es handelt sich nicht einfach um Pilze, sondern zu 95% konzentriert sich das Interesse nur auf Pfifferlinge (Cantharellus cibarius). Ein Blogbeitrag vom Dezember 2005 hatte es angestossen: fast genauso intensiv, wie die Litauer/innen im August / September jedes Jahr auf Pilzsuche gehen, suchen die Deutschen nach Ratgebern für den Einkauf im Supermarkt. Mögliche radioaktive Rückstände (die Pilze besonders lange speichern können) oder andere Schadstoffe sind dabei die Leitthemen. Böses aus dem Osten?
Was gibt es Neues dazu? 2005 mögen Importe aus dem neuen EU-Mitglied Litauen ja noch ungewöhnlich und deren Qualität eher unbekannt sein. Noch dazu geht ein Teil der Fragen dahin, ob nicht Ware mit einem Schild "aus Litauen" nicht auch aus anderen Ländern weiter östlich kommen könnte, also Litauen in diesem Fall nur ein Zwischenhandelspartner wäre. Pilze in und aus Weißrussland oder der Ukraine haben nachweislich eine höhere Belastung mit Radioaktivität. Also würde hier eine bessere Warenauszeichnung schon helfen?
Fakt ist, dass die deutschen Verbraucher sehr sensibel auf mögliche Radioaktivität reagieren - die Intensität, mit der im Internet nach eine möglichen Kombination von "Litauen" und "Radioaktivität" gesucht wird, zeigt es. Litauens Pläne, nach Schließung des Tschernobyl-Reaktors Ignalina eventuell gleich ein neues AKW zu bauen, wird die Unsicherheit gegenüber Waren aus Litauen vermutlich eher befördern - obwohl Technologie-Fans ja immer bei Neubauten erstmal das Gegenteil behaupten.In diesem Monat ging nun ein neues Thema durch die Presse: Reste von Insektenschutzmittel in nach Deutschland importierten Pilzen. Von "Insektenabwehrmittel in frischen Pfifferlingen" hatte "Umweltruf" schon am 24.Juli 09 berichtet (oder auch "Top-News", ähnlicher Inhalt am 18.9.09). Diese Informationen stammen offenbar aus dem Umweltministerium NRW, und beziehen sich auf die Verwendung von DEET (Diethyltoluamid), einem Wirkstoff zur Abwehr von Steckmücken und Zecken. Die im "Umweltruf" und anderswo vielfach veröffentlichten Angaben gestalten sich allerdings sehr vage: 16 von 54 in den Jahren 2007 und 2008 untersuchten Pilzproben aus dem Handel seien mit zu hohen Grenzwerten an DEET gemessen worden. Im Folgenden werden dann EU-Länder und Nicht-EU-Länder zusammengeworfen: Litauen, Rumänien (wer weiß schon, dass auch dieses Land inzwischen zur EU gehört?), Polen und Russland. 8 der 13 beanstandeten Proben kamen aus Russland, ganze 2 aus Litauen. "Die Proben aus Polen wiesen keine Belastung auf", steht hier sogar.
Untersuchungen, Vermutungen, Bewertungen
Was müssen wir heraus schließen? Ich möchte nicht spekulieren, ob Pilze aus Litauen eher von polnischen Großhändlern auf dem deutschen Markt angeboten werden, oder die beanstandeten "litauischen" Pilze überhaupt in Litauen gesammelt waren. Das steht in solchen Kurzberichten regelmäßig nicht so genau dabei (weil es nicht mit überprüft wird).
Zwei Fakten aber bleiben:
b) NRW-Umweltminister Uhlenhorst gibt zu, dass ein Gesundheitsrisiko nur darin liegen könnte, dass Lieferungen aus Nicht-EU-Staaten nicht sorgfältig genug in dieser Hinsicht kontrolliert wird (also Pilze aus Russland). (siehe auch Pressemeldung Katalyse-Umweltinstitut)
c) die Unterschiede liegen oft in der Behandlung des Themas in den Medien. So könnten über der erwähnten Pressemeldung zwei ganz unterschiedliche Schlagzeilen stehen, zum Beispiel: "Warnung vor Pilzen aus Russland", oder "Gesundheitsrisiko bei Pilzen aus Osteuropa". Die Angst und das Unwissen gegenüber allem, was östlich des Berliner Reichstages liegt, ist immer noch sehr groß!Pfifferlinge und Tierversuche
Und sonst? Schauen wir doch einmal im Originaltext des Gutachtens zu DEET des "Bundesinstitutes für Risikobewertung" (BfR) nach. Die Verfügbarkeit dieser Informationsquelle erwähnen nur die wenigsten Presseberichte zu diesem Thema.
Hier lernen wir verschiedenes.
1) Um mögliche Auswirkungen von DEET zu testen, werden Tierversuche mit Hunden herangezogen. Während bei Menschen 0,75 Mikrogramm DEET pro kg Körpergewicht und Tag als unbedenklich angesehen wird, wurde bei diesen Hunden das Zehnfache als unbedenklich eingestuft (also bekamen sie auch mehr als das Zehnfache verabreicht!). Untersuchungsergebnis ist hier also nur: "der Sicherheitsabstand bis zu der Menge, bei der im Tierversuch eine schädliche Wirkung einsetzt, wird als bei weitem ausreichend angesehen." (BfR). Im weiteren ist im BfR-Bericht auch von DEET-Versuchen mit Ratten und mit "menschlichen Freiwilligen" die Rede.
2) Wir lernen: die BfR kann Untersuchungsergebnisse bekannt geben (auf die sich dann Minister bei der Schlagzeilenproduktion stützen), obwohl sie selbst gar keine neuen Forschungen getätigt hat. Im Bericht steht nämlich, dass sich alle Bewertungen auf eine Untersuchung aus Schweden zur Gesundheitsgefährung von DEET stützt. Die BfR hat also lediglich Warenproben auf ihren DEET-Gehalt messen lassen (und Tierversuche in Auftrag gegeben?). Warum fragen die Minister, wenn sie zu DEET etwas wissen wollen, also nicht direkt in Schweden an - zitieren in der Presse aber einen Bericht, in dem mehr von Tierversuchen die Rede ist als von Pilzen? Angst und Unsicherheit gegenüber Osteuropa also als Mittel zum Zweck der Rechtfertigung von Tierversuchen?? - Aber nein, einfacher für die deutschen Medien war es wohl, die 15-Zeilen-Meldung aus Ministerhand zu zitieren.
Und wenn doch mal etwas gefunden wird?
Lobenswert sind da Berichte wie in der "Ärztezeitung" - hier ist lediglich das sachliche Untersuchungsergebnis, nicht aber ein Rückschluß auf bestimmte Herkunftsländer zu lesen. Und auch ein anderer Bericht aus Ärztesicht ist lesenswert: ein Tagungsbericht von Amtstierärzten in Mecklenburg-Vorpommern vom 1.7.2009 - dort sind bei Pilz-Stichproben auch Daten zu Ware aus Deutschland nicht ausgenommen, und siehe da: auch diese ist nicht immer einwandfrei. Und: hier wird auch mal der Diskussionsstand unter den Sachverständigen verschiedener Bundesländer zusammengefasst.
Und es steht hier auch Erstaunliches nachzulesen: was passierte eigentlich 1999, als bei Kontrollen Pilze aus Russland mit einem überhöhten Gehalt an Radioaktivität von 2.100 Bq/kg festgestellt wurden? "In BY in einem Müllkraftwerk vernichtet". (BY = Weißrussland). Aha, nicht einmal von "Entsorgung" ist hier noch die Rede, und Weißrussland ist ja eh radioaktiv belastet - also Entwarnung für Deutschland?
Und noch eine Bemerkung, so kurz vor den deutschen Bundestagswahlen: Behauptungen, Parteiprogramme oder Politikersprüche seien in der Regel "keinen Pfifferling wert", haben ebenfalls kaum ursächlich direkt etwas mit Litauen zu tun, gelten dort aber wohl ähnlich.
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01 November 2007
Ackern in Litauen, einsacken in Deutschland
Als Bauer an die Börse - das ist dieser Tage eine beliebte Schlagzeile in vielen Wirtschafts- nachrichtendiensten. Beim näheren Hinschauen wird deutlich, dass hier ein deutscher Agrarkonzern, der vorwiegend in den ostdeutschen Bundesländern aktiv ist, sich Flächen in Litauen zur Bewirtschaftung gesichert hat und damit offenbar gute Gewinne macht. Die KTG Agrar AG, inzwischen mit Sitz in Hamburg, wird als einer der größten Agrarproduzenten Europas bezeichnet. Aber auch mit Öko-Getreide wird gutes Geld verdient.Wofür sind solche Erfolgsgeschichten charakteristisch? Dass es der Landwirtschaft endlic
h wieder besser geht? Wenn ja, dann ist hier wohl kaum eine bäuerliche Familienwirtschaft traditionellen Stils gemeint. Oder dafür, dass man neuerdings mit Getreide, Milch und andere landwirtschaftliche Produkte wieder besseren Absatz findet am Weltmarkt? Aber ob die Verdienste der Agrarkonzerne der ganzen Branche helfen ist ja eher unsicher. Dass große Agrarkonzerne gut verdienen können? Nun ja, das war schon länger klar. Oder vielleicht, dass in Zukunft nicht mehr in Eßbares investiert werden wird, sondern - trotz Hunger in der Welt - in eine Landwirtschaft, deren Produkte z.B. zur Energieerzeugung verbrannt werden? Nun ja, die KTG Agrar produziert erstmal Biogas.
Zunächst ist es die Geschichte von den Gebrüdern Hofreiter aus dem Süddeutschen, so wie sie zum Beispiel im Hamburger Abendblatt erzählt wird. Über Bio-Eier und Geflügel landeten sie beim Getreideanbau, auch bei Mais, Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln. 14.000 Hektar werden inzwischen insgesamt bewirtschaftet ("19.500 Fußballfelder groß", sagen die Hofreiters - kann das mal jemand in Basketballfelder umrechnen?).
Die Rede ist vor allem von einem Boom bei Ökoprodukten. 5700 ha Biogetreide, und 10 Biogasanlagen gehören zur Firma. In Litauen gibt es seit 2005 KTG Standorte in Raseiniai, bei Vilnius und Mažeikiai.Eine kritische Stimme zum geplanten Börsengang der KTG Agrar wird bei Yahoo-Nachrichten zitiert, die sich auf einen Beitrag in der FAZ vom 28.10.07 beruft. "Hohe Subventionen verzerren die Bilanzen", erklärt dort der Bundesvorsitzende der "Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft" (ABL) und grüne Europaabgeordnete Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf. Zum einen sei es beschlossen, die 300.000 Euro EU-Zuschuß, die ein Betrieb bekommt, bis zu 58% zu kürzen. Die FAZ rechnet vor: von 885 Euro Erlös pro Hektar stammten 308 Euro aus Steuergeldern, und damit deutlich höher als der Nettogewinn von 123 Euro. Bis 2013 bleibt aber mit den EU-Zuschüssen vorerst alles beim Alten: bis dahin hofft die KTG Agrar genug Gewinn erwirtschaftet zu haben, um auch als Aktiengesellschaft überlebensfähig zu sein. (Fotos und Grafik: KTG Agar)
Pressemitteilung KTG Agrar
Hamburger Abendblatt
Handelsblatt
Stock-World
Yahoo-Nachrichten
29 August 2007
Deutsche Bauern durchpflügen Litauen
Kann ein Bauer Karriere machen? Er kann!
Natürlich nicht auf dem heimischen Bauernhof. "Über die heimische Scholle hinaus" bekommt eine ganz neue Bedeutung, meist erst im Ausland.
Es sind Geschichten auch für die landwirtschaftliche Regionalpresse: vom 7. - 17. September 2007 finden in Kaunas / Litauen die Weltmeisterschaften im Wettpflügen statt.
Drei Deutsche werden in Kaunas teilnehmen: Stefan Brudy aus Appenweier und Michael Podehl aus Oyten / Bassen. "Mit einem nagelneuen Traktor per Fähre via Kiel über die Ostsee nach Litauen", berichtet die Syker Kreiszeitung. Eine der ungewöhnlicheren Arten zu reisen - allerdings wird der Traktor verladen. "In Kaunas untergebracht in einem gerade neu eröffenten Studentenwohnhiem", weiß der "Züricher Unterländer" über den Schweizer Teilnehmer Peter Ulrich zu berichten. Ulrich blickt gemäß dieser Veröffentlichung bereits auf eine "25-jährige Pflügerlaufbahn" zurück. Europameister, Viceweltmeister, Schweizer Meister - wer wird da neidisch auf irgendwelche Sportler sein?
Die Schweizer machen sich auch um die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit in Litauen Sorgen. "Im Gegensatz zu meinen Äckern hat es in Litauen viel weniger Steine», erklärt Ulrich der interessierten Presse. "Da der Sandanteil dafür höher ist, wird man jeden kleinsten Fehler sogleich sehen." Ein "gleichmäßiges Wellblechmuster" gilt es zu pflügen, erklärt Podehl, der dreifache deutsche Meister in Folge.
Wie aber kommt ein gewöhnlicher Bauer (Entschuldigung: Landwirt) zu solchen Reisen? "Nur weil zu Hause Betriebshelfer und die ganze Familie helfen. Sonst könnten wir uns mit unseren 100 Milchkühen einen 14-tägigen Ausfall mitten in der Erntezeit nicht leisten," erklärt Podehl.
Infos zum Thema:
Homepage der Pflüger Weltmeisterschaft in Kaunas
Vorbericht "Züricher Unterländer"
Vorbericht Syker Kreiszeitung
Ergebnisbericht in den OÖ-Nachrichten
Bericht bei "Baden online"
Natürlich nicht auf dem heimischen Bauernhof. "Über die heimische Scholle hinaus" bekommt eine ganz neue Bedeutung, meist erst im Ausland.
Es sind Geschichten auch für die landwirtschaftliche Regionalpresse: vom 7. - 17. September 2007 finden in Kaunas / Litauen die Weltmeisterschaften im Wettpflügen statt.Drei Deutsche werden in Kaunas teilnehmen: Stefan Brudy aus Appenweier und Michael Podehl aus Oyten / Bassen. "Mit einem nagelneuen Traktor per Fähre via Kiel über die Ostsee nach Litauen", berichtet die Syker Kreiszeitung. Eine der ungewöhnlicheren Arten zu reisen - allerdings wird der Traktor verladen. "In Kaunas untergebracht in einem gerade neu eröffenten Studentenwohnhiem", weiß der "Züricher Unterländer" über den Schweizer Teilnehmer Peter Ulrich zu berichten. Ulrich blickt gemäß dieser Veröffentlichung bereits auf eine "25-jährige Pflügerlaufbahn" zurück. Europameister, Viceweltmeister, Schweizer Meister - wer wird da neidisch auf irgendwelche Sportler sein?
Die Schweizer machen sich auch um die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit in Litauen Sorgen. "Im Gegensatz zu meinen Äckern hat es in Litauen viel weniger Steine», erklärt Ulrich der interessierten Presse. "Da der Sandanteil dafür höher ist, wird man jeden kleinsten Fehler sogleich sehen." Ein "gleichmäßiges Wellblechmuster" gilt es zu pflügen, erklärt Podehl, der dreifache deutsche Meister in Folge.
Wie aber kommt ein gewöhnlicher Bauer (Entschuldigung: Landwirt) zu solchen Reisen? "Nur weil zu Hause Betriebshelfer und die ganze Familie helfen. Sonst könnten wir uns mit unseren 100 Milchkühen einen 14-tägigen Ausfall mitten in der Erntezeit nicht leisten," erklärt Podehl.
Infos zum Thema:

Homepage der Pflüger Weltmeisterschaft in Kaunas
Vorbericht "Züricher Unterländer"
Vorbericht Syker Kreiszeitung
Ergebnisbericht in den OÖ-Nachrichten
Bericht bei "Baden online"
11 Mai 2006
Linux-Fans entdecken litauisches Bier
Manchem mag die Abkürzung LINUX genauso unbekannt vorkommen, wie anderen die Namen litauischer Kleinstädte. Glücklicherweise gibt es etwas so verrücktes wie eine LINUX-BIER-WANDERUNG, und dank dieses wagemutigen Unternehmens werden einige Freunde dieses speziellen Computer-Betriebssystems (also keine Freunde von Bill Gates!) nun auch mal die Gegend um den Nationalpark Aukstaicija in Litauen kennenlernen.
Gegründet worden soll das Unternehmen "Bier-Wanderung" 1999 im deutschen Pottenstein. Zu erklären, wo dieser mystische Ort nun überhaupt liegt, da geben sich die Linux-Freunde auf ihrer internetseite erst gar keine große Mühe. Um so mehr machen sie allerdings bereits vorab Reklame für die zu erwartenden Getränke und Speisen. Große Fotos von Bier, Zeppelini und mehr sollen für das Treffen Mitte August 2006 werben, zu dem sich nach Angaben der Veranstalter jedes Jahr um die 80 Leute aus verschiedenen Ländern einfinden.
"Die LBW lebt von der aktiven Beteiligung der Teilnehmer, welche die Programmpunkte selbständig anbieten und durchführen," so stellt es ein Teilnehmer von deutscher Seite heraus (Christopher Arndt). "Jeder kommt für seine eigene Unterkunft, Verpflegung, und Aufwendungen selbst auf", ist dort zu lesen. Neben Ausflügen und Sehenswürdigkeiten ist dann aber eine angemietete Halle vor Ort der Aktionsmittelpunkt. Die Teilnehmer, die wohl alle mindestens einen Laptop dabei haben dürften (womit zu erwarten ist, dass in Aukstaicija zu diesem Anlaß ein Rekord an Technologieansammlung zu verzeichnen gäbe), wollen ihre Hardware natürlich untereinander vernetzen, so dass Erfahrungsaustausch, Seminare und Präsentationen erleichtert werden.
Also: nichts wie auf nach Litauen, lieber Computerfreaks und Linux-Fans! Eine erste Sprachhilfe in Form einer Wortliste Englisch-Litauisch liefern die Organisatoren auch schon mit. Interessenten, die nicht sicher sind, ob sie im August Zeit haben nach Litauen zu kommen, können sich auch auf eine Mailingliste zur Benachrichtigung über weitere Aktivitäten setzen lassen.
Gegründet worden soll das Unternehmen "Bier-Wanderung" 1999 im deutschen Pottenstein. Zu erklären, wo dieser mystische Ort nun überhaupt liegt, da geben sich die Linux-Freunde auf ihrer internetseite erst gar keine große Mühe. Um so mehr machen sie allerdings bereits vorab Reklame für die zu erwartenden Getränke und Speisen. Große Fotos von Bier, Zeppelini und mehr sollen für das Treffen Mitte August 2006 werben, zu dem sich nach Angaben der Veranstalter jedes Jahr um die 80 Leute aus verschiedenen Ländern einfinden."Die LBW lebt von der aktiven Beteiligung der Teilnehmer, welche die Programmpunkte selbständig anbieten und durchführen," so stellt es ein Teilnehmer von deutscher Seite heraus (Christopher Arndt). "Jeder kommt für seine eigene Unterkunft, Verpflegung, und Aufwendungen selbst auf", ist dort zu lesen. Neben Ausflügen und Sehenswürdigkeiten ist dann aber eine angemietete Halle vor Ort der Aktionsmittelpunkt. Die Teilnehmer, die wohl alle mindestens einen Laptop dabei haben dürften (womit zu erwarten ist, dass in Aukstaicija zu diesem Anlaß ein Rekord an Technologieansammlung zu verzeichnen gäbe), wollen ihre Hardware natürlich untereinander vernetzen, so dass Erfahrungsaustausch, Seminare und Präsentationen erleichtert werden.
Also: nichts wie auf nach Litauen, lieber Computerfreaks und Linux-Fans! Eine erste Sprachhilfe in Form einer Wortliste Englisch-Litauisch liefern die Organisatoren auch schon mit. Interessenten, die nicht sicher sind, ob sie im August Zeit haben nach Litauen zu kommen, können sich auch auf eine Mailingliste zur Benachrichtigung über weitere Aktivitäten setzen lassen. 31 Dezember 2005
Litauische Pfifferlinge im Test
Ein litauisches Erfolgsprodukt auf dem deutschen Markt scheinen die Pfifferlinge zu sein. Schon seit Jahren steigt der Export nach Deutschland immer weiter an. Als "Pilzparadiese" sind die baltischen Staaten sowieso bekannt, aber während Touristen sich meist wegen fehlender Kenntnisse nicht so richtig in litauische Flur und Wälder trauen, sind die Händler umso erfolgreicher. Pfifferlinge sind in Deutschland im Vorkommen so stark zurückgegangen, dass die kommerzielle Verwertung und der massenhafte Handel damit verboten sind - also gute Chancen für Importeure.Im September widmete sich "Servicezeit", eine Fernsehsendung des WDR, einmal ganz den Pfifferlingen.
20 verschiedene Warenproben wurden an verschiedenen Stellen in Nordrhein-Westfalen, im Supermarkt und auf Märkten, gekauft und anschließend auf Qualität im Labor getestet. Diese Testergebnisse sind jetzt auch im Internet einsehbar. Diesen Angaben zufolge stammen die meisten der gegenwärtig im deutschen Handel befindlichen Pfifferlinge aus Ländern in Osteuropa (Weißrussland, Polen, Litauen, Russland, Serbien, Ungarn oder Bulgarien).Insgesamt waren die Tester nicht besonders zufrieden - nur ein Viertel der getesteten Pilze schnitt mit den Noten „gut“ oder „zufrieden stellend“ ab. Der Rest wurde mit Kommentaren bedacht wie „vergammelt“, „matschig“, „klein, schmutzig und uralt“. Die Preise schwankten übrigens sehr stark: von 5,98 Euro pro Kilo bis hinauf zu stolzen 19,80 Euro!
Wildpilzimporte müssen eigentlich an den EU-Grenzen auf Radioaktivität untersucht werden - nicht nur wegen der Sorgen um Nachwirkungen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Die Fernsehtester fanden bei ihren Nachkontrollen hier in einigen Proben deutlich überhöhte Werte - und hier kommen wir zu den Ergebnisse für die Pilze aus Litauen. Auch zwei Warenproben aus Litauen wiesen erhöhte Radioaktivitäts-Werte auf: 170 Bq/kg bei Ware aus einem HIT-Markt in Geldern / Rheinland, und 140 Bq/kg bei Ware aus einem REAL-Markt aus Düsseldorf.
Bessere Bewertungen gab es für litauische Pfifferlinge eines PENNY-Markts aus Düsseldorf (zudem mit 6,58 Euro/kg) sehr preisgünstig, und jeweils für Ware aus einem REWE-Markt und einem ALDI in Köln. Auch die billigeste Warenprobe im Test, in einem GLOBUS-Markt in Köln gekauft, wurde schlecht bewertet, da sie fast schimmelig war, als sie gekauft wurde.
Warum so relativ schlechte Werte?
Schaut man sich die Werbung der litauischen Pfifferlings-Großhändler an, wie z.B. EDELVEISAS aus Kaunas, dann müsste eigentlich alles in Ordnung sein: Fotos von sauberen Verpackungsräumen, alles nach den üblichen Hygiene-Standards. Allerdings wird hier auch mit "Importen aus GUS-Staaten" geworben - sind "litauische Pilze" also überhaupt aus Litauen? Bisher hat offensichtlich noch niemand überprüft, ob eine solche Vermutung stimmen könnte. Ein anderer Grund für schlechte Ware im Handel könnten natürlich auch Mängel bei Transport und Lagerung in Deutschland sein. Immherhin wiesen die meisten Beanstandungen bei denen vom WDR getesteten Pilzen Feuchtigkeitsschäden auf - was sicherlich nicht daran liegt, dass die Ware etwa nass gepflückt würde. Die besten Testergebnisse hatten übrigens Pilze aus Polen, Frankreich und Ungarn. Aber leider wurde nicht mit untersucht, an welchen Stellen der Produktion und des Handels die Schwächen liegen könnten.
2004 gab es auch beim SWR-Fernsehen (bzw. ARD) schon mal einen Bericht über Pilze aus Litauen ("der Pilzkönig erobert Europa"). Dort wird es so dargestellt, als ob die Lieferungen von Sammlern direkt nach Deutschland gehen - was ja eigentlich der Frische zu Gute kommen könnte.
Auch die Zeitschrift ÖKOTEST hat im Jahr 2005 Pfifferlinge getestet - in erster Linie auf Radioaktivität. Hier wurden 68 Proben untersucht, wovon zwei Drittel keine wesentliche Belastung aufwiesen. Zum Thema "Litauen" sagt ÖKOTEST: "Generell gilt, dass Pfifferlinge aus Osteuropa etwa Weißrussland wegen des höheren Tschernobyl-Fallouts stärker belastet sein können. Ein Drittel der Pfifferlinge kam aus Litauen, wo offenbar auch Pilze aus Weißrussland gesäubert und verpackt werden."
Also: sind wir so schlau wie zuvor? Vielleicht bringen wir uns doch lieber aus dem Litauen-Urlaub eine schöne Portion frischer, trocken gelagerter Pfifferlinge mit und bereiten sie selbst zu?
Hier zum Schluß noch ein schöner Tipp zum Thema "Pfifferlinge aus Litauen" von einer plattdeutschen Seite des Hamburger Abendblattes: "De lütten Körf dreegt den Stempel "Herkunftsland Litauen". Müch nich weten, wat de Minschen, de de Pfifferlingen dor seukt, för jümehr Arbeit kriegt. Wi loot uns dat good smecken, ober wenn wi se nich wörrn keupen, harrn se sachs gor nix. Ok dat mööt wi bedinken. Keupt un geneet man de kotte Pfifferlingstiet, dormit doot wi liektiedig een godet Wark."
NACHTRAG für 2006:
Aktuelle Hinweise der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein gibt "LexisNevis" (Kv-Lex) wieder. Dort wird auf den möglicherweise langen Transportweg hingewiesen, den Pfifferlinge aus anderen Ländern bereits hinter sich haben könnten; verdorbene Exemplare könnten eine sogenannte "unechte Pilzvergiftung" auslösen. Vergessen wird dabei aber meiner Ansicht nach zu erwähnen, dass der Transportweg aus Litauen ja gar nicht so lang ist (nach Berlin sowieso nicht, und per Fähre nach Rostock oder Sassnitz ...). Allerdings: Wenn die Pfifferlinge gar nicht aus Litauen stammen, sondern nur von einer dortigen Firma aus demübrigen Osteuropa eingeführt wurden zum Weitertransport, dann könnte es doch von Belang sein ...
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