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23 März 2018

Durchreisende Kickerfreunde

In Litauen steht die Fußballweltmeisterschaft an. In Litauen? Bekanntlich schied das Fußballteam Litauens in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Russland sang- und klanglos aus. Aber, wer genau hinschaut, wird feststellen: die WM 2018 findet nicht nur in Zentral-Russland statt, sondern eben auch in Kaliningrad. Wer Fußballfan ist, und diese Spiele besuchen möchte, wird meist nicht anders können - als durch Litauen zu reisen.

So wird also am 16. Juni das Spiel Kroatien gegen Nigeria, am 22. Juni Serbien gegen die Schweiz, am 25. Juni Spanien gegen Marocco, und auch am 28. Juni das Spiel England gegen Belgien im Stadion von Kaliningrad stattfinden. Dafür spendierten die Organisatoren der Stadt ein völlig neues Stadion mit einem Fassungsvermögen von 35.000 Zuschauern, nach der WM soll hier dann der FC Baltika Kaliningrad spielen. Das Stadion sollte eigentlich am 22.3. auf Wunsch des russischen Konzerns GAZPROM, durch ein Gastspiel des FC Schalke 04 eröffnet werden - das verhinderten aber die derzeit in Kaliningrad herrschenden arktischen Minustemperaturen (siehe "Kicker").

Derweil haben litauische Stellen ganz andere Sorgen, wie ein Bericht der "Baltic Times" zeigt. Einerseits gibt es Vereinbarungen zwischen litauischen und russischen Behörden, die Anzahl der Transitzüge während der Fußball-WM zu verdreifachen: viermal täglich wird es dann Verbindungen geben, für bis zu 2400 Gäste. Aber reicht das aus? Remigijus Motuzas, Botschafter Litauens in Russland, äußerte die Annahme, viele Fans würden auf das Angebot kostenlosen Zugtransfers zurückgreifen, wenn sie erstmal in Russland angekommen seien und im Besitz von Tickets für Spiele in Kaliningrad sind. Wegen des freien Bahntransfers sei es einfacher, über Moskau nach Kaliningrad zu reisen.
Die WM-Organisatoren bemühen sich (sprachlich noch
verbesserungsbedürftig) um Infos für Zugreisende


Schwieriger wird es werden für Reisende, die ein Visum für die Durchreise durch Litauen benötigen - so zum Beispiel Fans aus Nigeria oder Marokko, die ihre Mannschaften in Kaliningrad erleben wollen. Renatas Pozela, Chef der litauischen Grenzpolizei, äußerte zudem die Hoffnung dass es nicht zu illegalen Grenzübertritten komme. In der englischen Presse sind Reisetipps zu lesen, die für Kaliningrad-Reisende preisgünstige Flüge entweder über Gdansk (Danzig) oder das litauische Palanga empfehlen. Wie der Ablauf bei den PKW-Reisenden aussehen wird - alle beteiligten Behörden hoffen auf einen reibungslosen Grenzverkehr.
Transitverkehr Moskau-Kaliningrad per Zug: noch sind Plätze frei!

08 September 2016

Litauen fliegt

Der Zubringerdienst zu den größeren Inseln im Westen Estlands hat seit einigen Wochen die litauische "Transviabaltika" übernommen. Anfang September wurde bereits eine erste Bilanz gezogen: 5400 Passagiere wurden in den ersten etwa 10 Wochen Betriebsdauer befördert; den Worten von Rene Must zufolge, Repräsentant der Firma in Estland, wurde ein leichter Aufwärtstrend bei den Passagieren registriert (ERR). Die gängigsten Routen sind dabei die Flüge von Tallinn nach Kuresaare und Tallinn-Kärdla. Geflogen wird mit einer "LET L410" und einer "Jetstream 32".

Die Strecke Kuressaare-Tallinn wurde zuvor von der estnischen Firma "AviesAS" bedient. Die estnischen Aufsichtsbehörden sahen aber die Sicherheit des Flugbetriebes gefährdet - nicht durch die eingesetzten Flugzeuge, wie gegenüber der Presse betont wurde, sondern durch die Art, wie die Firma geführt und gemanagt sei (Baltic Course). Im März wurden bereits die Flüge in Schweden, im April dann auch die Inlandsflüge in Estland gestoppt; im Juni erklärte die Firma dann ihren Bankrott.

Die Verträge mit "Transviabaltika" laufen zunächst bis Mai 2019. Das zuständige estnische Ministerium bereitet für den Zeitraum danach eine neue Auschreibung vor. Bis dahin heißt es also: Litauen fliegt - in Estland. Nach den weniger positiven Versuchen im Luftverkehr von "Air Lithuania" (2005 eingestellt), "Air Lituanica" (bis 2015) und "FlyLAL" (Bankrott 2009) vielleicht doch noch die richtige Nische für litauische Fliegerambitionen.

23 Dezember 2015

Kaunas Bilanzen

Eine interessante Jahresbilanz für die Stadt Kaunas, Litauens zweitgrößte Stadt, zieht Daiva Repečkaitė für den "Lithuania Tribune" (siehe auch Delfi.lt). In Kaunas habe sich einiges geändert im Laufe des Jahres 2015: erneuerte Brücken, umgestaltete Fußgängerbereiche, bessere Straßen - und alles unter einem neu gewählten Stadtparlament. Nur die Mitbestimmung der Bürgerinnen und Bürger sei etwas auf der Strecke geblieben.

Visvaldas Matijošaitis, Unternehmer und einer der reichsten Männer Litauens, machte sein Geld vor allem mit Fischkonserven, Surimi-Fischbrei, und französischen Autos (Vičiūnai-Gruppe). Zu Sowjetzeiten noch im Militär Seit 2011 war er Mitglied im Stadtrat, seit einigen Monaten ist er Bürgermeister von Kaunas. "Bleib ruhig und stimm für Matijošaitis", so der Slogan der Wahlkampagne seiner Wahlliste "Vieningas Kaunas" ("Vereinigtes Kaunas"), einer Wirtschafts-nahen Vereinigung.

Während einige in Kaunas schon davon träumen, im Jahr 2022 "Europäische Kulturhauptstadt" werden zu können - ein Titel, den Vilnius 2009 trug - liegen die größten Probleme immer noch in der fehlenden Wirtschaftskraft und Abwanderung junger Leute - sowohl nach Vilnius, wie vor allem in andere europäische Länder wie Irland, Großbritannien oder auch Deutschland. Litauische Jugendliche müssen vor allem eine Chance auf einen Arbeitsplatz bekommen, damit sie "nicht ihre Heimatstadt verlassen, sondern ihr Leben gestalten und das Leben in ihrer Stadt mit gestalten“ - so bekamen es auch schon Besucherdelegationen aus Deutschland von Bürgermeister Matijošaitis zu hören (lippe-news).

Kritiker, wie Journalistin Repečkaitė hingegen, weisen eher auf den verschwenderischen Lebensstil des Ferrari-Fahrers Matijošaitis hin, der sich auch wohl kaum von den wirtschaftlichen Interessen der ihm gehörenden Firmen distanzieren könne, als kaum als neutral angesehen werden könne; so wie im Fall des alten Hotels "Respublikos" in Kaunas, das jahrelang als unfertige Ruine dastand und die Vičiūnai-Gruppe dann als möglicher Käufer auftrat. Andererseits: der zentrale Busbahnhof der Stadt zog vorübergehend an das Shoppingcenter "Akropolis" um, während der alte Platz umgebaut wird. Und Erleichterungen auch für kleine Unternehmer kündigte die Stadt - ganz modern - Neuerungen per Twitter unter dem Hashtag "#permainos_Kaune" an.

Kaunas wünscht, jede Bürgerin und jeder Bürger mögen
glücklich sein mit und in ihrer Stadt
Auch zu anderen Themen gibt es unklare Tendenzen: einerseits will die Stadt Teil der Altstadt Kaunas, mit Schwerpunkt auf die Architektur der Zwischenkriegszeit, auf die Liste des UNESCO Welterbes setzen lassen (15min); andererseits tue die Stadt nichts dagegen, dass gerade in diesem Bereich einige Hauseigentümer ihre Gebäude völlig verfallen lassen. - Während einige Universitäten in Vilnius, Kaunas, Šiauliai und Klaipėda ihre Kräfte zusammentun und Institute zusammenlegen, gab es in Kanaus Ärger um eine von der Polizei gewaltsam beendete Studentenaktion am 1.September, zu Beginn des neuen Schuljahres. Die Studierenden hatten ein "Glückrad" aufgestellt, und wer sich daran versuchte, konnte allerdings auch bei "Niedriglohnjobs", "Emigration ins Ausland" oder anderen schlechten Zukunftsprognosen landen. Obwohl selbst der Uni-Rektor sich für die Aktivisten einsetzte, wurde einer der Organisatoren sogar vor Gericht schuldig gesprochen, da er gemäß litauischen Gesetzen bereits vorher alle anzumeldenden öffentlichen Aktivitäten genau hätte beschreiben müssen.

Dann gab es eine Initiative von einigen Geschäftsleuten, den Fußgängerbereich der Laisves Allee teilweise für Autos zu öffnen - offenbar um wohlhabendere Kunden anlocken zu wollen. Die Bürger protestierten, aber es ist immer noch nicht sicher, dass die Stadt nicht doch Ähnliches plant. Beim Straßenbau wiederum änderte sich zwar einiges zum Besseren, aber ohne eine Förderung des Fahrradverkehrs - anders als in Vilnius, wo ein öffentliches Fahrrad-Verleihsystem relativ erfolgreich ist.
Die im November eröffnete neue Panemunė-Brücke lobten die Politiker wegen ihrer schnellen Fertigstellung - zur Deckung der 30 Millonen Euro Baukosten musste die Stadt neue Kredite aufnehmen. Von einer anderen, der Aleksotas-Brücke, wurden die alten Sowjetsymbole entfernt und die Brücke in "Vytautas-der-Große-Brücke" umbenannt. Auch durch die Inbetriebnahme der Rail-Baltica Eisenbahnlinie steht Kaunas noch Änderungen bei der Verkehrsentwicklung bevor.

Auch Sportfans können mit dem Sportjahr in Kaunas einigermaßen zufrieden sein: Žalgiris Kaunas wurde erneut litauischer Basketballmeister und in der Euroleague landete man vorerst unter den besten 16 Mannschaften. 
Ein neu gegründetes Filmbüro versucht, Kaunas als Kulisse für Filmproduktionen anzubieten, und ist froh, dass sowohl eine Neuverfilmung von "Anna Karenina" (Christian Duguay) wie auch ein Mercedes-Imagefilm ("die Geschiche der Silberpfeile") dies schon realisiert haben.

Um zu Daiva Repečkaitė zurückzukehren: eigentlich steht es gar nicht schlecht um Kaunas, lautet ihre Bilanz; einzig ob die Einwohner der Stadt wirklich bei der kommenden Entwicklung mitbestimmen können, das muss vorerst noch offen bleiben.

08 Februar 2014

Selten per Bahn


Was ist eigentlich los zwischen Litauen und Estland? Einig Themen scheinen wie geschaffen für speziellen Streit gerade zwischen Esten und Litauern zu sein. War lange Zeit eher Lettland und die Bevorzugung einer Strecke Riga-Moskau der Faktor für Zweifel am "Rail-Baltica"-Projekt, das die drei Länder mit einer schnellen Bahnverbindung ausstatten soll, so werfen sich neuerdings Litauer und Esten hier gegenseitig Inkompetenz vor. "Nur Trottel streiten über dieses Projekt!" sagte der estnische Wirtschaftsminister Juhan Parts dem "WallStreetJournal" und meinte damit offensichtlich die Litauer.

Die EU hat ja bereits zugesagt, 85% dieses Projekts zu finanzieren. Rail Baltica wurde per Beschluß von Parlament und Rat bereits 2004 als Vorrangiges Projekt Nr. 27 des Transeuropäischen Verkehrsnetzes identifiziert. In einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2007 heißt es: " Das existierende Nord-Süd-Streckennetz ist von schlechter Qualität, Service- und Geschwindigkeitsniveau sind niedrig und die Interoperabilität mit dem Rest der EU ist eingeschränkt durch unterschiedliche Standards, besonders durch die unterschiedlichen Spurweiten."

Werbeseite der "Rail-Baltica" Litauen:hier ist die Variante
über Kaunas scheinbar doch schon selbstverständlich
Nun ändert ja dieses eine Projekt fast nichts an diesem Zustand - wer die Preise des "RailBaltica" zahlen kann, wird - wenn die Strecke dann endlich gebaut wird - auch schnell nach Tallinn, Riga oder Vilnius kommen können, und wieder weg. Die Studie sagte es mit anderen Worten: für einen Betreiber von Personenverkehr ist das Projekt nicht rentabel.
Der Rest der Bevölkerung muss ja mit den alten Strecken und Spurweiten sowieso noch länger leben. Nochmals Zitat aus der Studie: "Die Hauptidee von Rail Baltica ist die Entwicklung qualitativ hochwertiger Verbindungen für den Personen- und Güterverkehr sowohl zwischen den Baltischen Staaten und Polen wie auch zwischen den Baltischen Staaten und den anderen EU-Ländern über den Hub Warschau."

Es geht also eher um den Güterverkehr. Die Studie sah drei mögliche Varianten vor - keine davon über Vilnius! Schon damals hätten also die Litauer sich schon einschalten müssen, wenn denn Bahnverkehrsinteressen im Spiel gewesen wären. Nun meinte ja Estlands Regierungschef Ansip, die Routenführung sei Gegenstand von Verhandlungen zwischen der EU und Litauen. Vielleicht meinte er mit dieser Wortwahl auch eher: lasst euch von der EU mal erklären, auf welchem Planungsstand wir eigentlich sind! Dem hält der litauische stellvertretende Verkehrsminister Arijandas Sliupas eine offenbar genauso "taktisch" gemeinte Frage entgegen: alles müsse innerhalb einer gemeinsamen, noch zu gründenden Joint-Venture geklärt werden, die das Projekt dann bauen und betreiben soll. (will sagen: wenn Du uns beleidigst, machen wir gar nicht mit!). Eine Tochterfirma von "Rail Baltica Statyba" ist in Litauen bereits gegründet, 650.000 Euro stellen die Litauer angeblich bereit (siehe ERR). Die litauischen Einwände, vielleicht lieber doch Vilnius einzubeziehen, hatte erst 2013 das litauische Parlament beschlossen.

Da möchte man doch wissen, wer überhaupt mal Bahn fährt in diesen Ländern ...!
Es sieht alles nicht nach konstruktiven Überlegungen von Bahnfans aus. Ob "Rail-Baltica" nun wirklich und endlich realisiert wird, ist leider aus diesem Streit nur sehr schwer abzulesen. Eine gute Alternative zu Billigfliegern und Schnellstraßenausbau wäre schon gut.

Weltmeister im Zugfahren sind übrigens die Schweizer (gemäß dem Internationalen Bahnverband UIC) - sie legten im Jahr 2012 durchschnittlich 2274 km im Zug zurück. Am Ende dieser Statistik stehen, wen wundert es: Lettland, Litauen und Estland. Hier wurde die Bahn (durchschnittlich) nicht mehr als 4mal pro Jahr benutzt.

Aber nutzt "RailBaltica" überhaupt diesen drei Ländern? In Estland wird der neue Schnellzug zum Beispiel nur in Pärnu und in Tallinn halten, in Lettland außer in Riga nur in Jelgava. Daher auch die Diskussion in Litauen: warum Geld ausgeben, wenn nur Kaunas als "Durchgangs- und Umsteigestation" vorgesehen ist?Aber auch die Geschwindigkeit mit der die Züge auf der  "Rail Baltica"-Strecke fahren sollen, ist offenbar noch unklar: 240km (wie es dem Passagierverkehr angemessen wäre), oder doch weniger (um dem Güterverkehr entgegen zu kommen?). Den regionalen Betreibern von Güterverkehr - auch im Zusammenhang mit den baltischen Häfen - wird ebenfalls wenig Interesse an einer Bahnstrecke Richtung Polen bzw. Talinn nachgesagt. Trotz einiger blumiger Ankündigungen: Wer gerne Bahn fährt, wird sich in und um Litauen weiter gedulden müssen.

01 März 2012

Neues für Trolley-Freunde

Das eine ist vielleicht die Diskussion darüber, ob es nun "O-Bus" oder "Trolleybus" heißen muss. Angeblich sei "Trolleybus" nur in der Schweiz üblich, meint Wikipedia dazu. Andererseits sind die Oberleitungsbusse nur in so wenigen Gegenden in Deutschland im Einsatz (glücklich, wer im Raum Solingen wohnt!), dass viele vielleicht doch beim Besuch in Osteuropa dieses Verkehrsmittel erstmals nutzen - und sich auch an den Namen "Trolleybus" gewöhnen.
der neue Bus ist da! - ein Foto
aus den 50er Jahren aus dem Archiv
der Trolleybus-Betreiber in Vilnius
Das andere sind die unterschiedlichen Meinungen dazu, ob Trolleybusse ein modernes Verkehrsmittel sind. Dabei steht die Versorgung über Strom weniger in Zweifel, eher schon organisatorische Überlegungen: da ist die Meinung zu vernehmen, das Fassungsvermögen von O-Bus-Fahrzeugen sei im Vergleich zum Bespiel zu modernen Niederflurstraßenbahnen eher begrenzt.

Das hindert aber offenbar diejenigen Städte nicht, in denen die Oberleitungen weitgehend bereits gespannt und die Linien erprobt sind, auf eine Weiterentwicklung dieser Verkehrsart zu setzen. In Vilnius wurden kürzlich neue Fahrzeuge in Dienst gestellt, deren Typenbezeichnung gute Chancen hat zur Legende für Oberleitungs-Fans zu werden: "Amber Vilnis 12 AC" kommt aus litauischer Produktion. 
Wer Fahrgasttests unternehmen möchte, sollte die Linien Nr. 3 (Karoliniškės–Žvėrynas–Žygimantų g.–Antakalnis) oder Nr. 21 (Saulėtekis–Šilo tiltas–Žirmūnai) nutzen, berichtet nicht ohne Stolz das Internetportal der litauischen Hauptstadt (siehe vilnius.lt). Andere Argumente der Litauer: mit einem Anschaffungspreis von 200.000 Euro seien die neuen Trolleys um 30-60% günstiger als diejenigen anderer Hersteller. Ob dies dadurch erreicht wird, dass Einzelteile der Fahrzeuge von Zulieferern aus Deutschland, aus der Tschechischen Republik, aus Polen und sogar aus Weißrussland geliefert werden? "Neu, sauber und komfortabel" so das Motto der Betreibergesellschaft. Innen jeweils mit Videokamera übrigens, plus Fahrgastzählsystem. Angeblich sollen die litauischen "Amber" auch 15% weniger Strom verbrauchen als die bisher häufig eingesetzten Škoda-Modelle.

kein alltägliches Zusammentreffen: Bürgermeister
bedrängt Trolleybus-Fahrgäste.
Es bleiben Fragen. Natürlich die Befürchtungen der Beförderungswilligen nach Fahrpreiserhöhungen, um die Investitionskosten wieder reinzuholen. Oder die Frage nach dem Schicksal älterer Fahrzeuge. Teilweise kann das beantwortet werden: die Betreibergesellschaft "Vilniaus Troleibusai" bietet den Ausleih von Fahrzeugen auch für private Zwecke an. Ein Kindergeburtstag im Trolleybus? In Vilnius kein Problem. Sollte der Strom übrigens mal ausfallen - oder der Führungsarm von der Oberleitung springen: der Hersteller wirbt damit dass die Fahrzeuge bis zu 1000Meter auch ohne Strom fahren können. Und auch auf Wikipedia sind die Litauer fleissig: der Eintrag von Vilnius ist dort bereits durch den Satz ergänzt: 2012 wurden die neuen Busse "Amber Vilnis 12 AC" eingeführt. 

Trolleybus-Netzplan von Vilnius

04 Oktober 2011

Nobel, nobel, Herr Bürgermeister!

In diesen heutigen, modernen Zeiten ist nicht alles wie es zu sein scheint. Oder werden alle Ereignisse der großen Medien irgendwo gespiegelt und kopiert? Es steht zu befürchten, dass auch in deutschen Kinderzimmern schon "Deutschland sucht den Superstar" nachgespielt wird.

In diesen Tagen werden, traditionsgemäß seit 1901, die Träger der Nobel-Preise verkündet. Aus litauischer Sicht muss hier Czeslaw Milosz vor allem erwähnt werden, Literaturnobelopreisträger 1980. Auch wenn Milosz international als Pole vielleicht mehr bekannt ist als Litauer - wer seine mit dem Nobelpreis zusammenhängenden Reden liest oder sich anhört, wird auch litauische Bezüge erkennen. Vielleicht wäre ein litauischer Bezug sogar noch Nadine Gordimer, Nobelpreisträgerin 1991, mit ihrem litauischen Vater.

Seit 1980 gibt es auch den sogenannten "alternativen Nobelpreis", eigentlich "Right Livelihood Award". Für alle, die vielleicht Nobelpreise als etwas zu sehr auf Etablierte und im Sinne von Macht- und Einflußhabern Denkende verstehen, die können hier auf Neuausrichtung hoffen und auf Prämierung ungewöhlicherer, aber für die Menschheit ebenso wichtiger Ideen und Aktivitäten. Allerdings ist dieser Preis auch wieder nicht so unterschiedlich, denn auch hier kommen Idee und Geld aus Nordeuropa (Schweden). Seit 1980 gelangte noch kein Vertreter der baltischen Staaten auch nur in die Nähe diesen Preis zu bekommen.

Weitere Versuche, dem Nobelpreis (mit den unterschiedlichsten Motiven) etwas entgegenzusetzen, wollen wir an dieser Stelle lieber verschweigen; sowohl Hitler wie auch das Sowjetsystem haben es kurzfristig mal versucht, weil ihnen die Nobelpreisträger nicht so recht passten. Auch China hat - seit der Friedensnobelpreis 2010 an einen chinesischen Regimekritiker vergeben wurde, in der Folge schnell einen eigenen Preis geschaffen. Aber wer kennt den IG-Nobelpreis? Nein, das hat nichts mit irgendwelchen Gewerkschaftsgliederungen zu tun, das kommt aus den USA. Vielleicht sollten wir es auch in erster Linie dem britischen Humor zurechnen, denn dieser Preis, der in deutschen Medien gerne "Preis für unsinnige Erfindungen" genannt wird, den definieren die Urheber der Universität von Cambridge so: "Für Menschen, die andere erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen." Und hier kommt nun Litauen ins Spiel. Der IG Nobelpreis 2011 in der Kathegorie "Frieden" wird verliehen an - nein, nicht an eine prominente Figur der litauischen Unabhängigkeitsbewegung, oder jemand der sich für die Aussöhnung mit Russland bzw. dem Dialog mit anderen Staaten Mitteleuropas verdient gemacht hätte. Es ist Arturas Zuokas, seines Zeichens Bürgermeister von Vilnius. Den Preis bekommt er für, wörtlich zitiert: "Für den Nachweis, dass das Problem falsch geparkter Luxusautos gelöst werden kann dadurch, dass man diese mit einem Panzerwagen überrollt."

Filmchen dieser Aktion können ja im Internet genug angesehen werden. Vielleicht sollte die nächste Kathogorie von Nobelpreisen auch für besonders auffällige Versuche der Eigenprofilierung unter Vorschützens politischer oder fachlicher Ziele verliehen werden. Nur so ein Vorschlag.

22 September 2011

Litauen, von Autos unfrei

Litauen ist die wahre Autonation - das stellt die "Auto-Presse" heute fest. Nein, nicht weil in den litauischen Medien umfangreich über die Frankfurter Automesse IAA berichtet wird. Auch nicht, weil heute eigentlich ein europäischer autofreier Tag sein könnte. Es ist eine europaweit vergleichende Statistik über die Personenbeförderung im Inland, die auch beim Statistischen Bundesamt zitiert wird. 
Demnach sind es 91% aller Fahrten, die in Litauen mit dem Auto gemacht werden (Deutschland 85%, Lettland 81%, Estland 79%). Auch wenn offenbar weder die Straßenbahnen in diese Statistik nicht mit einfließen, noch die touristischen Fahrten - es scheint etwas ganz besonderes zu sein, in Litauen ohne Auto zu leben. Da stört die Tatsache nicht, dass Litauen auch bei der Unfallstatistik ganz weit vorn liegt.
Soviel als Nachruf auf den angeblich autofreien Tag. Noch schnell ein Blick in den litauischen Teil der "European Mobility Week", die stolz 14 teilnehmende Regionen aus Litauen ausweist, um die umweltfreundlicheren Transportweisen fördern möchte. Aber dazu bedarf es offenbar wenig, denn konkrete Verbesserungen weist hier niemand aus. Mal ist es ein Fahrradausflug (Klaipeda), ein Fahrradslalom (Palanga), nordic walking an Schulen (Kedainiai), oder öffentliche Fahrradausleihe (Šiauliai). Seltsam nur, dass sich diese ruhmreichen Aktivitäten kaum in der Internetdarstellung der betroffenen Städte spiegeln. Na ja, ist ja auch schon wieder vorbei, der autofreie Tag. Immerhin prägen Fahrraddemos ab und zu das Stadtbild - nicht nur in Vilnius - wie dieses Bild aus Šiauliai zeigt.

01 Juli 2008

Gefährliche Straßen

Nicht zum ersten Mal werden Statistiken bekannt, nach denen Litauen das Land mit den meisten Verkehrsunfällen in Europa ist. Warum? Ist das immer noch dem Umstand zuzuschreiben, dass Litauer mit Vorliebe PS-starke Westmarken kaufen, um sie dann rücksichtlos (und möglichst noch in angetrunkenem Zustand) über ihre staubigen Straßen zu jagen? Das kann ja wohl nicht sein. Oder doch? Der Europäische Verkehrssicherheitsrat (ETSC) gab dieser Tage eine Statistik für das Jahr 2007 heraus, der zufolge in Litauen die Zahl der Verkehrstoten immer noch ansteigt - trotz aller internationalen Bemühungen um die Verkehrssicherheit. Zitat: "Litauen hält in Europa den Negativrekord". Interessant nur, dass sich die Situation beim Nachbarn Lettland - bislang ebenso betroffen von hohen Unfallzahlen - langsam verbessert.

Kommentare von litauischer Seite finden sich bisher selten. Auf der Webseite der litauischen Gemeinschaft in Frankfurt/Main wird die Tatsache lediglich vermeldet. Imagefördernd kann es allerdings kaum sein, wenn deutsche Medien schon seit Jahren schreiben, in Litauen sei es am gefährlichsten, sich in den Straßenverkehr zu wagen (z.B. Spiegel online 10.10.2007). Dabei gilt in Litauen ein ziemlich strenges Alkoholverbot im Straßenverkehr (o,4 Promille), während in Lettland immerhin 0,5 Promille im Blut noch keine Strafen mit sich bringt. Doch wo fast nichts erlaubt ist, erregen dann krasse Übertretungen wiederum besonderes Aufsehen: mit über 7 Promille im Blut sollen bei einem litauischer LKW-Fahrer schon mal festgestellt worden sein, zitiert genüsslich der "JuraBlog".

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten - Ausgangsjahr ist hier 2001 - bis 2010 zu
halbieren. Den jetzt vorgelegten Zahlen für 2007 zufolge werden das in dieser Zeit aber voraussichtlich nur Frankreich, Portugal und Luxemburg erreichen. Dank einer seit 2001 langsam sinkenden Zahl von Verkehrstoten in Lettland wird das Erreichen dieses Zieles hier für 2015 prognostiziert (ebenso Deutschland).Die litauische Straßenbauverwaltung stellt diese Statistiken und Prognosen offenbar in einen ganz anderen Zusammenhang. Ganz nach dem Motto "Schuld waren unsere Vorgänger" werden hier die Unfallzahlen seit 1980 aufgelistet. Damit verglichen, wären die Unfallzahlen heute wieder etwa auf dem Stand von 1981 (6600 gegenüber 6329 damals), die Zahl der Toten im Straßenverkehr sogar kleiner (739 im Jahr 2007, 836 im Jahr 1980, mit einer Spitze von 1173 Toten im Jahr 1991 - da bekommt der Satz von der "road to independence" eine ganz neue Bedeutung ...).
Verletzte im Straßenverkehr gab es offenbar, diesen Zahlen zufolge, vor 25 Jahren weniger: 4673 waren es im Jahr 1980, 1991 ein Anstieg auf 6558, um im Jahr darauf wieder auf 4194 abzusinken, und heute bei 8234 Verletzten zu landen.
Verursacher von Verkehrsunfällen sind mit steigender Prozentzahl zu 75% die Autofahrer (14,9% Fußgänger, 6,9% Radfahrer).

Die Zahlen des Europäischen Verkehrssicherheitsrats ETSC hingegen beruhen weitgehend nur auf den Statistiken seit dem Jahr 1992. Im Zeitraum von 1992 bis 2006 seien im Straßenverkehr in Litauen insgesamt 10.000 Menschen getötet und etwa 60.000 verletzt worden, heißt es hier. Eine der häufigsten Unfallarten - neben überhöhter Geschwindigkeit (200 Tote hierdurch 2007), Alkohol am Steuer und Unachtsamkeit des Fahrers - seien immer noch Unfälle mit Fußgängern. Also: Augen auf besonders für diejenigen, die zu Fuß sich in Litauen bewegen! Die Zahl der Unfälle mit Radfahrern ging zuletzt leicht zurück (73 getötete Radler im Jahr 2007). Beim Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit gehen die Unfallzahlen auf den Autobahnen und Schnellstraßen zurück, während sie auf den Landstraßen steigen.

Vielleicht liegen die steigenden Unfallzahlen auch einfach in der wachsenden Anzahl von Autos auf litauischen Straßen begründet? Im Jahr 2000 waren in Litauen noch
1,28 Millionen Autos registriert (348 pro 1.000 Einwohner), 2007 ist die Zahl auf 1,97 Millionen angewachsen (585 Autos auf 1.000 Einwohner). (Quelle)

Im Laufe des Jahres 2003 reduzierte Litauen die erlaubte Geschwindigkeit innerhalb von Ortschaften von 60km/h auf 50km/h, was eine sofortige Reduzierung der schweren Unfälle um 12% für die restlichen Monate diesen Jahres und nochmals um 4% für 2004 mit sich brachte. In vielen Städten gibt es auch Zonen mit 40km/h Geschwindigkeitsbegrenzung, man überlegt zur Zeit eine Reduzierung auf 30km/h. Gemäß Aussagen der ETSC ist die gegenwärtig gültige Begrenzung auf 130 km/h auf Schnellstraßen noch zu hoch angesetzt - verglichen mit dem Straßenzustand.

Mut machen immer wieder die radelnden deutschen Touristen in Litauen. "Man kann ja auf einsame Nebenstraßen ausweichen", das ist immer noch der meistgelesene Rat für Furchtsame auf diversen Radler-Blogs und Infoseiten. Na denn: hoffen wir auf (zunehmend) einsichtige Autofahrer!

Weitere Infos:
Europäischer Verkehrssicherheitsrat (ETSC): Fact Sheet Lithuania (PDF-Datei, engl.)

Download der gesamten Studie zur Verkehrssicherheit in Europa 2008 (PDF-Datei)

Übersichtskarte der litauischen Straßenbauverwaltung zu besonders unfallträchtigen Stellen im litauischen Straßennetz

08 April 2008

Elektronisch durch Vilnius

Auch für den Stadtverkehr in Europas Kulturhauptstadt 2009, in Vilnius, wird ein elektronisches Ticket eingeführt - bereits Ende 2007 wurde es auf einer Pressekonferenz vorgeführt. Bürgermeister Juozas Imbrasas stolz: "Das neue E-Ticket in Vilnius ist dann das gegenwärtig modernste Ticket des öffentlichen Nahverkehrs in Europa."

So redet, wer europäische (Kultur)hauptstadt wird, und Europas Zentrum sein möchte.
Als Leistungsmerkmal der neuen Karte wird herausgestellt, dass die Kundendaten nicht nur bei der Stadt Vilnius zu Nutz
e kommen, sondern auch bei den kommunalen Verkehrsbetrieben "Susisiekimo paslaugos". Ab August 2008, nach Ende einer Übergangsperiode, sollen Monatskarten sogar ausschließlich nur noch elektronische Tickets in Vilnius verkauft werden. Später, aber Herbst 2008, soll auch der Einzelticketverkauf umgestellt werden. 14 Millionen Litas Zuschuß hat es vom Europäischen Regionalentwicklungsfond dafür gegeben - und das Projekt soll ähnlich auch in Kaunas und Klaipeda umgesetzt werden.

Für die Kund/innen interessant sind sicher zuallererst die rasanten Preissteigerungsraten, die bereits Ende 2007 bekannt gegeben wurden: von Dezember 2007 bis Januar 2008 soll der Preis 2 Litas betragen, im Februar und März 2008 dann 4 Litas, April bis Juli 2008 6 Litas, und ab August 2008 dann 8 Litas (1 Litas = 0,289 Euro).
Elektronisch durch Litauen - und rasant schnell auf europäisches Preisniveau - noch vor 2009 jedenfalls.

Wie gut, dass es wenigsttens www.marsrutai.lt gibt; hier können Interessierte am öffentlichen Nahverkehr in Litauen schon mal üben, wie es gehen könnte. Entweder per Eingabemaske (wer denn schon weiß,
wie die in Frage kommenden Haltestellen heißen), oder per Karte mit allen Stops in optischer Übersicht. Autofahrer/innen werden dabei nicht ausgeblendet und können per Klick auf eine eigene Übersichtskarte ihre Fahrtrouten planen. Dies alles kann auch aufs Handy gesendet werden, wenn die Nutzer/innen es möchten.

Da sollten dann die Zeiten bald vorbei sein, wie sie hier im Bericht eines Studierenden im Rahmen eines Erasmus-Auslandssemesters deutlich werden. Zitat: "Das einzige Übel in Vilnius ist der öffentliche Personennahverkehr, der sich hauptsächlich aus zwei Fortbewegungsmitteln zusammensetzt: Autobus und Trolleybus.Letztere sind elektrisch durch Oberleitungen (im Prinzip wie Straßenbahn) betriebene Busse, die bereits veraltet waren, als ich damals vor 22 Jahren das Licht der Welt erblickte. Und die Autobusse sind noch älter..." (aus einer Info der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus)

Andere sehen den ÖPNV in Litauen ja eher wie ein interessantes Abenteuer an, wie etwa Hardy Koch, der seinen sehr interessanten Bericht zu einem medizinischen Gastaufenthalt in Kaunas mit der Bemerkung garniert, er sei dort "zum ersten Mal in seinem Leben mit einem Trolleybus - einer Mischung aus Bus und Straßenbahn - gefahren (Medi-learn).

Es gab sogar schon einmal eine litauische Adaption des vom Berliner GRIPS-Theater aufgeführten Musicals "Linie 1". Eine Infoseite der Schering-Stiftung schreibt dazu: "Im Frühjahr 2001 hatte in Litauen eine vom Keistuoliu Teatras inszenierte Bearbeitung mit dem Titel 'Regel Nr. 1: Von Vilnius träumen ist verboten' Premiere. Mit Unterstützung der Schering Stiftung gastierte im September 2003 dieses 'Theater der Sonderlinge' mit seiner 'Taisykle Nr. 1' in Berlin. In Vilnius gibt es keine U-Bahn. Die junge Frau aus der Provinz, die sich auf der Suche nach ihrem Rockstar in die Stadt wagt, fährt mit dem Trolleybus oder durchstreift die Altstadt zu Fuß. Dabei begegnet sie diversen skurrilen Typen, den Schülerinnen Hysterika und Erika, der Flaschentaschen-Sofia, einer schwangeren Zigeunerin und natürlich den Witwen, die in der litauischen Fassung in religiöser Verklärung Stalin nachtrauern. Auf der Treppe des Standesamts findet das Mädchen dann schließlich doch noch ihren 'Traummann'."

So schön kann Trolleybus-Fahren in Litauen sein!

19 Oktober 2007

Starker Zug

Die zugstärkste Diesellokomotive Europas des Typs ER 20 CF wurde kürzlich von Siemens Transportation Systems den litauischen Bahnen am Hauptbahnhof von Vilnius zur Nutzung übergeben. Das gab die Firma am 5.10. in einer Pressemitteilung bekannt. Bei der Übergabe dabei waren außer dem litauischen Bahnvorstand Stasys Dailydka, Verkehrsminister Algirdas Butkevičius
und Siemens-Bereichsvorstand Hans M. Schabert auch der litauische Premierminister Gediminas Kirkilas.
Die neue Frachtlokomotive ist mit 138 Tonnen eine der schwersten Lokomotiven in Europa und kann in Zweifachtraktion bis zu 6000 Tonnen schwere Züge ziehen.

Litauen hatte 34 dieselelektrische Lokomotiven dieser Bauart (Wert 123 Millionen Euro) bestellt, die alle bei Siemens in München gefertigt werdent. Momentan soll sich die zweite Lokomotive auf dem Weg nach Litauen befinden, bis 2009 sollen alle Loks ausgeliefert sein und vor allem zwischen Russland und den Ostseehäfen Klaipeda und Kaliningrad zum Einsatz kommen.


Mehr Infos zum Thema: Innovation-Report

Technische Daten zum "Eurorunner"

02 September 2007

Fahrradfahren unter Polizeischutz

NACHTRAG: Am vergangenen Freitag fand nun die Fahrraddemo "Critical Mass" (CM) in Vilnius nach den dramatischen Ereignissen vor einem Monat statt (siehe unten) - Sie endete mit der Verhaftung von Radfahrern.
Diesmal schützten 2 Polizeiautos den (Auto-)Verkehr vor den mehreren Hundert Radfahrern. Alles verlief friedlich und interessant war das Medienecho.

Empfehlenswert:

  • Bericht, Fotos auf www.delfi.lt mit 3-minütigen Film (wer mich mal Litauisch reden sehen will, muss allerdings bis zum Ende schauen...)
  • Neue CM Dokumentationsseite www.dviratis.org mit Links zu Bildern und Filmen
  • Film vom "eko(b)logas"

03 August 2007

Radfahren – in Litauen ein Verbrechen?

Polizei verhaftet mehrere Radfahrer bei Demonstration in Vilnius

Bereits seit über 2 Jahren rollt es auch durch Litauen: „Critical Mass“, eine Spontandemonstration, bei der sich einmal im Monat Radfahrer und Inline-Skater zusammenfinden um friedlich durch die Straßen zu ziehen. Am vergangenen Freitag, den 27. Juli 2007, eskalierte die Situation: Sechs Polizeieinsatzwagen blockierten eine Kreuzung mit dem Zug der rund 100-200 Radfahrer und begannen die Personalien aufzunehmen. Unterschiedlichen Quellen zufolge sollen fünf bis zehn Radfahrer verhaftet und gegen sie Strafanzeige gestellt worden sein.

Es ist schwer verständlich, warum die Polizeibeamten plötzlich – nach über zwei Jahren Toleranz - so einen Übereifer an den Tag legten. Ramūnas Janavičius, Dozent an der Universität Vilnius und Mitstreiter der Öko-Info-Seite www.ekoblogas.info sieht es im Zusammenhang mit der neuen Stadtverwaltung. Auf dem Posten des Bürgermeister der Hauptstadt sitzt Juozas Imbrazas, ein Mann des wegen Landesverrates entmachteten Präsidenten Rolandas Paksas. Seine Partei, ursprünglich „Liberaldemokraten“ in Anlehnung an den russischen Rechtsaußen Wladimir Zhirinowski, nennt seit kurzem nur noch „Ordnung und Gerechtigkeit“.

Die Polizei rechtfertigte sich jedoch mit allgemeinen Kontrollen gegen Motorrad- und Motorrollerfahrer, sowie dass es Beschwerden über die Verkehrbehinderung durch die Radfahrer gegeben hätte. Nach den litauischen Verkehrsregeln dürfen Radfahrer nur auf Radwegen bzw. am äußersten rechten Fahrbahnrand fahren.

Die „Critical Mass“ Demonstrationen begannen weltweit 1992 in San Francisco, USA, um auf die immer stärker bedrängte Situation der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer hin zu weisen und die „die Straße zurückzuerobern“. Formal gibt es keine Organisatoren: Man trifft sich zu einem verabredeten Zeitraum am verabredeten Ort und fährt durch die Stadt. Trotzdem gibt es strenge Verhaltensregeln: Außer dass man eine Richtung der Fahrbahn einnimmt, unternimmt man keine anderen Aktionen. Es ist keine politische Demonstration, die keine anderen Ziele verfolgt, als in einer Auto freundlichen Gesellschaft auf die Anliegen von Radfahrern, Skatern, Fußgängern und anderen hinzuweisen. Aufsehen erregte diese Aktion in Budapest (Ungarn) vergangenes Jahr mit über 40.000 Teilnehmen. Seit 2005 gibt es sie auch in Litauen, in der Zwischenzeit außer in der Hauptstadt Vilnius auch in Kaunas, Šiauliai, Visaginas und Palanga. Der Vilniusser Teilnehmerrekord liegt bei über 300 Teilnehmern. Hier trifft man sich jeden letzten Freitag im Monat um 18 Uhr auf dem Platz der Kathedrale.

Weitere Infos (Litauisch)

Seite der „Critical Mass“, Litauen

http://cm.hardcore.lt/doku.php

Berichte & Nachrichten über die Festnahmen

Radfahren – ein Verbrechen?

http://ekoblogas.wordpress.com/2007/07/29/ar-vaziuoti-dviraciu-nusikaltimas-kritine-mase/

Im Nachrichtenportal Delfi:

http://www.delfi.lt/news/daily/lithuania/article.php?id=13935069

In der Internetzeitung alfa.lt

http://www.alfa.lt/straipsnis/145254

Im Portal der größten Litauischen Tageszeitung „Lietuvos Rytas“

http://lrytas.lt/?data=20070730&id=11857897391183655286&view=4

Beim litauischen nationalen Radio und Fernsehen

http://www.lrt.lt/photo.php?strid=3597374&id=3916385