Nein, kein Weihnachtsbaum wurde heute entzündet, aber immerhin die neue Energietrassen "Nordbalt" (mit Schweden) und "LitPol" (mit Polen) wurden heute symbolisch in Vilnius symbolisch in Betrieb genommen. Ein Ereignis, zu dem immerhin die lettische Noch-Ministerpräsidentin Straujuma und der estnische Regierungschef Rõivas neben schwedischen und polinischen Vertretern angereist waren, um jeweils ihr symbolisches Knöpfchen in dieser Lichterkette, installiert in der großen Halle des Präsidentenpalastes - drücken zu können (Pressedienst der Presidentin).
Eine 700MW-Verbindung mit Schweden und eine 500MW-Verbindung mit Polen sollen in der Zukunft die Energieversorgung Litauens unabhängiger und ausgewogener machen. Präsidentin Gribauskaite betonte dabei auch, dass 25 Jahre nach Wiedererringung der Unabhängigkeit habe Litauen nun seine Eigenständigkeit konsolidiert und sei in der Lage, über wichtige Zukunftsfragen selbst zu entscheiden. Litauen sieht sich weiterhin auch als Vorreiter bei der Sicherung der Energieversorgung für die gesamte Region. "Eine Energie-Insel wurde zum Baltic Power Ring," so Präsidentin Gribauskaite.
Das LitGrid-System ist derzeit bemüht, in Zukunft zumindest digitale Transparenz zu bieten: die Webseite ist prall gefüllt mit animierten Echtzeit-Daten zur Stromerzeugung und Stromverbrauch.
Von Litauen aus führt eine 400 kV Überlandleitung über 163 km über
Alytus und Lazdijai in Litauen nach Podlachia, Warmia and Mazuren in
Polen.
Das NordBalt-Projekt verweist stolz darauf, eines der längsten Seekabel der Welt gebaut zu haben - von Nybro nach Klaipeda (siehe Presseinfo).
Noch wenig Konkretes wurde bekannt zur Preisentwicklung für die Verbraucher. Die Betreiber und die beteiligten Staaten sprechen vor allem von der Energie-SICHERHEIT, weniger von der Bezahlbarkeit der Energieversorgung. Die litauischen Energiekunden werden das also noch abwarten müssen. Eines dürfte aber klar sein: vom Land mit maroden Atomkraftwerken ist Litauen inzwischen auf dem Weg, Teil des nordischen Energieversorgungsnetzes zu werden - inklusive dem dort noch bestehenden Mangel an Zukunftssicherheit, der noch besteht: fossile Brennstoffe bilden noch 25% des finnischen Systems (und sogar 88% des polnischen), 41% der Energie in Schweden und 35% in Finnland kommen immer noch aus der Atomkraft. Ein Stück Unabhängigkeit hat Litauen gewiß nun erreicht - vor allem gegenüber einem möglichen russischen Marktdiktat - aber an der Zukunftssicherheit muss weiter gearbeitet werden. Ein Teil der Argumentation, neue Versorgungsleitungen bauen zu müssen, basierte auf steigendem Stromverbrauch in den baltischen Staaten - auch das bleibt ein Arbeitsfeld; bezüglich intelligenter Lösungen des Stromsparens bleibt Litauen noch Entwicklungsland.
Lietuva - haben Sie das EU-Mitglied Litauen schon einmal kennengelernt? Ein Land mit wunderschönen Naturlandschaften, einer eigenen Sprache mit großer Tradition, und vielfältigen Kulturzeugnissen. Wir möchten auf dieser Seite zur kritschen Diskussion beitragen über aktuelle Themen Litauens, und gleichzeitig für mehr Verständnis für die litauische Perspektive werben.
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14 Dezember 2015
19 Juni 2010
Auch Litauen möchte "nordisch" werden
Die Politik Litauens zielt darauf ab, eine gemeinsame Wertegemeinschaft mit den fünf nordischen und den drei baltischen Staaten zu bilden - das sagte zumindest der litauische Außenminister Audronius Ažubalis. Vielleicht war es auch die Art und Weise, WIE er es sagte: es wurde per "Telekonferenz" nach Tallinn zu einem Treffen der nordisch-baltischen Zusammenarbeit übermittelt.
Litauen nordisch? Nun, damit kann ja nicht nur gemeint sein, Nutznießer finanzieller Aufbauhilfe zu sein (wobei auch Norwegen eine wichtige Rolle für Litauen spielt). Ažubalis nannte den Austausch von Fernsehprogrammen sowie engere Zusammenarbeit von Historikern als Beispiel. Da gilt es aufzupassen, liebe Dänen, Schweden, Finnen, Isländer und Norweger: werden demnächst litauische Tele-Novelas über eure Bildschirme flimmern, oder werden mehr die schon in Deutschland so sattsam bekannten Naturfilme über die Kurische Nehrung herhalten müssen?
Der lettische Ex-Premier Valdis Birkas und der frühere dänische Verteidigungsminister Søren Gade bekommen nun die Aufgabe, die nordisch-baltischen Beziehungen zu evaluieren und dazu die Städte und Gemeinden, Universitäten und Geschäftsleute und Firmen besuchen und sie um ihre Meinung und Vorschläge bitten. Gade war erst vor wenigen Monaten in Dänemark als Minister zurückgetreten und hatte angekündigt, die Politik ganz verlassen zu wollen. Ein Evaluierungsbericht soll nun bis zum nächsten sogenannten "NB8-Treffen" (Treffen der nordischen und baltischen Regierungschefs) erstellt werden, das im August in Lettland stattfinden wird.
Doch die Balten sind besorgt, kommentiert der "Economist" die Lage. Zwar sind sie alle drei Mitglieder der NATO (Finnland und Schweden nicht) und auch in der EU (Norwegen nicht, Island noch nicht). In letzter Zeit sei unter den nordischen Nachbarn eine Art Wettbewerb ausgebrochen, wer die besseren Beziehungen zu Russland habe, konstatiert das britische Wochenblatt, so dass bei nordisch-baltischen Treffen nicht mehr viel Neues diskutiert werde. Welchen nordisch-baltischen Gemeinsamkeiten Litauen da nacheifern möchte - vielleicht werden es auch die Litauer erst noch herausfinden müssen.
Litauen nordisch? Nun, damit kann ja nicht nur gemeint sein, Nutznießer finanzieller Aufbauhilfe zu sein (wobei auch Norwegen eine wichtige Rolle für Litauen spielt). Ažubalis nannte den Austausch von Fernsehprogrammen sowie engere Zusammenarbeit von Historikern als Beispiel. Da gilt es aufzupassen, liebe Dänen, Schweden, Finnen, Isländer und Norweger: werden demnächst litauische Tele-Novelas über eure Bildschirme flimmern, oder werden mehr die schon in Deutschland so sattsam bekannten Naturfilme über die Kurische Nehrung herhalten müssen?
Der lettische Ex-Premier Valdis Birkas und der frühere dänische Verteidigungsminister Søren Gade bekommen nun die Aufgabe, die nordisch-baltischen Beziehungen zu evaluieren und dazu die Städte und Gemeinden, Universitäten und Geschäftsleute und Firmen besuchen und sie um ihre Meinung und Vorschläge bitten. Gade war erst vor wenigen Monaten in Dänemark als Minister zurückgetreten und hatte angekündigt, die Politik ganz verlassen zu wollen. Ein Evaluierungsbericht soll nun bis zum nächsten sogenannten "NB8-Treffen" (Treffen der nordischen und baltischen Regierungschefs) erstellt werden, das im August in Lettland stattfinden wird.
Doch die Balten sind besorgt, kommentiert der "Economist" die Lage. Zwar sind sie alle drei Mitglieder der NATO (Finnland und Schweden nicht) und auch in der EU (Norwegen nicht, Island noch nicht). In letzter Zeit sei unter den nordischen Nachbarn eine Art Wettbewerb ausgebrochen, wer die besseren Beziehungen zu Russland habe, konstatiert das britische Wochenblatt, so dass bei nordisch-baltischen Treffen nicht mehr viel Neues diskutiert werde. Welchen nordisch-baltischen Gemeinsamkeiten Litauen da nacheifern möchte - vielleicht werden es auch die Litauer erst noch herausfinden müssen.
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