16 September 2005

Russisches Kampfflugzeug in Litauen abgestürzt


Nun bekommen die gegenwärtig beim deutschen Air Policing Kontingent in Siauliai / Litauen stationierten Soldaten richtig "was zu tun": Nahe des Dorfes Jotiskis / Bezirk Sakiai stürzte am Donnerstag (15.9.05) ein russisches Jagdflugzeug des Typs Su-27 ab, einigen litauischen Quellen zufolge nach einer Kollision mit einem anderen Flugzeug. Der 37-jährige Pilot Major Valeri Trojanow konnte sich mit dem Schleudersitz retten, und wurde ohne erhebliche Verletzungen ins Krankenhaus von Kaunas eingeliefert. Der litauische Verteidigungsminister Gediminas Kirkilas ging im Rahmen einer Stellungnahme davon aus, dass sich das Flugzeug illegal im litauischen Luftraum befunden habe. Nach litauischen Angaben waren Nato-Kampfjets (deutsche Jagdflugzeuge vom Typ Phantom F4) bereits in Alarmbereitschaft, als der Pilot der Su-27 auf dem Weg von St.Petersburg nach Kaliningrad offenbar die Orientierung verlor, und den neutralen Luftraum über der Ostsee verließ. Deutsche Nato-Kräfte sicherten die Absturzstelle. Die Republik Litauen gehört seit 2004 dem transatlantischen Verteidigungsbündnis NATO an.

(rechts: Foto der litauischen Nachrichtenagentur ELTA von der Absturzstelle)

Der Absturz birgt Raum für Spekulationen. NTV-News meldete noch am gleichen Tag, die russischen Su-27-Jagdflugzeuge seinen "üblicherweise" mit streng geheimer Elektronik, zum Beispiel einer Freund-Feind-Erkennung, ausgestattet. Für die russische Luftwaffe wäre es ein herber Schlag, wenn ihre Elektronik in die Hände der Nato geriete, so spekuliert NTV, und begründet das auch damit, dass nach dem Absturz einer Su-33 vom Flugzeugträger "Admiral Kusnezow" im Atlantik am 5. September die russische Marine erwogen hätte, das Wrack und damit die Elektronik in 1000 Meter Tiefe mit Bomben zu zerstören. Aufregung hatte auch der Diebstahl der Freund-Feind-Erkennung aus einer Su-27 im Fernen Osten Russlands 2002 ausgelöst.

Meldungen der russischen Nachrichtenagentur NOWOSTI zufolge wies der Verteidigungsminister Russlands, Sergej Iwanow, den Befehlshaber der 6. Armee der Luftstreitkräfte und der Luftverteidigungstruppen an, sich mit der litauischen Seite zu verständigen und zum Absturzort zu fliegen, um die Ursachen des Vorfalls zu klären. Vor allem der Flugschreiber der Maschine soll geborgen und gemeinsam von einem litauisch-russischen Team untersucht werden. Glücklicherweise führte der abgestürzte Kampfjet keine Waffen bei sich, und auch am Boden kam es keine Verletzten oder größere Schäden.

Weiterhin meldet NOWOSTI: "Als dem Festgenommenen bei der Polizei Kaffee und medizinische Hilfe angeboten wurden, verzichtete er darauf und sagte, er könne sich über seine Gesundheit nicht beklagen. Nach Meinung der Polizei habe er während der Katastrophe einen starken Schock erlebt."

Ungewöhnlich erscheint es, dass ausser NTV noch keines der sonst so schnellen deutschen Medien bis 24 Stunden nach dem Unglück auch nur eine Zeile über das Unglück geschrieben hatte. Um so wertvoller erscheinen die Infos von NTV - die einzige andere deutschsprachige Infoquelle ist die staatliche russische Propaganda-agentur NOVOSTI.

NTV ergänzte am seine Meldung am 16.9. um die Informationen, welche das estnische Verteidigungsministerium den Vorfall betreffend herausgegeben hat. Estland warf den russischen Fliegern - NTV zufolge - vor, den zivilen Flugverkehr über der Ostsee gefährdet zu haben. Der Flug sei zwar angemeldet und genehmigt gewesen, doch hätten die Russen die Transponder für die Positionsmeldungen ausgeschaltet gehabt, teilte das Verteidigungsministerium in Tallinn mit.
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