Zu Jahresanfang 2023 gibt es erstaunliche Erkenntnisse beim nördlichen Nachbarn Litauens; in der lettischen
Möbel, Mineraldünger, Lebensmittel, Holz und chemische Produkte,
Auch das Gesamtvolumen der litauischen Dienstleistungsbranche sei im letzten
Jahrzehnt von rund vier Milliarden Euro auf aktuell fast 13 Milliarden
Euro gewachsen - mehr als die Hälfte davon entfallen auf
Transportdienstleistungen. Bis 2014 war Russland der größte Markt dieser
Branche, dann wurde der Umsatz aber fast vollständig nach Westen
umorientiert, wodurch sich beispielsweise das Unternehmen Girteka Logistics zum größten Straßentransportdienstleister Europas entwickeln
konnte. Allerdings musste Litauen auch bei den Arbeitsbedingungen der Fahrer/innen nachbessern.
Ölraffinerien,
die Möbel- und Mineraldüngerproduktion Litauens sei es seit dem
Zusammenbruch der Sowjetunion leichter gewesen, den Qualitätssprung hin
zu westlichen Produkten zu schaffen, heißt es. Aber in Lettland stellten
große Industrieunternehmen, wie beispielsweise im Elektroniksektor,
ihre Arbeit fast vollständig ein. Da gab es einfach auch die große
Konkurrenz mit Japan oder Korea auf dem Markt.
Pēteris Strautiņš, Chefökonom bei der Bank "Luminor", schreibt außerdem einer aus Sowjetzeiten übrig gebliebenen lettischen Elite eine gewisse Rolle bei der Entwicklung zu. "Da waren einige loyaler gegenüber Moskau als zum eigenen Staat," meint er (IR). Nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit sei eine ganze Reihe von Betrieben von ihrem damals bestehenden Management übernommen worden - und diese seien eben in Litauen weniger "sowjetisiert" gewesen. Zum Beispiel habe es Möbelindustrie ja auch in Lettland gegeben - aber diese sei inzwischen fast völlig verschwunden.
"Die demografische Struktur Lettlands trug zur Bildung eines politischen Parteiensystems bei, in dem die ethnische Spaltung zum bestimmenden Faktor wurde," so so sieht es der lettische Ökonom Edmunds Krastiņš. "So war hier die Konkurrenz zwischen westlich orientierten Parteien schwächer als in Litauen und Estland, was zu einer Machtkonzentration im Kreis enger Interessen führte. Durch die Prägung der sowjetischen Besatzung entstand eine gewisse Rhetorik, dass die Zukunft der lettischen Wirtschaft eine Brücke zwischen Ost und West sein solle. Das hat eine ziemlich ausgeprägte Ausrichtung auf Russland geschaffen, im Gegensatz zu Estland, das sich an den nordischen Ländern und auch an Litauen orientiert hat“, sagt Krastiņš.(IR)Auch das gegenwärtige Wachstum der litauischen Hauptstadt Vilnius sehen die Ökonomen vor diesem Hintergrund. Seit 2018 sei auch die Bilanz der Arbeitsmigration in Litauen wieder positiv - es kommen mehr nach Litauen als Menschen ausreisen.
Dennoch, der Satz "die Litauer sind unsere Brüder" sollte Bestand haben. Als Ex-Ministerpräsident Skvernelis 2019 mal die Bemerkung rausrutschte "die Letten sind nicht Brüder, sondern Konkurrenten auf verschiedenen Gebieten, besonders der Wirtschaft" beeilte sich sogar der so Zitierte, das schnell wieder zu korrigieren (er sei von der Presse verzerrt wiedergegeben worden). Und TV-Journalist Andrius Tapinas widmete Lettland "zum Trost" eine ganze Ausgabe seiner Show "Laikykites Ten" ("Haltet durch") nach dem Motto: "kümmert euch nicht um Skvernelis, er noch jung, er muss noch lernen." Aber eine kleine Bitte hat Tapinas, in aller gebotenen Ironie, denn doch: Litauen habe 99km Küstenlinie; gerne würde Litauen daraus eine runde Zahl machen - ob Lettland nicht vielleicht einen Kilometer abgeben könne?



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