14 Dezember 2015

Baltische Lichterkette

Nein, kein Weihnachtsbaum wurde heute entzündet, aber immerhin die neue Energietrassen "Nordbalt" (mit Schweden) und "LitPol" (mit Polen) wurden heute symbolisch in Vilnius symbolisch in Betrieb genommen. Ein Ereignis, zu dem immerhin die lettische Noch-Ministerpräsidentin Straujuma und der estnische Regierungschef Rõivas neben schwedischen und polinischen Vertretern angereist waren, um jeweils ihr symbolisches Knöpfchen in dieser Lichterkette, installiert in der großen Halle des Präsidentenpalastes - drücken zu können (Pressedienst der Presidentin). 

Eine 700MW-Verbindung mit Schweden und eine 500MW-Verbindung mit Polen sollen in der Zukunft die Energieversorgung Litauens unabhängiger und ausgewogener machen. Präsidentin Gribauskaite betonte dabei auch, dass 25 Jahre nach Wiedererringung der Unabhängigkeit habe Litauen nun seine Eigenständigkeit konsolidiert und sei in der Lage, über wichtige Zukunftsfragen selbst zu entscheiden. Litauen sieht sich weiterhin auch als Vorreiter bei der Sicherung der Energieversorgung für die gesamte Region. "Eine Energie-Insel wurde zum Baltic Power Ring," so Präsidentin Gribauskaite.
Das LitGrid-System ist derzeit bemüht, in Zukunft zumindest digitale Transparenz zu bieten: die Webseite ist prall gefüllt mit animierten Echtzeit-Daten zur Stromerzeugung und Stromverbrauch. 
Von Litauen aus führt eine 400 kV Überlandleitung über 163 km über Alytus und Lazdijai in Litauen nach Podlachia, Warmia and Mazuren in Polen.
Das NordBalt-Projekt verweist stolz darauf, eines der längsten Seekabel der Welt gebaut zu haben - von Nybro nach Klaipeda (siehe Presseinfo). 

Noch wenig Konkretes wurde bekannt zur Preisentwicklung für die Verbraucher. Die Betreiber und die beteiligten Staaten sprechen vor allem von der Energie-SICHERHEIT, weniger von der Bezahlbarkeit der Energieversorgung. Die litauischen Energiekunden werden das also noch abwarten müssen. Eines dürfte aber klar sein: vom Land mit maroden Atomkraftwerken ist Litauen inzwischen auf dem Weg, Teil des nordischen Energieversorgungsnetzes zu werden - inklusive dem dort noch bestehenden Mangel an Zukunftssicherheit, der noch besteht: fossile Brennstoffe bilden noch 25% des finnischen Systems (und sogar 88% des polnischen), 41% der Energie in Schweden und 35% in Finnland kommen immer noch aus der Atomkraft. Ein Stück Unabhängigkeit hat Litauen gewiß nun erreicht - vor allem gegenüber einem möglichen russischen Marktdiktat - aber an der Zukunftssicherheit muss weiter gearbeitet werden. Ein Teil der Argumentation, neue Versorgungsleitungen bauen zu müssen, basierte auf steigendem Stromverbrauch in den baltischen Staaten - auch das bleibt ein Arbeitsfeld; bezüglich intelligenter Lösungen des Stromsparens bleibt Litauen noch Entwicklungsland.
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