01 März 2012

Neues für Trolley-Freunde

Das eine ist vielleicht die Diskussion darüber, ob es nun "O-Bus" oder "Trolleybus" heißen muss. Angeblich sei "Trolleybus" nur in der Schweiz üblich, meint Wikipedia dazu. Andererseits sind die Oberleitungsbusse nur in so wenigen Gegenden in Deutschland im Einsatz (glücklich, wer im Raum Solingen wohnt!), dass viele vielleicht doch beim Besuch in Osteuropa dieses Verkehrsmittel erstmals nutzen - und sich auch an den Namen "Trolleybus" gewöhnen.
der neue Bus ist da! - ein Foto
aus den 50er Jahren aus dem Archiv
der Trolleybus-Betreiber in Vilnius
Das andere sind die unterschiedlichen Meinungen dazu, ob Trolleybusse ein modernes Verkehrsmittel sind. Dabei steht die Versorgung über Strom weniger in Zweifel, eher schon organisatorische Überlegungen: da ist die Meinung zu vernehmen, das Fassungsvermögen von O-Bus-Fahrzeugen sei im Vergleich zum Bespiel zu modernen Niederflurstraßenbahnen eher begrenzt.

Das hindert aber offenbar diejenigen Städte nicht, in denen die Oberleitungen weitgehend bereits gespannt und die Linien erprobt sind, auf eine Weiterentwicklung dieser Verkehrsart zu setzen. In Vilnius wurden kürzlich neue Fahrzeuge in Dienst gestellt, deren Typenbezeichnung gute Chancen hat zur Legende für Oberleitungs-Fans zu werden: "Amber Vilnis 12 AC" kommt aus litauischer Produktion. 
Wer Fahrgasttests unternehmen möchte, sollte die Linien Nr. 3 (Karoliniškės–Žvėrynas–Žygimantų g.–Antakalnis) oder Nr. 21 (Saulėtekis–Šilo tiltas–Žirmūnai) nutzen, berichtet nicht ohne Stolz das Internetportal der litauischen Hauptstadt (siehe vilnius.lt). Andere Argumente der Litauer: mit einem Anschaffungspreis von 200.000 Euro seien die neuen Trolleys um 30-60% günstiger als diejenigen anderer Hersteller. Ob dies dadurch erreicht wird, dass Einzelteile der Fahrzeuge von Zulieferern aus Deutschland, aus der Tschechischen Republik, aus Polen und sogar aus Weißrussland geliefert werden? "Neu, sauber und komfortabel" so das Motto der Betreibergesellschaft. Innen jeweils mit Videokamera übrigens, plus Fahrgastzählsystem. Angeblich sollen die litauischen "Amber" auch 15% weniger Strom verbrauchen als die bisher häufig eingesetzten Škoda-Modelle.

kein alltägliches Zusammentreffen: Bürgermeister
bedrängt Trolleybus-Fahrgäste.
Es bleiben Fragen. Natürlich die Befürchtungen der Beförderungswilligen nach Fahrpreiserhöhungen, um die Investitionskosten wieder reinzuholen. Oder die Frage nach dem Schicksal älterer Fahrzeuge. Teilweise kann das beantwortet werden: die Betreibergesellschaft "Vilniaus Troleibusai" bietet den Ausleih von Fahrzeugen auch für private Zwecke an. Ein Kindergeburtstag im Trolleybus? In Vilnius kein Problem. Sollte der Strom übrigens mal ausfallen - oder der Führungsarm von der Oberleitung springen: der Hersteller wirbt damit dass die Fahrzeuge bis zu 1000Meter auch ohne Strom fahren können. Und auch auf Wikipedia sind die Litauer fleissig: der Eintrag von Vilnius ist dort bereits durch den Satz ergänzt: 2012 wurden die neuen Busse "Amber Vilnis 12 AC" eingeführt. 

Trolleybus-Netzplan von Vilnius
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