


Man braucht eigentlich nur auf die Liste der Neuaufnahmen der vergangenen Woche zu schauen, um die Vielfalt kultureller Leistungen zu erkennen, die hier versammelt sind: ein Panda-Reservat in der chinesischen Provinz Sichuan, die Insel Malpelo bei Kolumbien, zwei prähistorische Stätten von Steinkunst in Tansania und Malawi, die grenzübergreifenden Steinkreise von Gambia und dem Senegal, die mexikanische Algave- Landschaft, die Stadt Harar Jugol in Äthiopien sowie die Hafenstadt Port Louis auf der Insel Mauritius.
Im Blickpunkt: Köln, Graz, Dresden, Regenburg
Leider wird die öffentliche Diskussion über das Welterbe-Thema in deutschsprachigen Medien meist nur von Schlagzeilen dominiert -

Auch um das österreichische Graz gab es eine Diskussion: ein geplanter Kaufhausausbau in der Altstadt erhielt nicht das Placet der UNESCO-Kommissionen (Kleine Zeitung, der Standard). Von "Enterbung" war in Graz plötzlich die Rede, und ein Funktionär der Grazer Wirtschaftskammer ließ sich sogar hinreißen, "Einreiseverbot" für die Verantwortlichen für die UNESCO-Entscheidung zu fordern.

Ungeteilte Freude dagegen rief die Aufnahme der Altstadt Regensburgs in die Weltkulturerbeliste hervor (Frankenpost, SPIEGEL, DIE WELT). "Wir sehen einen Trend zu weniger Neuaufnahmen", zitierte die FRANKENPOST die litauische Komitee-Vorsitzende Ina Marciulionyte, "aber die Entscheidung für Regenburg war einfach und hat nur etwa sieben Minuten gedauert!"
Nicht im Sinne der sächsischen Regionalpolitiker kam dageben Dresden mit dem geplanten Bau der Waldschlößchen-Brücke weg. Die UNSECO sah das Projekt als Kulturerbe-gefährdend an. Zuvor hatte ein Volksentscheid in Dresden knapp für den Brückenbau entschieden. "Wir haben entschieden, wir sind das Volk. Punkt." So zitiert DIE WELT die Einstellung einflußreicher Politiker, die sich für die Brücke einsetzen (hier: Sachsens früherer Ministerpräsident Kurt Biedenkopf). Da werden Kritiker des Brückenprojekts, wie der Nobelpreisträger Günther Blobel, auch schon mal als "Verräter" gebrandmarkt (Lausitzer Rundschau). "Wir sind auch ohne den Welterbe-Titel ein Tourismusmagnet", werden in der WELT wutschnaubende CDU- und FDP-Lokalpolitiker zitiert. Ob man diese Einstellung tatsächlich durchhalten will?
Konservieren, erhalten - warum eigentlich?
Überhaupt sind auch die kritische Stimmen mitzuverfolgen. "Welterbe der Menschheit, das ist ein Status, der nicht nur Ruhm und Zuschüsse einbringt, sondern auch Kosten verursacht. Die ausgezeichnete Kommune ist verpflichtet, den Erhalt des Denkmals zu garantieren - und das kostet viel Geld. Die Unesco gibt dafür keinen Cent," so war es in NEWSKLICK zu lesen. Und die TAZ meinte gar: "warum eigentlich bewahren?" und zeigte sich auch seltsam gleichgültig gegenüber der Diskussion um das Dresdner Elbtal - dessen Schönheit erschließe sich "sowieso nur von wenigen Aussichtspunkten aus". DIE WELT dagegen zitiert auch andere Beispiele der Vergangenheit, wo immer Kompromisse zwischen lokalen Bauprojekten und Erhaltung der traditionellen Bausubtanz gefunden werden konnten, so z.B. bei einem überdimensionierten Projekt der Deutschen Bahn in Potsdam.

Prestigegewinn für Litauen
Das weltweit beachtete Kulturthema brachte jedenfalls für Litauen - und auch wohl für Vilnius als Konferenzort - einen eindeutigen Gewinn an Ansehen und Beachtung. Zudem passt das Thema auch zur großen Bedeutung, die kulturelle Themen auch in Litauen selbst genießen
Schließlich wurde auch die Altstadt von Vilnius selbst bereits 1994 in die Welterbe-Liste aufgenommen.
Weitere Infos zum Thema:
- Pressemeldung der UNESCO zum Fall Dresden
- Litauisches Sekretariat zur UNESCO-Konferenz
- UNESCO Webseite zu World Heritage
- die Welterbe-Liste der UNESCO
- litauisches nationales UNESCO-Komittee (Seite nur in Litauisch)
- Webseite der Stadt Vilnius (englisch)
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