06 März 2009

Vilnius stellt sich in Bremen vor

Selten sind die litauischen Farben so deutlich in Bremen zu sehen: den Bremer Roland kleidet das litauische Ambiente eigentlich ganz gut, so mag sich vielleicht auch die Delegation mit Verkehrsminister Eligijus Masiulis gedacht haben, die am 5.März zur Eröffnung der litauischen Kulturwoche in der Hansestadt weilte.

Nicht um die Hanse, wohl aber um Schiffahrt, Verkehr, Logistik, Häfen und Transportwege ging es bei den Gesprächen mit der Bremer Handelskammer, die der abendlichen Eröffnungsveranstaltung vorausgingen. Vorsichtige Fragen nach möglichen Auswirkungen der globalen Finanzkrise begegneten die litauischen Unternehmer durchweg mit Optimismus: gerade solche Zeiten seien ja dazu da, die Sachlage einmal sorgfältig zu analysieren. Die Effektiviät könne in vielen Bereichen noch gesteigert werden, und in manchen Bereichen sei es zu beobachten, dass sich auch Warenströme weniger Richtunge Asien und China, sondern zurück Richtung Westeuropa orientierten.

Nicht zum ersten Mal war bei dieser Gelegenheit von litauischer Seite zu hören, das Land biete sich auch als Drehscheibe und Brücke in die mittelosteuropäische Region an: wo noch vor 10 Jahren deutsche Unternehmer in den baltischen Staaten lediglich einen Trittstein nach Russland sahen, ist nun auch von der Ukraine oder Belorussland die Rede - eine demokratische Entwicklung dort natürlich vorausgesetzt.
Eine Belastung gerade für neue Planungen und Projekte sei es allerdings, dass in Litauen die Banken kaum noch Kredite vergeben. Da schien bei der etwas scherzhaft geäusserte Frage, ob sich nicht deutsche Banken hier stärker "einkaufen" wollten, auch ein ernsthafter Hintergrund durchzuschimmern. Angeblich habe die Deutsche Bank schon konkrete Überlegungen unternommen, sei dann aber durch die Finanzkrise vorläufig gestoppt worden.
5 Milliarden Litas (ca. 1,44 Milliarden Euro) Defizit weise gegenwärtig der litauische Staatshaushalt auf, so Minister Masiulis. 2 Milliarden davon wolle die neue litauische
Regierung durch eine Steuerreform herunterschrauben. Für Unternehmer werde es aber keine wesentlichen Steuererhöhungen geben, kündigte Masiulis an.

Der Litas ist fest an den Euro gebunden, für den litauischen Export ist ein starker Euro daher nicht unbedingt ideal. Aber nicht alle vorhandenen Kapazitäten zwischen Deutschland und Litauen seien momentan voll genutzt - darauf hoffen diejenigen Unternehmer, die hier einsteigen wollen. Der Besuch in Bremen habe auch der Erkundung neuer Verkehrsverbindungen, insbesondere im mLuftverkehr, gegolten, war aus Delegationskreisen zu hören. Da darf man gespannt sein, was die nächste Zukunft bringt. Der Europäischen Kulturhauptstadt Vilnius könnte es jedenfalls gut tun, wenn das gerade erwachende Interesse potentieller Besucher nicht durch weitere ökonomische Wellentäler abgebremst werden würde.

Mehr zur Litauischen Kulturwoche "Rendezvous mit Vilnius" in Bremen: vilnius-bremen
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