26 Juli 2014

Herr Müller fährt nach Ignalina

Der Osten Litauens, mit seinen schönen Seen und reichhaltiger Kulturgeschichte, könnte aus vielen Gründen ein interessantes Reiseziel sein. Aribert Müller jedoch fährt aus rein beruflichen Gründen - und, erfreulicherweise für die Litauen-Interessierten - berichtet in einem eigenen Blog über seine Erlebnisse.

NUKEM-Projekt "Abfallbehandlungszentrums
für feste radioaktive Abfälle"
Sein Job hat mit dem stillgelegten AKW in Ignalina zu tun - fast war es zu vermuten, fällt doch der Name dieser Industrieanlage in der internationalen Presse sehr viel häufiger als diejenigen der touristischen Attraktionen der Gegend. Das 1983 gebaute AKW ist 2009 stillgelegt worden, und für die komplette Demontage des Kraftwerkes wurden 25-30 Jahre veranschlagt, berichtet Müller. Er ist einer derjenigen, die offenbar die Sicherung der Dekontaminationsanlagen gewährleisten müssen - im besonderen geht es um ganz bestimmte Fugenprofile. Vor drei Jahren waren sie angelegt worden, Anfang Juli 2014 fuhr Müller im Auftrag der NUKEM GROUP nach Litauen um zu sehen, wie es dort inzwischen aussieht.

Neben dem fachlichen kommen auch einige Aussagen über Litauen zum Ausdruck. Das Land sei wie "ein grünes Gemisch aus Mecklenburger Seenplatte und Uckermark" - nun ja, je nachdem was man vorher schon gesehen hat, würde ich sagen. Was es ansonsten zu sehen gab: "mit dicken Kopftüchern bekleidete Frauen" (wahrscheinlich aber nicht nur mit Kopftüchern bekleidet, oder?), "malerische Holzhäuser", die im Kontrast zu den "tollen Straßen" für Müller "wie aus der Zeit gefallen" wirkten.
Dann die "Trabantenstadt" Ignalina und Übernachtung in "Pension Idilė".

Nun ja, für Herrn Müller erscheint es wohl selbstverständlich, dass seine Profi-Fugen keinen Grund zur Kritik geben. Der "Atomdreck" scheint sicher verwahrt. Statt dessen aber ausführliches Erstaunen über die Stadt Ignalina: "Die Sauberkeit zwischen den Wohnblöcken und Straßen ist unglaublich. Es liegen keine Kippen herum, jeder Quadratzentimeter Nutzrasen ist gemäht und schon früh am Morgen fegen Frauen in hellgrünen Warnwesten an Stellen, wo es augenscheinlich nichts zu fegen gibt."

Eine wahre Stadt der Sauberfrauen also, dieses Ignalina. Doch Müller entdeckt auch "Jung-Visaginisten", und zwar in der örtlichen Pizzeria. Müller hat seinen Spaß, und außer dass ihm auch die angebotene Pizza hervorragend schmeckt, beschreibt er die Szene so: "...hier cruisen die Autos wie auf einer Fanmeile und hier trifft man die hübschesten Frauen in der östlichsten Ecke der EU – ein Augenschmaus. Leider haperte es mit der Verständigung, ..."

Nun ja, so war das immer schon mit den "Experten" aus dem Westen - nur sind die "Schönheiten" inzwischen nicht mehr so leicht greifbar, und müssen ab 2015 ja auch in Euro bezahlt werden. Am See baut die EU einen neu gestalteten Strandbereich, beschreibt Müller noch. Für ihn ist es eine Reiseempfehlung: "von Berlin aus ist man in wenigen Stunden da!"

Aktuell hat Ignalina wohl auch noch andere Sorgen. Aufgrund des Ausbruchs der "Afrikanischen Schweinepest" im östlichen Litauen besteht für die Stadt die Gefahr, dass durch diese zusätzlichen Warnungen (kein Fleisch als Souvenir mitbringen!) jetzt noch weniger Gäste in diesem Sommer die Gegend besuchen. Über dieses Thema informiert die Webseite der Stadt vorerst nur in Litauisch.

Blog "Fugenmontage im AKW Ignalina in Litauen"

NUKEM Technologies Projekt 1 / NUKEM Technologies Projekt 2 /
NUKEM-Projekt "Abfallbehandlungszentrums für feste radioaktive Abfälle"

Stadt Ignalina / Touristinfo Ignalina / Regionalzeitung "Mūsų Ignalina" (litauisch)
Kommentar veröffentlichen