01 September 2013

Umzäunte Karbonaden

Desinfektionstrupps an allen östlichen Grenzen Litauens: Bilder und Zustände, die in diesem Sommer weitgehend am Touristenstrom vorbei in Litauen zu sehen waren, da sich das auf die östlichen Grenzen des Landes konzentrierte.
Was Deutschen vielleicht zuletzt aus Zeiten der "Vogelgrippe" bekannt ist, geistert seit einigen Wochen durch die litauischen Fernsehnachrichten. Beauftragte des staatlichen Veterinäramts besprühen, komplett in Schutzkleidung eingehüllt, sämtliche aus Belorussland einreisenden Fahrzeuge mit Desinfektionsmitteln und lassen sie über speziell vorbereitete Matten fahren. Es geht um die Afrikanische Schweinepest (ASP), die in Litauens östlichem Nachbarland ausgebrochen ist. In Grodno war Ende Juni ein Fall von Schweinepest von den Behörden festgestellt worden.
Bis vor kurzem wurden für die Vorsorgenmaßnahmen sogar Gebühren von den Speditionsfirmen verlangt. Regierungschef Algirdas Butkevičius stoppte dies erst nach Zusagen von Vertretern der Europäischen Union, Geld für einen entsprechenden Aktionsplan bereitzustellen. Bis dahin hatten die Desinfektionen Litauen täglich etwa 17.000 Litas (ca.5000 Euro) gekostet.

Ein "Aktionsplan" soll es sein
Seit Anfang Juli ist die Problematik akut, und in dem Zeitraum in dem Litauen sich genötigt sah, vorbeugende Maßnahmen zu treffen, kursierten verschiedene Vorschläge was zu tun sei. Auch Verteidigungsminister Juozas Olekas wurde aktiv - in Vertretung des bis dahin noch im Urlaub befindlichen Regierungschefs. Manche Ideen greifen dabei ziemlich weit: "Wir könnten alle Bären in 10km Grenznähe töten" - solche Aussagen sind von Jonas Milius, Chef der litauischen Veterinärbehörde, überliefert (15min). Bekannt ist die Gefahr der Übertragung des Virus durch Wildschweine.
Neue Steuern für die Transportindustrie wollten Agrarexperten einführen, nachdem bereits der Einfuhr einiger Produkte aus Belorußland vorübergehend untersagt worden war.

Nun ist zu lesen, dass jetzt vom Bau von Zäunen oder gar Mauern die Rede ist. Angeblich haben außer Litauen auch Lettland und Polen ähnliche Pläne. Nun ist von Tiergehegen bereits bekannt wie schwierig es ist, von Wildscheinrotten die Beachtung von einfachen Zäunen zu erwarten. Zudem würden solche Anlagen Millionen von Euro kosten - in Ländern, deren Einwohnern ein dem EU-Durchschnitt entsprechender Arbeitslohn nicht zugestanden wird.  Andere reden vorerst nur vom Aufbau von "Pufferzonen" - was aber wohl dasselbe bedeuten soll: Zaunbau, und auch Tötung von Schweinen in bis zu 10km Entfernung von der Grenze? 400km Zaunbau - allein in Lettland - und geschätzte 60 Millionen Euro für ein derartiges Projekt in den betroffenen Ländern insgesamt, eine verrückte Idee?

Schweinemast ist gegenwärtig in Litauen ein ökonomisch relativ erfolgreicher Agarbereich; 2010 waren 442.600 Schweine exportiert worden, den größten Anteil nach Russland. 2011 war auch in Litauen die Schweinepest ausgebrochen. Die meisten größeren Mastanlagen sind in Litauen erst in den vergangenen Jahren neu entstanden. Besonders junge Schweine gelten als stark ansteckungsgefähret gegenüber dem ASP-Virus.


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