13 August 2012

Fast vergessen

Edwin Geist,etwa 1934
(Abb. aus dem Buch
"Edwin Geist: Stündlich
zähle ich die Tage")
Als er in den 30er Jahren nach Kaunas ging, um dort ein neues Leben anzufangen, träumte er von einer erfolgreichen Arbeit als Kapellmeister und Komponist. In Kaunas fand er seine große Liebe, Lyda Bagriansky. Er arbeitete an einem Musikschauspiel "die Heimkehr des Dionysos" und komponierte inspiriert von litauischen Liedern und Gedichten von Benediktas Rutkūnas. Er interessierte sich für Sutartinen und kannte Jadwiga Čiulionytė, die Schwester des Komponisten und Malers Mikolajus Konstantinas Čiulionis. Jadwiga erzählt: "Sein Haar war immer etwas zerzaust, und er blickte kurzsichtig hinter seiner spiegelnden Brille hervor, stets bereit, sich an den Flügel zu setzen und eine Melodie zu improvisieren. Er war immer gut aufgelegt und kameradschaftlich, aber er hatte einen aufwallenden Charakter. Er war heißblütig, weshalb wir öfters in Streit gerieten. Aber gewöhnlich versöhnten wir uns schnell wieder. Danach erschien es mir immer, als kennten wir uns schon sehr lange. Denn so in Streit geraten und sich danach wieder versöhnen, das können nur alte Freunde."
Lyda Geist,etwa 1940
(Abb. aus Edwin Geist
"Stündlich zähle
ich die Tage")
Im Frühsommer 1940 veröffentlichte er das Buch "Antikes und modernes im litauischen Volkslied". Danach wurden seine kurze Zeit lang seine Kompositionen im litauischen Radio gespielt. Nach der Besetzung Litauens durch die Nazis muss er mit seiner Frau Lyda ins Ghetto Kaunas ziehen. Nach einiger Zeit gelingt es Freunden, ihn herauszuholen, die Nazis verlangen als Bedingung die förmliche Scheidung von Lyda. Außerhalb des Ghettos schriebt er fünf Hefte voll, Tagebücher an Lyda, die er auch herausholen will aus dem Ghetto. Sie kommt sogar frei - aber er wird wieder verhaftet und kurz danach erschossen. Lyda nimmt sich selbst das Leben - und Freunde retten die Noten aus der polizeilich versiegelten Wohnung.

Die Details dieser Geschichte sind erst seit kurzem bekannt geworden. Der Komponist hieß Edwin Geist, oder, mit seiner Lyda verheiratet in Kaunas lebend, Edwinas Geistas. Reinhard Kaiser gab zwei Bücher dazu heraus, kürzlich erschien "Edwin Geist - Stündlich zähle ich die Tage" in der Reihe der Anderen Bibliothek. Das Werk von Edwin Geist wird Thema eines ausführlichen Gesprächs mit der Sopranistin Verena Rein sein, dass am 28.August in der Sendung "Baltische Stunde" zu hören sein wird.
Kommentar veröffentlichen