16 März 2011

Moratorium mit Maischberger

Gestern abend wurde in der ARD zum wiederholten Male über die Folgen des Atom-Gau's in Japan diskutiert. Sandra Maischberger versammelte Menschen, und alle machten besorgte Gesichter. Kurz zuvor hatte die Regierung Merkel überraschend ein "Moratorium" verkündet, und damit die zuvor auf rechtlich zweifelhaften Wegen durchgesetzten Laufzeitverlängerungen für die deutschen Schrottreaktoren selbst ad absurdum geführt.
Aber hier soll es ja um Litauen gehen. Ja, leider muss zum wiederholten Male - statt für die schöne litauische Natur und Landschaft werben zu können, muss von der viele deutsche Urlauber eher abschreckende Vision von Litauen als Atomstaat geredet werden. Ob es etwas nützen würde, Beschwerde bei der ARD einzureichen? Beim wahrscheinlich redaktionell hastig produzierten Blick auf Europas Atommeiler wurde Litauen "unverschämterweise" ausgespart. Litauen ohne Atomkraft? Ach ja, Ignalina ist nun ja endlich abgeschaltet. Russland bleibt auf der Karte gleich ganz ausgespart. Aber was ist das? Frau Maischberger hat ein AKW im Osten Lettlands entdeckt. Wahrscheinlich wird sie sich danach nicht mehr in Litauen sehen lassen können (falls sie das je vorgehabt haben sollte). 

Nein, so schnell geht es nun doch nicht mit der Versetzung oder dem Neubau baltischer Atompläne. Da ist doch tatsächlich bei der Nachrichtenagentur ELTA der unglaubliche Rat von Ministerpräsident Kublilius (an die Japaner?) zu lesen: "Es ist besser, Atomkraftwerke in Regionen wie Litauen zu bauen". Er lehnte es aber ab dazu Stellung zu nehmen ob sich die möglichen Schlußfolgerungen aus der auf Erdbeben und Tsunami folgenden Atomkatastrophe in Japan auch auswirken könnten auf Baukosten für eigene Atombaupläne. Bis Ende 2010 hatte Litauen vergeblich um Investoren für ein neues Atomkraftwerk geradezu gebettelt; es hatte auch Gerüchte um einen Investor aus Asien gegeben - das wäre dann eine ganz umgekehrte Verkettung der Sachzusammenhänge gewesen. 

Vom estnischen Wirtschaftsminister Juhan Parts dagegen ist heute immerhin zu hören, auch die gerade neu gewählte estnische Regierung habe auf die möglicherweise geänderte öffentliche Meinung bezüglich der Atomenergie Rücksicht zu nehmen. Die gerade mit Wählermehrheit bestätigten beiden Parteien hatten den Ausbau der Atomenergie und sogar den Bau einer eigenen AKW in Estland im Wahlprogramm stehen. - Für Litauen gilt das nicht? Das litauische Fernsehen toleriert immerhin in Diskussionssendungen auch Atomkritiker (link), während litauische "Experten" notorisch die absolute und weltbeste Sicherheit für das Projekt voraussagen, was in Litauen gebaut werden soll (kommt mir bekannt vor). 

Der schwedische Regierungschef Reinfeld, gerade auf Besuch in Litauen, warnt dort vor einem "übereilten Run auf fossile Brennstoffe". Na super! Im Gegensatz zum letzten großen Tsunami scheinen diesmal nicht so viele Schweden am Unglücksort zu sein. Und sein Regierungschef Kubilius sieht Fehler in der Planung atomarer Anlagen - allerdings nur bei den beiden nahe der litauischen Grenze geplanten AKWs in Belorussland und Kaliningrad. Russlands Regierungschef Putin seinerseits - gerade zu Gast bei Lukaschenko - verspricht diesem russischen Investitionen für neue AKWs. Darius Semaska, Berater der litauischen Präsidentin Grybauskaite, wird mit der Aussage zitiert der "psycholiogsche Effekt" der Japan-Krise könne durch erhöhte Investitionen in Reaktorsicherheit zu erhöhten Energiepreisen führen. Vielleicht denkt auch jemand wenigstens diesen Gedanken zu Ende? Atom = billig und gut, das kann nicht sein.

Lesenswert übrigens das, was bei BLOOMBERG über einen Besuch des stellvertretenden litauischen Energieministers Arvydas Darulis am 25.Februar in Tokio zu lesen ist. Japan verfüge über einen sehr hohen Standard nulearer Sicherheit, lobte Darulis. Dieser würde Litauen in die Lage versetzen die hohen Umweltanforderungen zu erfüllen, welche von der EU vorausgesetzt würden. Gesagt und protokolliert am 25.Februar 2011 in Tokio.
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