27 Mai 2010

Keine Trendsetter in Hotpants

Nein, diesmal machten es ihnen die "baltischen Nachbarn" nicht vor. Die Eurovisions-Siege von Estland 2001 und Lettland 2002 scheinen Lichtjahre zurück zu liegen. Gewissermaßen "sang- und klanglos" schieden beide diesmal im 1.Halbfinale aus, werden also am Samstag im Finale nicht dabei sein. Sehr optimistisch waren die Litauer diesmal mit ihrem "Gute-Laune-Song aus Osteuropa", das zeigt zum Beispiel dieses Video (siehe unten), aufgenommen offenbar auf der EXPO in Schanghai .... Groupdance für Asiaten, mindestens genauso erfolgreich wie Karaoke. Allerdings: auch Litauen scheiterte schon im europäischen Halbfinale. Eurovision  diesmal also ganz "unbaltisch".


"Es gibt nur zwei Möglichkeiten: man hasst sie oder man liebt sie" schreibt der STERN über INCULTO aus Litauen, der übrigens das Finale ansonsten als "17 gegen Lena" ansieht. Die "Nürnberger Nachrichten" stellen beim litauischen Beitrag einen "seltenen Hang zur Selbstironie" fest. Der VORWÄRTS, ganz Politmagazin, hat sich da schon eher um angebliche politische Parallelen gekümmert - immerhin in Form eines langen Interviews, und Aussagen zu Litauen lassen sich hier offenbar von den zuständigen Redakteuren besser unterbringen als im sonstigen Tagesgeschäft der deutschen Presse, wo Litauen sehr selten ein Thema ist. "Litauens Beitrag zum diesjährigen Song Contest passt wie kein anderer ins Konzept der Eurovision", so die VORWÄRTS-Redaktion, "es greift Gefühl vieler osteuropäischer Mitgliedsstaaten der EU auf, nicht wirklich zu Europa zu gehören." Aha. Dann mal sehen, ob diese Gefühl reicht, dass auch Nachbarstaaten den Song zu ihrem Favoriten erklären.

Traditionell fiebern in Deutschland die Schwulenmagazine immer sehr begeistert bei der Eurovision mit. Aber aus dieser Ecke kommt nur ein müder Kommentar zu den in "glitzernden Hotpants" auftretenden Litauern: "die Schamgrenze liegt bei den Litauern recht niedrig" (QUEER). So unterschiedlich können solche Beurteilungen sein: das Schweizer Boulevardblatt "20min" stellt dem gegenüber beim gleichen Beitrag einen " homophilem Einschlag" fest.

Aber es bleibt dabei: Eurovisions-Ergebnisse sind sehr schwer vorauszusagen. In der WELT rief Ex-Experte Jan Feddersen Aisha aus Lettland zur "Geheimfavoritin" aus - gut, das war VOR dem Halbfinale. Wer Litauen zum Favoriten erklärt sehen will, könnte in den UETERSENER NACHRICHTEN nachgraben. Auch das ist jetzt nur noch Geschichte. Aber für einen Straßenauftritt in der nächst gelegenen Fußgängerzone, oder eine Einladung in eure nächst gelegene Szene-Kneipe sollten die INCULTO-Jungs doch auf jeden Fall taugen!
Wer war noch diese Lena?
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