05 Juli 2009

Mehr als tausend Gäste

Am 6. Juli 2009 feiert Litauen seinen Nationalfeiertag und gleichzeitig auch die erste Erwähnung seines Namens vor 1000 Jahren. An diesem Tag soll im Jahre 1253 Mindaugas zum König gekrönt worde sein.
Die erste Erwähnung des Namens "Litauen" steht aber im Zusammenhang mit der christlichen Missionierung. Genau beschrieben wird dies aktuell in einer Mitteilung der Sächsischen Landesbibliothek Dresden. Zitat: In der mittelalterlichen Chronik der »Quedlinburger Annalen« notierte eine Quedlinburger Stiftsdame unter dem Jahr 1009, dass der Missionsbischof Brun von Querfurt, genannt Bonifacius, zusammen mit seiner Gefolgschaft im Grenzgebiet von Russland und Litauen erschlagen wurde (»in confinio Rusciae et Lituae«).
Eine Abschrift dieser seit Jahrhunderten verschollenen Originalhandschrift befindet sich im Besitz der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und wird nun erstmals im Rahmen der Feierlichkeiten zum 1000-jährigen Namensjubiläum Litauens im Kunstmuseum in Vilnius gezeigt. Die obige Abbildung ist in guter Auflösung auf den Dresdner Webseiten zu sehen.

Sicherlich mehr als tausend Gäste sind bei den heutigen Feierlichkeiten in Litauen anwesend. Es ist eine der letzten Amtshandlungen des litauischen Präsidenten Valdas Adamkus, diese in Vilnius zu begrüßen. Sechs Tage später, am 12.Juli 2009, wird seine Nachfolgerin und neue litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite ins Amt eingeführt.

Die offizielle Webseite der Feierlicheiten "lietuva1000" bietet leider für diejenigen, die nicht Litauisch sprechen, nur wenig Informationen. Auch die englischsprachigen Texte sind nur sehr allgemein gehalten. Also: man muss wohl am besten dabei gewesen sein (eine Reihe Politiker und Honorarkonsule waren eingeladen - die anderen müssen auf das Glück hoffen, gerade in dieser Woche ihren Urlaub in Litauen zu verbringen).

Das gilt auch für das vom 1.-6.Juli 2009 stattfindende litauische Sängerfest (in ungewohnter Konkurrenz zum baltischen Nachbarn Estland, dort ist am gleichen Wochenende REGULÄR das große Sängerfest). Kurze Filmclips davon sind hier zu sehen.

Außerdem wird der neu restaurierte alte Herrscherpalast der Großfürsten Litauens ebenfalls heute feierlich eröffnet - aber dessen Innenleben ist noch weit von d
er Fertigstellung entfernt, die Restaurierung innen musste mangels Finanzen abgebrochen werden, die Staatskassen sind leer. "Feier im Zeichen der Krise" titelt denn auch, darauf Bezug nehmend, die "Volksstimme" in Magdeburg. Allein schon das Bestreben, möglichst würdig zu feiern, wird ja auch eine Stange Geld gekostet haben: so werden heute die dänische Königin Margarethe II., Schwedens König Carl XVI. Gustaf und der norwegische Regent Harald V. in Litauen erwartet. Lettland, Polen, Georgien, die Ukraine und Finnland sind durch ihre jeweiligen Präsidenten vertreten, Deutschland lediglich durch Verteidigungsminister Franz Josef Jung (Quelle: Pressemitteilung Präsident Adamkus).

Schauen Sie heute mal in Ihre Tageszeitung: 1000 Jahre Litauen, für deutsche Medien kein Thema? (eine rare Ausnahme bildet "der Standard" mit der Überschrift "Litauen ... in Zusammenhang mit Hinrichtung erstmals urkundlich erwähnt" - schöne Schlagzeile?)

Ein anderer Gratulant war immerhin US-Präsident Obama (per Glückwunschschreiben, siehe Baltic Times)

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