29 Dezember 2007

Neues Jahr, neuer Pass

Zum 1.Januar 2008 wird Litauen neue Reisepässe einführen, um sich weiter an existierende EU-Standards anzupassen; dies kündigte Innenminister Regimantas Ciupaila im Rahmen einer Presseinformation an.
Äußerlich neu ist vor allem die Farbänderung: nicht mehr grün, sondern einheitlich EU-burgunderrot.
Foto: Gediminas Savickius

Dem Innenministerium zufolge werden in Litauen pro Jahr etwa 200.000 Passdokumente neu ausgestellt. Natürlich wird auch diese Änderung wieder einmal unter anderem damit begründet, es Passfälschern schwerer machen zu wollen. Seit dem 1.Januar 2003 sind in Litauen bereits Identitätskarten eingeführt (entsprechend den deutschen Personalausweisen).


Die erstmalige Einführung von allgemeinen Passdokumenten auf litauischem Gebiet soll übrigens auf die deutsche Besetzung im Ersten Weltkrieg zurückzuführen sein, darauf weist auch ein Beitrag in "Lithuania in the world" hin. Die Deutschen hätten damals verlangt, dass alle Einwohner ständig einen Pass bei sich tragen. Das war 1915-17, aber als Litauen 1918 wieder unabhängig wurde, war einer der ersten Maßnahmen litauische Pässe einzuführen. Interessante Informationen zu den Passvorschriften der damaligen Zeit versammelt auch das Portal "JewishGen" (siehe Abbildung)

Deutschland und Litauen haben seit 1990 wieder gute freundschaftliche Beziehungen erreicht. An historische Parallelen erinnert aber auch, dass auch die aktuell gültigen litauischen Pässe in der Bundesdruckerei in Berlin produziert werden.

Infoseiten:
Passbehörde des litauischen Innenministeriums

Infoseite zu Litauen in der EU

Übersicht zu allen noch gültigen litauischen Passdokumenten (ÖFFENTLICHES ONLINE‑REGISTER ECHTER IDENTITÄTS- UND REISEDOKUMENTE - PRADO), allerdings noch ohne die neue ab 2008 gültige Variante

Infos der Bundesdruckerei Berlin
- zum E-Pass-Upgrade
- zur Produktion von litauischen Führerscheinen
- zu Reisepass-Lesegeräten für Grenzbeamte

08 Dezember 2007

Iki, Iki - bye bye ...

Mit einem freundlichen "Iki" ("Hallo" - oder auch "bis zum nächsten Mal") - so begrüßen und verabschieden die gleichnamigen Kettenglieder dieser litauischen Supermärkte ihre Kunden. Die geschäftlichen Verflechtungen mit Deutschland wachsen weiter. Sämtliche 2009 Läden in Litauen und auch in Lettland sagen nun "Hallo" zur REWE-Gruppe: Die fünf Einzelhändler Rewe aus Deutschland, Leclerc aus Frankreich, Colruyt aus Belgien, Conad aus Italien und die Schweizer Coop haben gemeinsam die Mehrheit an dem baltischen Unternehmen Iki übernommen. Der Zusammenschluß dieser Fünf unter dem Label "Coopernic" umfasst in 18 Ländern Europas mit 17.500 Märkten einen Gesamtumsatz von über 100 Milliarden Euro. Der Kaufpreis für 80% der IKI-Anteile soll 1 Milliarde Litas (300 Millionen Euro) betragen haben.

Die bisher litauische Kette IKI erwartet im Jahr 2007 einen Umsatz von 635 Millionen Euro, eine Steigerung um 30% gegenüber dem Vorjahr. 7700 Mitarbeiter/innen arbeiten bisher bei IKI, damit ist es die drittgrößte Lebensmittelkette in den baltischen Staaten. 20 Prozent der Anteile werden unverändert von der Eigentümerfamilie Ortiz - den Brüdern George (42), Oliver (40) und Nicolas (36)
aus Belgien - mit ihrer Firma "Baltisches Haus" gehalten, die IKI 1992 gründeten.
Zur deutschen REWE-Gruppe gehören auch die toom-Baumärkte, Penny, ProMarkt, AtlasReisen, DER-Reisebüros, ITS, und Dertour.

Damit findet die sagenhafte Erfolgsgeschichte der Ortiz-Brüder, die 1991 nach Litauen kamen und in zunächst gemeinsam in einer 60qm-Wohnung gelebt haben sollen, einen vorläufigen Höhepunkt.
Auch das Projekt der "In-Your-pocket"-Stadtführer, die inzwischen in 16 verschiedenen osteuropäischen Staaten herausgegeben werden, war eng mit der Geschäftstätigkeit der drei jungen Belgier verknüpft. 1992 wurden die ersten Lebensmittel-Läden gegründet, zu einer Zeit, als in Litauen sogar noch die Reste der Rote Armee stationiert waren.

Die Einzelhandelsketten profitieren vom anwachsenden Konsumbedürfnis, vom Wirtschaftswachtum, und von gestiegenen Löhnen in Litauen. Parallel gibt es allerdings auch erhebliche Preissteigerungen - Grundlage der Profite in dieser Branche. Weiterhin ist die Gesamtzahl der Fläche der größeren Supermärkte stark gestiegen.

Infoseite BusinessLithuania

Pressemeldung der REWE-Group

Beitrag in „Verslo savaitė“ (lit.)

IKI Litauen

Beitrag im "Handelsblatt"

IKI - Vision and values

02 Dezember 2007

Es weihnachtet Litauisch

Einen litauischen Weihnachtsmarkt veranstaltete die Botschaft Litauens in Berlin am 30.November, pünktlich zum 1.Advent. Eine schöne Gelegenheit für Berlinerinnen und Berliner, mal einige der tradionell erzeugten und sehr schmackhaften Backwaren zu probieren (allein schon das dunkle Kümmelbrot ist legendär!), sowie sich mit Kunsthandwerk und Kinderspielzeug aus Litauen bekannt zu machen. Der Verkaufserlös kam der litauischen Sonntagsschule in Berlin zugute.

Wer sich bis zum Abend noch nicht satt gegessen hatte, konnte zur Repräsentanz des Landes Sachsen-Anhalt in Berlin (nur wenige Häuser weiter) herüberwechseln, wo erstmals ein vorweihnachtlicher litauischer Abend veranstaltet wurde. Landwirtschaftsministerin Petra Wernicke aus Sachsen-Anhalt konnte hier auch die litauische Ministerkollegin Prof. Kasimira Danute Prunskiene als Gast begrüßen. Prunskiene erinnerte in einer kurzen Ansprache an Litauens mehrfache erfolgreiche Teilnahme an Messen und Wirtschaftsausstellungen in Berlin, zum Beispiel der Grünen Woche. Der Leiter der Landesvertretung, Dr. Michael Schneider, betonte besonders die vielfältigen wirtschaftlichen Kontakte seines Bundeslandes nach Litauen.
Für musikalische Unterhaltung sorgte ein Akkordeon-Quartett aus Kaunas, und das Bindeglied sowohl zwischen den Generationen wie auch den Kulturen stellte eine Kinder-Modenschau dar.

Ebenfalls am gleichen Tag
e fand ein Treffen des Deutsch-Litauischen Forums statt. Es wurden Erfahrungen ausgetauscht zwischen Mitgliedern, die aus verschiedenen Arbeits- und Tätigkeitsbereichen mit Litauen zu tun haben.


Mehr dazu:
Webseite Litauische Botschaft

Vertretung Sachsen-Anhalts in Berlin

Deutsch-Litauisches Forum


22 November 2007

Verfilmte Schlachten

Bereits Ende 2006 waren Einzelheiten bekannt geworden über ein weiteres filmisches Großprojekt, das in Litauen und in St.Petersburg produziert wurde. Es ist die Neuverfilmung von Leo Tolstois Klassiker Krieg und Frieden. In Litauen wurden unter anderem die großen Schlachten von Austerlitz (1805) und Borodino (1812) nachgestellt und gedreht. Nun kommt der Film in Deutschland und Österreich ins Fernsehen. Die Sendetermine für ZDF und ORF stehen bereits fest: 6., 9., 13. und 16. Januar 2008. (Fotos: ORF)

Sechs Wochen am Stück in Litauen drehen - das hätte Hauptdarstellerin Hannelore Elsner nicht zugesagt, wenn ihre Kinder noch kleiner gewesen wären, sagt sie im ZDF-Interview. Der fertige Film sei wie ein "riesengroßes, dickes Bilderbuch, das man durchblättert" geworden, meint sie. Über 2000 historische Kostüme waren für den Film angefertigt worden.

Tolstois Werk wurde ja bereits mehrfach verfilmt, die bekanntesten Versionen sind die US-Fassung (1956) mit Audrey Hepburn und Henry Fonda sowie ein sowjetischer Film (1968) von Sergej Bondartschuk. Beide haben ihre Fans, und in Internetforen wird bereits heftig diskutiert, ob diese neue Fassung überhaupt eine Chance hat, diese zu übertreffen.

Von dem Bondartschuk-Film sei er schon etwas beeindruckt gewesen, sagt Regisseur Robert Dornhelm. "Das war wahrscheinlich mit Abstand der teuerste Film aller Zeiten, allein für die Schlachten waren 40.000 bis 50.000 Soldaten zwei Jahre lang beschäftigt. Die Kavallerie hatte 5000 Pferde. D
rei Jahre lang wurde gedreht, zwei Jahre lang geschnitten. Das ist unvorstellbar und großartig monumental, aber zugleich auch sehr intim, sehr detailverliebt. Der Film ist jedoch auch mit einem Schuss Sowjetpropaganda versehen, was möglicherweise gar nicht im Sinne Tolstois war."
Das heutige Produktionsverfahren benötige nicht mehr so viele Statisten, erklärt Dornhelm. Statt 40.000 Soldaten werden nur noch 1000 real abgefilmt, der Rest geschieht durch Vervielfachung.

"Was sprach für Litauen?" wird Regisseur Dornhelm im ORF-Interview gefragt. Dornhelm: "Dass es noch immer nicht einfach ist, in Russland zu filmen. Dass es dort eine sehr gut funktionierende Filmproduktions-Struktur gibt. Dass die „Schlachtfelder“, die wir brauchten, ganz in der Nähe waren."
In Italien wurde der Vierteiler bereites erfolgreich ausgestrahlt, in Frankreich ist gerade Halbzeit: Beide Sender erreichten bisher durchschnittlich rund fünf Millionen Zuschauer pro Folge. Das wurde bei einer Presseveranstaltung am 19.11. in Hamburg bekannt gegeben.

Die österreichischen Medien scheinen Dornhelm ("Östereichs Hollywood-Export") auch als guten Koch zu kennen. "Was haben Sie in Litauen kredenzt?", wir er gefragt. Antwort: "Litauen ist das Land der Pilze, also habe ich Gerichte mit Schwammerln zubereitet. Anfangs griffen sie nur sehr zögerlich zu, aber nachdem die Ersten die Mahlzeiten überlebt hatten, herrschte reger Andrang."

Infos des ZDF zum Film

Bilder zu Teil 1 der ZDF-Serie

Hannelore Elsner zu den Erfahrungen bei den Dreharbeiten

Robert Dornhelm im ZDF-Interview

"Bei zu viel Rühren entsteht Gulasch" -Interview mit Robert Dornhelm bei den OÖ-Nachrichten

Infos des ORF-Kundendiensts zum Film

19 November 2007

Tomas Venclova startet Lesereise

Sein Name ist in Deutschland wohl nicht jedem gleich geläufig - aber für Litauen-Interessierte ist der Name "Venclova" in vieler Hinsicht ein Begriff. Tomas Venclova ist heute einer der am meisten international anerkannten litauischen Autoren, Schriftsteller und Poeten. Seine Stimme wird nicht nur in Form der Rezeption seiner Werke wahrgenommen, sondern auch als entschiedener Vertreter seines Heimatlandes auch unter schwierigen oder zumindest sehr verschiedenen Perspektiven: die Realitäten Sowjet-Litauens hat er durchlitten und erlebt soweit, bis er ins Exil gezwungen wurde. In den USA arbeitend, erinnert er sich wiederum gern der europäischen Perspektive, und schrieb erst kürzlich ein Buch über "Vilnius, eine Stadt in Europa." Und als Poet bringt er Saiten in der Seele der Menschen zu erklingen, die mal litauisch, mal polnisch, mal russisch, mal wie aus einem gemeinsamen menschlichen Heimatland entsprungen zu sein scheinen. Tomas Venclova startete am 18.November 2007 eine neuntätige Lesereise durch Deutschland und Österreich.

"Ja, ich bin ein Weltenbummler," das gibt Tomas Venclova, vor kurzem 70 Jahre alt geworden, zu, "und ich habe auch weiterhin noch Spaß daran." Auf Grönland sei er noch nicht gewesen, erzählt er scherzhaft, aber wer Gelegentheit hat auf Nahdistanz mit ihm zu reden, wird nicht nur über seine Gewandheit zwischen den Sprachen und Kulturen der Welt beeindruckt sein. Auch beim Start seiner Lesereise - während seines Aufenthalts in Bremen - gab es genug Gelegenheit zwischen den Erfahrungswelten hin- und herzuwandeln (Welten, die sich ja zumindest teilweise im Inneren des Menschen herausbilden). Von einem herzlichen "Sveiki atvykę" gegenüber den Litauisch-Kundigen macht es Venclova keinerlei Mühe, alsbald tief versunken in Russisch emotional und gleichzeitig analytisch mit Wissenschaftlern zu diskutieren (wie in diesem Fall anläßlich eines Besuchs an der Forschungstelle Osteuropa an der Universität Bremen), und anschließend mit den Gästen seiner Lesung bei Bedarf auch auf Englisch oder Polnisch die Umstände der Entstehung seiner Gedichte zu erläutern.

Nein, häufiges Reisen klärt offenbar Kopf, Geist und Seele nach wie vor. Dabei bleibt Tomas Venclova interessiert, wo er sich jeweils befindet. "Ich weiß, was Plattdeutsch ist", kramt er sogar ein paar Worte Deutsch hervor, und auch der Klang dieser Sprache kommt klar und bestimmt von seinen Lippen.

Wer noch Gelegenheit hat, sollte sich die Chance einer persönlichen Begegnung mit Tomas Venclova nicht entgehen lassen!

Weitere Termine: 19.11. Frankfurt, 20.11. Wetzlar, 21.11. Wiesbaden, 22.11. Leipzig, 23.11. Berlin, 26.11. Wien.

Infos zur Neuerscheinung Tomas Venclova "Gespräch im Winter" (Suhrkamp)

Details zur Lesereise

Gespräch von Erich Klein und Uldis Tirons mit Tomas Venclova (Eurozine)

Infos von "Books from Lithuania" zu Tomas Venclova

Tomas Venclova bei "Lyrik online"

"Kritische Ausgabe" zum Buch "Vilnius, eine Stadt in Europa"

01 November 2007

Ackern in Litauen, einsacken in Deutschland

Als Bauer an die Börse - das ist dieser Tage eine beliebte Schlagzeile in vielen Wirtschafts- nachrichtendiensten. Beim näheren Hinschauen wird deutlich, dass hier ein deutscher Agrarkonzern, der vorwiegend in den ostdeutschen Bundesländern aktiv ist, sich Flächen in Litauen zur Bewirtschaftung gesichert hat und damit offenbar gute Gewinne macht. Die KTG Agrar AG, inzwischen mit Sitz in Hamburg, wird als einer der größten Agrarproduzenten Europas bezeichnet. Aber auch mit Öko-Getreide wird gutes Geld verdient.

Wofür sind solche Erfolgsgeschichten charakteristisch? Dass es der Landwir
tschaft endlich wieder besser geht? Wenn ja, dann ist hier wohl kaum eine bäuerliche Familienwirtschaft traditionellen Stils gemeint. Oder dafür, dass man neuerdings mit Getreide, Milch und andere landwirtschaftliche Produkte wieder besseren Absatz findet am Weltmarkt? Aber ob die Verdienste der Agrarkonzerne der ganzen Branche helfen ist ja eher unsicher. Dass große Agrarkonzerne gut verdienen können? Nun ja, das war schon länger klar. Oder vielleicht, dass in Zukunft nicht mehr in Eßbares investiert werden wird, sondern - trotz Hunger in der Welt - in eine Landwirtschaft, deren Produkte z.B. zur Energieerzeugung verbrannt werden? Nun ja, die KTG Agrar produziert erstmal Biogas.

Zunächst ist es die Geschichte von den Gebrüdern Hofreiter aus dem Süddeutschen, so wie sie zum Beispiel im Hamburger Abendblatt erzählt wird. Über Bio-Eier und Geflügel landeten sie beim Getreideanbau, auch bei Mais, Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln. 14.000 Hektar werden inzwischen insgesamt bewirtschaftet ("19.500 Fußballfelder groß", sagen die Hofreiters - kann das mal jemand in Basketballfelder umrechnen?).

Die Rede ist vor allem von einem Boom bei Ökoprodukten. 5700 ha Biogetreide, und 10 Biogasanlagen gehören zur Firma. In Litauen gibt es seit 2005 KTG Standorte in Raseiniai, bei Vilnius und Mažeikiai.

Eine kritische Stimme zum geplanten Börsengang der KTG Agrar wird bei Yahoo-Nachrichten zitiert, die sich auf einen Beitrag in der FAZ vom 28.10.07 beruft. "Hohe Subventionen verzerren die Bilanzen", erklärt dort der Bundesvorsitzende der "Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft" (ABL) und grüne Europaabgeordnete Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf. Zum einen sei es beschlossen, die 300.000 Euro EU-Zuschuß, die ein Betrieb bekommt, bis zu 58% zu kürzen. Die FAZ rechnet vor: von 885 Euro Erlös pro Hektar stammten 308 Euro aus Steuergeldern, und damit deutlich höher als der Nettogewinn von 123 Euro. Bis 2013 bleibt aber mit den EU-Zuschüssen vorerst alles beim Alten: bis dahin hofft die KTG Agrar genug Gewinn erwirtschaftet zu haben, um auch als Aktiengesellschaft überlebensfähig zu sein. (Fotos und Grafik: KTG Agar)

Pressemitteilung KTG Agrar

Hamburger Abendblatt

Handelsblatt

Stock-World

Yahoo-Nachrichten

27 Oktober 2007

Geflüsterte Sünden

Leider ist Jurga Ivanauskaite, eine der bekanntesten litauischen Schriftstellerinnen der Gegenwart, Anfang diesen Jahres im Alter von nur 45 Jahren verstorben. Aber eines ihrer letzten Projekte war die Arbeit mit Regisseur Algimantas Puipa an dem Film "Nuodėmės užkalbėjimas", in dem Motive ihrer Romane und Erzählungen verarbeitet sind. - "Regenhexe" hatte drei Erzählebenen, im Film haben wir uns auf eine davon konzentriert", so Puipa kürzlich auf dem lettischen Filmfestival "Lielais Kristaps" in Riga. Unter dem deutschen Titel "Sündengefüster" ist der Film nun - in litauischer Fassung, englisch untertitelt - auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck zu sehen.

Das Thema der Liebe zu einem Priester war sicher einer der Gründe, warum manch
e das Buch "Ragana ir lietus" (deutscher Titel: Regenhexe) im katholischen Litauen lieber verboten sehen wollten. Auch der Film knüpft genau an dieser Stelle an, in dem entsprechende Einstellungen am Anfang stehen. Aber dann knüpft die Story das Geschehen dichter, und es entwickeln sich mehrere Hauptfiguren, auch in ihren Beziehungen untereinander. "Ich möchte von ihm loskommen", erklärt Vika ihrer Psychotherapeutin Rita, nachdem ihr Priester Paulius erklärt hat, er müsse sich von ihr trennen. "Erzählen Sie genauer, in allen Einzelheiten," fordert Rita sie auf, die schon seit Jahren keine wahre Liebe mehr erfahren hat, und wohl auch an einem weiblichen Dialog über die Grenzen und Mythen der Liebe interessiert ist.

Aber Vika hat ja auch Go, der in derselben Klinik dahinsiecht, in der Paulius ebenfalls seinen Dienst tut. Go, ein ehemaliger Straßensänger (Kostas Smoriginas, in Litauen musikalisch kein Unbekannter, spielt ein wenig sich selbst?), verliert allmäglich den Kontakt mit der realen Welt. Zwei gegensätzliche Liebschaften: ein Künstler, der sich gehen läßt und in den Tag hinein lebt, und ein Gottesdiener, für den Selbstzucht und formale Regeln eigentlich Lebensinhalt sein sollten. Wo die Liebe hinfällt ...

Auch der Psychologin Rita gibt das Drehbuch etwas Spielraum: als ihr Mann zugibt, eine Geliebte zu haben, gibt sie sich einem anderen hin. Ein Arztkollege, Pathologe, von dem sich erst später erweist, dass er Frauen genauso sezieren möchte wie seine anderen Arbeitsobjekte. Die Geschichte verliert ihre Stützpfeiler: Ritas Tochter erweist sich als selbstmordgefährdet, während Priester-Liebhaberin Vika ihre Sicherheit langsam wiedergewinnt. Gibt es Regeln, gibt es Ursachen für die Liebe? Der Film vermag diese Fragen aus der Perspektive beider Geschlechter zu erzählen - obwohl die Männer natürlich schlechter wegkommen. Dennoch werden sich vielleicht Männer wie Frauen durch diesen Film inspieriert fühlen, über manche dieser Fragen neu nachzudenken.

"Sündengeflüster" auf den Nordischen Filmtagen 2007

Infos zu Jurga Ivanauskaite bei "Books from Lithuania"

"Die Regenhexe" bei PERLENTAUCHER.DE" (mit Rezensionsübersicht)

Wikepeda über Regisseur Algimantas Puipa

Szenefotos des Films (Nordische Filmtage)

20 Oktober 2007

Lightshow für Vilnius

Am 26.Oktober wird ein weiteres Bauprojekt des "neuen Vilnius" eröffnet: VILNIUS VARTAI - das Tor von Vilnius. Es soll Geschäftszentrum, Freizeitoase und Mode-Mekka in einem werden. Neben den schon fertig gestellten Bauten des Europazentrums und der neuen Stadtverwaltung von Vilnius wird Vilnius Vartai die Stadtsillouhette mit prägen. Schicke Boutiquen und Galerien prägen das Angebot und sollen auch immer wieder für das eine oder andere Event sorgen.

Die Eröffnung am Freitag den 26.Oktober wird eine Lichtshow sein, die vom deutschen Künstler Gerd Hof gestaltet wird. "Finden Sie sich rechtzeitig auf der Goštauto Straße ein, von dort aus können Sie es am besten mitverfolgen," lädt die Geschäftsleitung auf ihrer Webseite ein. Um 20.00 Uhr abends soll es losgehen. Gerd Hof hat sich dazu etwas besonderes einfallen lassen: auf zwei Ebenen, am Boden und auf den Dächern des Vilnius Vartai wird mit Licht- und Pyrotechnik der "eiserne Wolf" in den Himmel gemalt, der Legende der Gründung der Stadt Vilnius nachempfunden. Die Musik dazu wird vom litauischen Komponisten Linas Rimša beigesteuert.

Gerd Hof wird 2009 auf weitere ähnliche Events in Vilnius inszenieren, wenn die Stadt Kulturhauptstadt Europas sein wird. "Wo Gerd Hof in Erscheinung tritt, sorgt er für Aufregung" - so ist es auf der Webseite des Künsters zu lesen. Im DDR-System beobachtete die Stasi den gebürtigen Leipziger mit Argwohn. Erst studierte er Brecht, inszenierte Shakespeare und Schiller, später waren es Rockopern oder die Zusammenarbeit mit Kultbands wie "Einstürzende Neubauten", Rammstein oder Kraftwerk. Hof arbeitete mit Musikern wie Blixa Bargeld, Mike Oldfield oder Mikis Theodorakis.

Mit europäischen Themen hatten die inszenierten Events von Gerd Hof schon öfter zu tun: am 1.Januar 2002 gestaltete er die "Night of the Euro" in Athen, illuminierte die Akropolis zum "Tag Europas" am 9.Mai 2003, und inszenierte in Malta am 1.Mai 2004 das "Welcome-Europa" Event.

Weitere Infos:

Selbstdarstellung Vilnius Vartai (Vilnius Gate)

Vilnius Gate bei Emporis.com

Pressemitteilung zum Gerd-Hof-Event

Webseite Gerd Hof

Wikipeda-Seite zu Gerd Hof

Gerd-Hof-Events und Vilnius 2009 (litauisch) (englisch)

Text von Birgit Walter zu Gerd Hof

DIE ZEIT über Gerd Hof

19 Oktober 2007

Starker Zug

Die zugstärkste Diesellokomotive Europas des Typs ER 20 CF wurde kürzlich von Siemens Transportation Systems den litauischen Bahnen am Hauptbahnhof von Vilnius zur Nutzung übergeben. Das gab die Firma am 5.10. in einer Pressemitteilung bekannt. Bei der Übergabe dabei waren außer dem litauischen Bahnvorstand Stasys Dailydka, Verkehrsminister Algirdas Butkevičius
und Siemens-Bereichsvorstand Hans M. Schabert auch der litauische Premierminister Gediminas Kirkilas.
Die neue Frachtlokomotive ist mit 138 Tonnen eine der schwersten Lokomotiven in Europa und kann in Zweifachtraktion bis zu 6000 Tonnen schwere Züge ziehen.

Litauen hatte 34 dieselelektrische Lokomotiven dieser Bauart (Wert 123 Millionen Euro) bestellt, die alle bei Siemens in München gefertigt werdent. Momentan soll sich die zweite Lokomotive auf dem Weg nach Litauen befinden, bis 2009 sollen alle Loks ausgeliefert sein und vor allem zwischen Russland und den Ostseehäfen Klaipeda und Kaliningrad zum Einsatz kommen.


Mehr Infos zum Thema: Innovation-Report

Technische Daten zum "Eurorunner"

Litauer schleuderfest

Wer zuviel trinkt, könnte seine Gesundheit gefährden - das haben auch die Litauer erkannt und den 1.September zum trinkfreien Tag gemacht (siehe Bericht). Nun meint aber die Süddeutsche Zeitung herausgefunden zu haben, dass gerade die Litauer ideale Besucher des Münchner Oktoberfestes sind.

In einem Bericht, der allderings eher einem Aprilscherz gleicht, meint der Autor Werner Bartens ein vermindertes Gesundheitsrisiko bei litauischen Besuchern des Oktoberfestes erkannt zu haben - weil diese kein Schleudertrauma kennen. Als Bezug ("eine Untersuchung hat ergeben..." - welche?) werden allerdings nur die Folgen von Auffahrunfällen herangezogen - hat der Schreiber gewußt, dass Litauen das unfallreichste Land Europas ist (pro Einwohner)? Aber vielleicht beruhigt es auch nur, dass Litauen und Bier zueinander passen?

Süddeutsche Zeitung: "Im Kreislauf der Risiken und Nebenwirkungen"

22 September 2007

Mit Ivanauskas aus dem Keller

Ein Trainerwechsel beim FC Carl Zeiss Jena, Tabellenletzter der 2.Liga, ist eigentlich nichts Besonderes. Auch den beiden "Ostklubs" der Fußball-Bundesliga geht es im Moment nicht besonders gut: Rostock und Cottbus sind die Schlußlichter der Liga. Ein glückloses Jahr für Fußballfans im Osten Deutschlands?

Da taucht ein Name wieder auf, der für viele in Deutschlands der erste bekannte Sportler aus dem kleinen baltischen Land war, das 1991 wieder unabhängig wurde: Valdas Ivanauskas. Zwischen 1993 und 97 spielte er 91mal für den Hamburger SV in der Bundesliga, davor bei Austria Wien. Beim Abgang vom HSV machte er nur noch kurz Schlagzeilen, als er zum Vfl Wolfsburg wechseln wollte, wogegen aber seine Frau energisch Einspruch erhob. Wolfsburg als langweilige Stadt, in der man nicht leben könne? Da war auch der überwiegende Rest Fußballdeutschlands damals solidarisch beleidigt. 1999/2000 spielte Ivanauskas dann noch einmal in Deutschland, beim SV Wilhelmshaven, mit dem er aus der Regionalliga Nord abstieg.

23mal spielte Ivanauskas für Litauen, davor bereits 4mal für die UdSSR. Als Ivanauskas im November 1990 zu Austria Wien kam, musste der Transfer noch über Lok Moskau abgewickelt werden (mit einigen Millionen Schilling als Dankeschön). In seiner Zeit in Wien schoß Ivanauskas einmal das "Tor des Jahres" in Österreich. Viermal war er Litauens Fußballer des Jahres. 2002 machte "Ivan der Schreckliche" seinen Trainerschein an der Deutschen Sporthochschule Köln, arbeitete 2003 als Co-Trainer der litauischen Nationalmannschaft während der Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal. In Litauen trat er mehrfach als Sponsor des Fußballnachwuchses auf.

Eine schöne Geschichte schrieb "Sport1" in Österreich einmal über den angeblich so "unbeherrschten" Stürmer. In einem Spiel gegen St.Pölten sei er wegen Beleidigung des Linienrichters des Feldes verwiesen worden. "Blöde Sau" hatte der Unparteiische behauptet gehört zu haben, während Ivanauskas es so darstellte, auf Litauisch "nieko sau" gesagt zu haben, und das bedeute eben nur "was ist los?"

Als Vereinstrainer arbeitete Ivanauskas in der Saison 2004/05 beim FBK Kaunas in Litauen und wurde anschließend Trainer in Schottland bei Heart of Midlothian. "Die Litauer kommen," schrieben im Januar 2005 auch deutsche Medien, nachdem ein gewisser Vladimir Romanov (das ZDF und der Berliner Tagesspiegel damals: "Mini-Abramovitsch") aus Litauen nach Schottland kam und kurzerhand den gesamten Verein kaufte.
Als Trainer des schottischen Traditionsvereins wurde Ivanauskas Vizemeister und schottischer Pokalsieger, legte das Amt aber im März 2007 wegen gesundheitlicher Probleme nieder.

Interessant ist aber auch ein Bericht in der BERLINER ZEITUNG, der von neuen Investoren beim FC Carl Zeiss berichtet. Eine Firma aus der Baustoff- und Immobilienbranche wolle 20 Millionen Euro zahlen. Das Geld soll aber aus dubiosen russischen Quellen stammen.

Der Ostthüringischen Zeitung zufolge reagieren die Fans von Carl Zeiss Jena eher irritiert auf den neuen Trainer Ivanauskas. Sie zweifeln teilweise an Ivanauskas' Trainerfähigkeiten, und verdächtigen andererseits auch die neuen russischen Investoren als eigentlichen Hintergrund für die Entscheidung.

Da gibt es noch viel Arbeit, Valdas. Gero vėjo! Sėkmės!

Pressemitteilung des FC Carl Zeiss Jena zum neuen Trainer

Bericht Berliner Zeitung

Bericht Ostthüringer Zeitung

Diskussionsforum der Jena-Fans

Valdas Ivanauskas im Interview mit "Lietuvos Rytas" (litauisch)

Bericht Sportas.lt (Litauisch)

Wie Ivanauskas damals nach Österreich kam ... (Bericht bei Sport1.at)

19 September 2007

Hafenzufahrt Klaipeda jetzt sicherer

"Die Schifffahrt vor Litauen ist ein Stück sicherer geworden," so lautet das Resumee von Fregattenkapitän Detlef Schäfer, Kommandeur des Internationalen Minenabwehr-Verbandes "OPEN SPIRIT 2007", das jetzt seitens der Bundesmarine veröffentlicht wurde. "Gastland" war diesmal Litauen, und im Visier der Minensucher war in diesem Jahr ein Gebiet südlich der Hafenzufahrt Klaipeda.

Wieviele Munitionsrückstände aus dem 2.Weltkrieg dabei beseitigt werden konnte, darauf kommt es den Minenräumern laut Pressemitteilung gar nicht so sehr an. "Entscheidend aus Sicht der Minenabwehr ist, dass die internationale Seeschifffahrt, die Fischerei und die Touristikindustrie, diese Zahl erfährt: 90 Quadratseemeilen Küstenstreifen vor Litauen können als frei von Munitionsrückständen - und damit als sicher - gemeldet werden. Das ist der konkrete Erfolg.“

Derweil laden Umweltschützer in Deutschand für den 19.Oktober 2007 zu einem Symposium nach Kiel ein, um im Kreis von Fachleuten und Interessierten über alternative Methoden der Munitionsbeseitigung nachzudenken. "
Hohe Schalldrücke und explosionsbedingte Druckwellen, wie sie bei Munitionssprengungen auftreten können, führen bei Meeressäugern zu schwerwiegenden Verletzungen und Hörschäden," heißt es in der Ankündigung zur Veranstaltung.

Pressemitteilung der Bundesmarine

Fotos "Open Spirit 2007"

Infos des Naturschutzbundes Deutschland zum Symposium am 19.10.07 in Kiel
Download des Veranstaltungsprogramms (PDF-Datei)

NAB'U-Meereschutz

06 September 2007

Deutschland Krepsinis lehren

In Litauen sicher eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres: die Basketball-Europameisterschaft. Und wenn Deutschland der Gegner ist:Krepsinis gegen Nowitzki sozusagen. Nun hat Litauen in der Vorrunde Deutschland knapp geschlagen - zurückhaltende litauische Taktik, oder winkt ein Wiedersehen im Halbfinale oder Finale?

"Es sieht ganz so aus, als ob Šarunas Jaskevičius die Basketball-Krone dieses Jahr wiederhaben will," so stellen es Berichte auf der offizielle Webseite der EM dar (Eurobasket2007).
Auch die deutschen Medien stellen Jaskevičius heute als den herausragenden Spieler heraus.

"Sport1.de" zitiert den deutschen Nationaltrainer Dirk Bauermann mit der Aussage über Jaskevičius: "Er hat die Athletik eines Michael Ballack, die Spielintelligenz eines Zinedine Zidanes, vor allem aber die Ausstrahlung eines Stefan Effenberg." Nur so versteht es wohl (Fußball-)Deutschland. Bauermann weiter: "Es ist schon unglaublich, dass in Litauen mit weniger als vier Millionen Einwohnern gelingt, was wir mit 80 Millionen nicht schaffen."

Schließlich war Litauen aber im Spiel gegen Deutschland schon schon klar auf der Siegerstraße - und ließ sich kurz vor Schluß beinahe noch abfangen, oder wurden nur Kräfte geschont? Für den Rest der EM kann jetzt spekuliert werden, denn beide Teams wollen mehr erreichen: möglichst ins Endspiel.

Also, auf ein Wiedersehen bei der EM: Deutschland-Litauen zum Zweiten!

Basketball-Fanseite der litauischen Vereinigung in Nürnberg

Offizielle Seite der Basketball-EM 2007

Bericht zum Spiel Deutschland-Litauen (litauisch)

Bericht zum Spiel (Englisch)

"Frust bei den Deutschen" - Bericht bei Sport1

"Das deutsche Team ist noch eine Wundertüte" - Bericht DIE WELT

"Gruppensieg verpaßt, Selbstvertrauen gewonnen" (Manager-Magazin)

"Dumme Niederlage" (Netzeitung)

"Dirk und die Schattenspieler" (Spiegel online)

"Dämpfer für deutsche Basketballer" (Frankfurter Neue Presse)

Bericht bei SPORT1.DE zur litauischen Mannschaft

Infos zu litauischen Basketballklubs (Seiten meist nur in Litauisch)

Basketball-Diskussionsforum (litauisch)

Litauischer Basketball-Verband

02 September 2007

Fahrradfahren unter Polizeischutz

NACHTRAG: Am vergangenen Freitag fand nun die Fahrraddemo "Critical Mass" (CM) in Vilnius nach den dramatischen Ereignissen vor einem Monat statt (siehe unten) - Sie endete mit der Verhaftung von Radfahrern.
Diesmal schützten 2 Polizeiautos den (Auto-)Verkehr vor den mehreren Hundert Radfahrern. Alles verlief friedlich und interessant war das Medienecho.

Empfehlenswert:

  • Bericht, Fotos auf www.delfi.lt mit 3-minütigen Film (wer mich mal Litauisch reden sehen will, muss allerdings bis zum Ende schauen...)
  • Neue CM Dokumentationsseite www.dviratis.org mit Links zu Bildern und Filmen
  • Film vom "eko(b)logas"

Ein trockener Tag oder: Alkoholismus heute verboten!

Der 1. September ist in Litauen für vieles bekannt: Zuallererst als "Tag der Lehre", denn dann beginnen Schulen und Universitäten. Dann als "Tag der Freiheit", denn am 31. August 1993 verließen die die letzten Überreste der Sowjetischen Armee den Baltenstaat. Dieses Jahr fiel der 1. September auf einen Samstag und so schlossen sich auch die Bauarbeiter an, ihren nicht mehr existierenden Ehrentag (26. August) zu feiern. Nur versprachen die Umstände dieses Jahr ein äußerst nüchternes Fest...

Und das kam so: Im scheinbar aussichtslosen Kampf gegen den Alkoholismus hatte ein Parlamentsmitglied eine scheinbar geniale Idee. Schon seit Sowjetzeiten versucht man, dem übermäßigen Alkoholkonsum, Herr zu werden. Berühmtheit erlangte schon Gorbatschows "Trockenes Gesetz" von 1986, dessen Überreste - Verbot von Verkauf von Alkohol nach 22.00 Uhr in Lettland noch teilweise existieren. Die Litauen sind da schon seit langem fortschrittlicher: Gesoffen werden kann immer und überall, 24-Stunden-Läden verkaufen den Stoff, ja, genau: rund um die Uhr. Das ist die neue litauische Freiheit und insofern ist man auch so frei, die höchsten Verkehrunfallraten in der Europäischen Union zu haben. Wen wundert's - ein Hauptproblem: Alkohol am Steuer.
Nun muss man nicht glauben, alle Litauer seien immer im Dauerrausch. Es gibt natürlich auch Gegenbewegungen, vor allem aus der katholischen Ecke, so eine Jugendbewegung für Nüchternheit. Als ob man sich auch darüber lustig machen wollte, war ihr Gründer, der Bischof Valančius früher auf dem 2-Litas-Geldschein verewigt, mit denen Durstige am liebsten ihr Bier bezahlten. Also kommen wir zurück zur neuen genialen Idee.

Ein unbekanntes Parlamentsmitglied (der Name taucht in den aktuellen Nachrichten nicht mehr auf und möchte nach dem ganzen Trubel wohl auch lieber anonym bleiben) brachte noch im vergangenen Jahr eine Änderung des "Gesetzes über Alkoholverkauf" ein. Und wie so oft, der Antrag wurde rasch durchgewunken. Erst nun rückte der 1. September näher, und nie war Litauen so nüchtern: Um unsere Schulkinder vor schlimmen Exzessen zu bewahren gilt ein völliges Verbot von Alkoholverkauf an diesem Tage!
"Litauen wird islamisch!" titelt die größte Tageszeitung Lietuvos Rytas. "Schwachsinn" sagt der sich sonst sehr gewählt ausdrückende Präsident Valdas Adamkus. Und natürlich beschwert sich auch der Gaststättenverband.

Andere machen aus der Not eine Tugend: "Wir erinnern Sie daran, dass am 1. September der Alkoholverkauf verboten ist." heißt es in Radio und TV. Und dann kommt der Name der größten Supermarktkette: "MAXIMA. Wir denken an alles."
Der Rest ist schnell erzählt: Nie war ein 1. September so ruhig, nie wurde soviel alkoholfreies Bier verkauft. Ein Lehrstück über Medienrummel und Parlamentsarbeit in einer jungen Demokratie. Ob das Gesetz wieder geändert wird? Abwarten und Tee trinken ...

Links (Litauisch)
Interview mit Präsident Valdas Adamkus
Interview mit dem Psychologen Gediminas NAVAITIS "Die Lust zum Trinken ist uns genetisch veranlagt"
Artikel in "Lietuvos Rytas" /Quelle des Bildes/

29 August 2007

Deutsche Bauern durchpflügen Litauen

Kann ein Bauer Karriere machen? Er kann!
Natürlich nicht auf dem heimischen Bauernhof. "Über die heimische Scholle hinaus" bekommt eine ganz neue Bedeutung, meist erst im Ausland. Es sind Geschichten auch für die landwirtschaftliche Regionalpresse: vom 7. - 17. September 2007 finden in Kaunas / Litauen die Weltmeisterschaften im Wettpflügen statt.

Drei Deutsche werden in Kaunas teilnehmen: Stefan Brudy aus Appenweier und Michael Podehl aus Oyten / Bassen. "Mit einem nagelneuen Traktor per Fähre via Kiel über die Ostsee nach Litauen", berichtet die Syker Kreiszeitung. Eine der ungewöhnlicheren Arten zu reisen - allerdings wird der Traktor verladen. "In Kaunas untergebracht in einem gerade neu eröffenten Studentenwohnhiem", weiß der "Züricher Unterländer" über den Schweizer Teilnehmer Peter Ulrich zu berichten. Ulrich blickt gemäß dieser Veröffentlichung bereits auf eine "25-jährige Pflügerlaufbahn" zurück. Europameister, Viceweltmeister, Schweizer Meister - wer wird da neidisch auf irgendwelche Sportler sein?


Die Schweizer machen sich auch um die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit in Litauen Sorgen.
"Im Gegensatz zu meinen Äckern hat es in Litauen viel weniger Steine», erklärt Ulrich der interessierten Presse. "Da der Sandanteil dafür höher ist, wird man jeden kleinsten Fehler sogleich sehen." Ein "gleichmäßiges Wellblechmuster" gilt es zu pflügen, erklärt Podehl, der dreifache deutsche Meister in Folge.
Wie aber kommt ein gewöhnlicher Bauer (Entschuldigung: Landwirt) zu solchen Reisen?
"Nur weil zu Hause Betriebshelfer und die ganze Familie helfen. Sonst könnten wir uns mit unseren 100 Milchkühen einen 14-tägigen Ausfall mitten in der Erntezeit nicht leisten," erklärt Podehl.

Infos zum Thema:


Homepage der Pflüger Weltmeisterschaft in Kaunas

Vorbericht "Züricher Unterländer"

Vorbericht Syker Kreiszeitung

Ergebnisbericht in den OÖ-Nachrichten

Bericht bei "Baden online"

23 August 2007

Nicht jeder hat einen Alekna ...

Feucht-heiße Schwüle soll die teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler angeblich im japanischen Osaka erwarten, wo ab morgen die Leichtathletik-Weltmeisterschaften stattfinden. 203 Länder der Welt haben sich zur Teilnahme angemeldet, ein Rekord. Das Wort "Rekord" hat ansonsten manchmal auch einen schlechten Beigeschmack, denn allzu oft war auch schon bei der Leichtathletik Doping ein Thema.

Deutsche Medien übertragen die WM umfassend und ausführlich - obwohl nur die Speerwerferin Christina Obergföll als mögliche Goldgewinnerin gilt. Für Litauen ist ein sicherer Kandidat der Diskuswerfer Virgilijus Alekna.

Im Juni wurde Alekna zu "Europas Leichtathlet des Monats" gewählt, weiß www-leichtathletik.de. Seit zwei Jahren ist Alekna jetzt schon ungeschlagen, notiert die Leichtathletik-Welt respektvoll. Konkurrenz käme vom nördlichen Nachbarn: der Este Gerd Kanter hält die Saison-Bestweite mit 72,02 Metern. Alekna kann aber die Wettkämpfe in diesem Jahr eigentlich in aller Ruhe angehen: er ist bereits zweifacher Weltmeister (2003 und 2005) und Olymipasieger (2000 und 2004). Vor wenigen Wochen in Kaunas trafen Alekna und Kanter aufeinander: Alekna siegte knapp mit 71,56m zu 70,92m.

Wer mehr von Alekna sehen und wissen möchte, kann zum Beispiel folgende Webseiten probieren:

Diskuswurf.Info (Alekna in Zeitlupe!)

WM Osaka 2007 - Wetten auf die Sieger bei "Sport-Community"

Litauische Fotogalerie zu Virgilijus Alekna

Textsammlung zu Alekna bei balsas.lt (Litauisch)

Foto: Alekna und Präsident Valdas Adamkus

Pressemeldung: Virgilijus Alekna wird zum UNESCO Champion for Sport ernannt --- (dazu: UNDP-Aktivitäten in Litauen mit Alekna)

Beitrag von "Lithuania in the world" zu Alekna bei den Olympischen Spielen 2004 (Englisch)

15 August 2007

Litauische Familien - in deutschen Schlagzeilen

Vielleicht gehört es ja noch zu den "Sommerloch"-Themen, vielleicht gehört es auch einfach zur Abteilung "Statistiken sagen immer nur soviel aus, was der Auftraggeber gern hören will." Jedenfalls machen dieser Tage einige deutschsprachige Medien mit dem Thema auf: in Litauen existiert die schwächste Bindung an die Familie in ganz Europa.. Ist das gerechtfertigt?

Zugrunde liegt den aktuellen Presseberichten eine Studie von Paola Giuliano und Alberto Alesina von der Harvard-Universität in den USA, die bereits im April 2007 herausgegeben wurde, sie umfaßt 53 Seiten. Untersucht werden 78 Länder. Einbezogen wurden auch Untersuchungen zur zweiten Generation von Einwanderern in den USA. Zugrunde liegt eine simple These: in Gesellschaften mit starker Familienbindung liegt die Verantwortung für Einkommen und soziale Sicherheit eher in der Familie selbst. Im gegenteiligen Fall liegt die Verantwortung eher beim Arbeitsmarkt und dem Staat. Bei starker Familienbindung nehmen auch weniger Jugendliche und weniger Frauen am Arbeitsleben teil. Dann folgt eine interessante Aussage, die ebenfalls sehr einfach klingt: Familienbindung funktioniert nur dort, wo die Familienmitglieder eng zusammenleben. Hieraus ließen sich für Litauen wie für Deutschland ja erste Schlüsse ziehen: offensichtlich gibt es Gründe, warum Familien nicht mehr geografisch so eng zusammenleben. So muss auch die Untersuchung nach der gewählten Methodik zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen: wenig Bindung vorhanden. Aber Vorsicht, Litauer und Deutsche: Auch diese Untersuchung wird uns nicht einreden können, dass wir unsere Familien nicht hoch schätzen. Zumindest für Litauen gilt ja (und das dürfte allen bekannt sein, die Litauen kennen und schätzen): wer momentan anderswo Arbeit sucht, zum Beispiel in Irland oder Großbritannien, der gibt ja damit nicht gleich seine privaten Werte auf.

Die deutschen Medien machen etwas anderes daraus. "In keinem Land der Welt zählt die Familie so wenig wie in Deutschland," schreibt das HANDELSBLATT. "Nur in Litauen sind die familliären Bande noch schwächer." Aus dem Text einer Mitteilung des INFORMATIONSDIENST WISSENSCHAFT könnte man sogar herauslesen, in Litauen und Deutschland sei "fehlender Respekt gegenüber den Eltern" zu konstatieren.
Der WDR schlußfolgert: "Menschen in Ländern mit starker Familienbindung geht es oft finanziell schlechter, sie sind aber oft glücklicher." Und: Familienbindung ist stärker in Süd- als in Nordeuropa.
SZIENZZ meint, Menschen mit starker Familienbindung würden die Frage, ob sie für mehr soziale Sicherheit auch mehr Steuern bezahlen würden, eher mit nein beantworten. Dieses Antwortverhalten wird dann in Beziehung gesetzt zur Familienbindung: "vermutlich deshalb, weil hier die Famile als 'Versicherung' einspringt". VERMUTLICH? Seit wann sind Vermutungen Wissenschaft? Und wie steht es mit der vorangegangenen These, das andersherum ein Schuh draus wird: arme Leute haben eben notgedrungen einen starken Familienzusammenhalt. Allerdings: weil sie bei dieser Befragung angeblich wenig Familienbindung zeigten, sind Litauerinnen oder Litauer auch noch nicht 'automatisch' reich - klar.

SZIENZZ meint auch: "
Der Untersuchung zufolge sind die familiären Bande in ehemals kommunistischen Staaten auch bald zwanzig Jahre nach der 'Wende' immer noch schwächer ausgeprägt als im Westen - Folge der Omnipräsenz staatlicher Regelungen." Gut, aber warum unterscheiden sich dann die Ergebnisse der Studie so zwischen diesen "ehemals kommunistischen Staaten"? In Estland und Lettland zum Beispiel sieht das Bild keineswegs ähnlich wie in Litauen aus (untersucht wurde bis Ende 2006).

Liebe Litauerinnen und Litauer (die ihr vielleicht auf der ganzen Welt zerstreut seid): was denkt ihr?

Übrigens: wer den Bericht von Konstantin Käppner liest, der über die Austauschorganisation "Youth for Understanding" fast im selben Zeitraum ein Jahr in Litauen verbrachte und das Land intensiv kennenlernte, kann sich ebenfalls einen eigenen Eindruck verschaffen. "Ein Volk wie eine große Familie" schreibt Käppner. Na also!

Infos:
"Familie, das Auslaufmodell" - bei Organic Society

"Schlußlicht in Sachen Familie" - bei SCIENZZ

"Familie - wie klappt's bei den Nachbarn?" - im WDR

"In Deutschland und Litauen zählen Familien am wenigsten" - Informationsdienst Wissenschaft IDW

"Zieht das Thema Familie?" - im Handelsblatt

Die Studie: "The power of the family" (Alberto Alesina and Paola Giuliano, Haward University - PDF-Datei)

YFU-Bericht von Konstantin Käppner

08 August 2007

Deutsch-Litauisches Forum mit neuem Webauftritt

Das im Jahr 2006 in Berlin gegründete Deutsch-Litauische Forum (DLF) hat seinen Webauftritt überarbeitet und bietet nun deutschsprachig Informationen zur Arbeit der Organisation an. Damit stehen Interessierten gleich zwei Möglichkeiten offen: auf litauischer Seite kümmert sich das "Lietuvos Vokietijos Forumas" um die Zusammenarbeit, und beruft sich dabei gern auf eine Vereinbarung zwischen dem deutschen Präsidenten Horst Köhler und seinem litauischen Amtskollegen Valdas Adamkus aus dem Jahre 2004.

Auf deutscher Seite leitet Dr. Joachim Tauber (Lüneburg) die Vorstandsarbeit. In Hennef / Sieg ist eine Geschäftsstelle eingerichtet worden - dort ist Frau Hildegund Heinze die Ansprechpartnerin.

Webseite des Deutsch-Litauischen Forums

Deutsch-Litauisches Forum in Litauen

04 August 2007

Segeln in Litauen

Im litauischen Počiunai (bei Prienai, südlich von Kaunas) finden in diesen Tagen die Segel-Europameisterschaften statt. Nach der offiziellen Eröffnungsfeier am 28.Juli erhoffen sich die Teilnehmer zunächst einmal gutes Segelwetter: bis zum 11.August soll die Austragung der verschiedenen Wettbewerbe beendet sein.

Erste Eindrücke, auch neben den offiziellen Wettkampfresultaten, sind von den verschiedenen Berichten der teilnehmenden Segler ersichtlich. Mehrmals musste schon "Regenprogramm" eingeplant werden - touristische Varianten, die Sportler wohl anders sehen als Urlauber.
Aber das es an Essen mangeln könnte? Wer Litauen kennt, muss das für ein Mißverständnis halten. Da schreibt ein deutscher Segler tatsächlich: "
Der litauer Abend war ganz nett. Es gab ein bißchen was zu Essen. Um satt zu werden haben Helge und ich uns allerdings lieber im Bistro versorgt." Mehr als ein Fragezeichen, liebe Segler. Aber wer weiß, ob Segler gewohnt sein könnten, sich für lau auf Kosten anderer den Bauch vollzuschlagen?

Aber keine Sorge: lesen wir bei der Österreichischen Mannschaft weiter - deren Bericht das Essen dankbar erwähnt, und sich lobend über "das köstliche Gebräu" dazu äußern. Bei den "Ösi's" scheint aber auch eine andere Taktik im Spiel zu sein, wie an anderer Stelle zu lesen ist: "
Und damit wir auf keinen Fall schuld sind, wenn morgen das Wetter nicht mitspielt, werden wir heute am Abend alles brav essen, was wir beim Deutsch - Schweizer Teamabend aufgetischt bekommen."
Was die Österreicher langweilt? Das "Regenprogramm". Einziger Kommentar zu einem Besuch in Vilnius: "Leider regnete es auch dort, sodass wir beschlossen, eines der größten Einkaufzentren Osteuropas zu besuchen und waren begeistert. Dieses Zentrum hatte alles zu bieten, was man sich nur vorstellen kann, vom Eislaufplatz über Kino und Bowling, bis zu unglaublich großen Geschäften mit 43 Kassen." Oh, liebe Alpenländler, wie traurig müssen eure Einkaufszentren aussehen, dass ihr nichts schöneres an Litauen findet? Na gut - im Regen können schon mal die Brillengläser beschlagen ...

Weitere Infos und Berichte hier:

Offizielle Seite der Segelflug-EM

Fotos von der Segelflug-EM

Segelflug-Blog von Chris und Thomas Sütterlin (Suetti-story)

Tagesberichte des Deutschen Teams (Aero-Club e.V.)

Tagesberichte vom Team Austria

Bericht bei Newsklick

Prienai im Internet


03 August 2007

Radfahren – in Litauen ein Verbrechen?

Polizei verhaftet mehrere Radfahrer bei Demonstration in Vilnius

Bereits seit über 2 Jahren rollt es auch durch Litauen: „Critical Mass“, eine Spontandemonstration, bei der sich einmal im Monat Radfahrer und Inline-Skater zusammenfinden um friedlich durch die Straßen zu ziehen. Am vergangenen Freitag, den 27. Juli 2007, eskalierte die Situation: Sechs Polizeieinsatzwagen blockierten eine Kreuzung mit dem Zug der rund 100-200 Radfahrer und begannen die Personalien aufzunehmen. Unterschiedlichen Quellen zufolge sollen fünf bis zehn Radfahrer verhaftet und gegen sie Strafanzeige gestellt worden sein.

Es ist schwer verständlich, warum die Polizeibeamten plötzlich – nach über zwei Jahren Toleranz - so einen Übereifer an den Tag legten. Ramūnas Janavičius, Dozent an der Universität Vilnius und Mitstreiter der Öko-Info-Seite www.ekoblogas.info sieht es im Zusammenhang mit der neuen Stadtverwaltung. Auf dem Posten des Bürgermeister der Hauptstadt sitzt Juozas Imbrazas, ein Mann des wegen Landesverrates entmachteten Präsidenten Rolandas Paksas. Seine Partei, ursprünglich „Liberaldemokraten“ in Anlehnung an den russischen Rechtsaußen Wladimir Zhirinowski, nennt seit kurzem nur noch „Ordnung und Gerechtigkeit“.

Die Polizei rechtfertigte sich jedoch mit allgemeinen Kontrollen gegen Motorrad- und Motorrollerfahrer, sowie dass es Beschwerden über die Verkehrbehinderung durch die Radfahrer gegeben hätte. Nach den litauischen Verkehrsregeln dürfen Radfahrer nur auf Radwegen bzw. am äußersten rechten Fahrbahnrand fahren.

Die „Critical Mass“ Demonstrationen begannen weltweit 1992 in San Francisco, USA, um auf die immer stärker bedrängte Situation der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer hin zu weisen und die „die Straße zurückzuerobern“. Formal gibt es keine Organisatoren: Man trifft sich zu einem verabredeten Zeitraum am verabredeten Ort und fährt durch die Stadt. Trotzdem gibt es strenge Verhaltensregeln: Außer dass man eine Richtung der Fahrbahn einnimmt, unternimmt man keine anderen Aktionen. Es ist keine politische Demonstration, die keine anderen Ziele verfolgt, als in einer Auto freundlichen Gesellschaft auf die Anliegen von Radfahrern, Skatern, Fußgängern und anderen hinzuweisen. Aufsehen erregte diese Aktion in Budapest (Ungarn) vergangenes Jahr mit über 40.000 Teilnehmen. Seit 2005 gibt es sie auch in Litauen, in der Zwischenzeit außer in der Hauptstadt Vilnius auch in Kaunas, Šiauliai, Visaginas und Palanga. Der Vilniusser Teilnehmerrekord liegt bei über 300 Teilnehmern. Hier trifft man sich jeden letzten Freitag im Monat um 18 Uhr auf dem Platz der Kathedrale.

Weitere Infos (Litauisch)

Seite der „Critical Mass“, Litauen

http://cm.hardcore.lt/doku.php

Berichte & Nachrichten über die Festnahmen

Radfahren – ein Verbrechen?

http://ekoblogas.wordpress.com/2007/07/29/ar-vaziuoti-dviraciu-nusikaltimas-kritine-mase/

Im Nachrichtenportal Delfi:

http://www.delfi.lt/news/daily/lithuania/article.php?id=13935069

In der Internetzeitung alfa.lt

http://www.alfa.lt/straipsnis/145254

Im Portal der größten Litauischen Tageszeitung „Lietuvos Rytas“

http://lrytas.lt/?data=20070730&id=11857897391183655286&view=4

Beim litauischen nationalen Radio und Fernsehen

http://www.lrt.lt/photo.php?strid=3597374&id=3916385

25 Juli 2007

Wo ist Vidmantas?

Vidmantas Urbonas, 49 Jahre alter Litauer, liebt die Extreme. Selten kann ihm jemand folgen - es sei denn im Hubschrauber, auf dem Motorrad oder in einem Boot. Urbonas war früher Triathlet, Ex-Weltmeister im Ultramarathon wie im Ultra-Triathlon (eine Vervielfachung der Triathlon-Distanz von 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und 42km Laufen). In dieser Woche wird Urbonas versuchen, von Schweden aus die Ostsee schwimmend zu durchqueren. Über den Posten eines Sportamtsleiters hinaus, den er in seinem Heimatort Panevėžys bekleidet, bestätigt Urbonas damit seine Gelüste nach großen symbolischen Aktionen.

Vidmantas schwimmt - aber wohin?
Angekündigt wurde das Event in vielen europäischen Medien. Dass Urbonas angeblich sein extremes Vorhaben zum Anlaß nimmt, um auf die "Verschmutzung der Ostsee" aufmerksam zu machen, wurde allgemein berichtet. Selten bis nie werden dazu jedoch Details erwähnt. Ebenso etwas unklar scheint die Route, die Urbonas zu schwimmen beabsichtigt. Zwar begleiten insgesamt 15 Leute den Schwimmer in drei Beibooten, darunter auch ein Arzt und ein Fernsehteam von CNN, aber Infos zur geplanten Route des Schwimmers werden unterschiedlich wiedergegeben.

"Von Kalmar über Öland und Gotland nach
Panevėžys" - so behauptet es die schwedische Zeitung "Dagens Nyheter".
Etwas konkreter werden da schon Informationen des schwedischen Fernsehens (siehe Karte) -
Quelle hierfür ist immerhin eine von Urbonas und seinem Team selbst verfaßte Projektdarstellung. Zielort wäre demnach der Kurort Palanga in Litauen; die kürzeste Strecke von Gotland bis zum östlichen Festland wäre es aber nicht.
Dementsprechend scheint die dritte berichtete Variante, eine Landung in Pavilosta in Lettland, inzwischen die wahrscheinlichste zu sein. FALLS Urbonas durchkommt: schon auf dem Weg von Öland nach Gotland musste er zunächst wegen zu starker Winde umkehren, und erreichte Gotland erst im zweiten Versuch. Seit heute ist der schwierigste Teil der Strecke angebrochen: die noch etwa 145km lange Strecke von Gotland bis Pavilosta - das bedeutet nur 2 Stunden Schlaf pro Tag (im Beiboot), etwa eine Woche lang Dauerschwimmen.

Rekorde im Visier - Gesundheitschäden nicht ausgeschlossen

Die Lust am Extremen ist für Urbonas nicht ungefährlich. 1999 zog er sich einen Leberschaden zu, als er den Nemunas 460km innhalb von 8 Tagen hinuntergeschwommen war (10km pro Tag). 2006 wollte er von Frankreich 33km weit rüber nach England schwimmen, musste aber wegen hohen Wellengangs aufgeben (siehe Reuters 14.7.07). Auch damals war das Dauerschwimmen Teil einer größeren Kampagne: Urbonas wollte Unterschriftenlisten von Litauen bis nach Island bringen, mit denen sich Zehntausende Litauer für die Anerkennung der litauischen Unabhängigkeit durch Island bedanken wollten.

Bericht des schwedischen Fernsehens (schwedisch)

Blog von
Ruslanas Iržikevičius mit Foto des schwimmenden Vidmantas Urbonas (engl)

Berichterstattung bei DELFI.LT (litauisch)

Bericht Olandsbladet (schwedisch, Öland)

Infos der Stadt Kalmar (schwedisch)

Vorbericht Agentur REUTERS (engl.)

Bericht TVNET / LETA (lettisch)

Litauische Ostseeschutzinitiative (Text auch in Deutsch)


Aktuelle Infos der schwedischen Botschaft in Vilnius zu Urbonas (engl.)

Kontakt zum Management von Vidmantas Urbonas, der Firma ACTIONFIELD