09 Dezember 2006

Verbessern was gut ist

Wie kann die deutsch-litauische Zusammenarbeit wieder verbessert werden? Die über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer von den Botschaften beider Länder und dem litauischen Außenministerium unterstützten Konferenz am 4.Dezember 2006 in Vilnius gingen vorsichtig miteinander um. "Litauen und Deutschland - neue alte Nachbarn" hieß das Motto. Eingeladen waren neben verschiedenen offiziellen Funktionsträgern der deutschen und litauischen Diplomatie auch Unternehmer, Vertreter von Stiftungen und Kultureinrichtungen, Wissenschaftler und in Partnerschaftsprojekten engagierte Bügerinnen und Bürger beider Länder.

Veranstalter war das "Litauisch-Deutsche Forum", dessen Gründung auf eine Anregung der Präsidenten beider Länder, Adamkus und Köhler, zurückgeht. Im September hatte sich der deutsche Zweig der neuen Organisation im Rahmen einer Veranstaltung in Berlin vorgestellt.

Unterschiedliche Erwartungen?
Zeit genug blieb diesmal, Erwartungen und Wünsche auf litauischer Seite an eine Zusammenarbeit mit Deutschland zu hören. Allzu selbstverständlich ist dieses geg
enseitige Zuhören nicht: die meisten Litauer verbinden mit Deutschand nicht viel mehr als ein paar Schlagworte wie Schiller & Goethe, Helmut Kohl und Michael Schumacher, so stellten zur Konferenz vorgelegte Umfrageergebnisse fest. Es sei auch gar nicht so einfach gewesen, überhaupt genug geeignete Simultanübersetzer/innen für die Konferenz zu finden, so die Organisatoren.
Von litauischer Seite wurde deutlich, dass dort Aktivitäten eines "Litauisch-Deutschen Forums" vor allem als für die Unterstützung von staatlicher und politischer Seite geeignet ansieht. Da wirkte es nicht ganz glücklich, dass auf deutscher Seite zwei von drei Bundestagsabgeordneten ihre Teilnahme an der Konferenz kurzfristig absagten: Konferenzteilnehmer Gerd Höfer wurde so zum viel gefragten Gesprächspartner, da sein Kollege Henry Nitsche kurzfristig erkrankt war und Dr. Christel Happach-Kasan schlichtweg ihr Flugzeug verpaßt hatte.

Miteinander ins Gespräch kommen

Deutsche Teilnehmer waren - abgesehen vom Vorstand des in G
ründung befindlichen "Deutsch-Litauischen Forums" und abseits der eingeladenen Referent/innen - nur wenig vertreten. Dennoch galt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Verständnis aktueller Themen auszuloten, und das wurde in Form von drei Arbeitsgruppen versucht. Zumindest war es leicht möglich, einmal der litauischen Seite zuzuhören, wie die Erwartungen an eine Zusammenarbeit mit Deutschland aussehen.
Im Bereich Wirtschaft wurde klar, dass die zahlenmäßig starke Arbeitsemigration von Litauern ins Ausland im eigenen Land weiterhin stark diskutiert wird. Sind dies nur experimentierfreudige junge Leute, die nach einiger Zeit zurückkommen, oder muss Litauen mit einer längerfristigen Auswandererwelle rechnen? Im Vergleich sind litauische Löhne mit denjenigen anderer EU-Länder, die ihre Arbeitsmärkte für Arbeitnehmer aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten geöffnet, nicht konkurrenzfähig. Gleichzeitig steht spätestens mit einer erneuten Erweiterung der EU ein Zustrom von arbeitssuchenden Menschen aus Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder der Ukraine bevor. Da ist es wohl schon als Fortschritt zu sehen, wenn deutsche Geschäftspartner solche Perpektiven in Litauen überhaupt wahrnehmen, und längerfristig ihre ökonomischen Strategien so aufbauen, dass auch der litauische Partner seine Stellung im eigenen Lande stärken kann.

Bunte Kulturprojekte
Hartmut Holzapfel, als Kultusminister 1994 Unterzeichner der hessisch-litauischen Vereinbarung zur Zusammenarbeit und heute Landtagsabgeordneter in Hessen, fasste als Berichterstatter aus dem Arbeitskreis Kultur verschiedene Ideen für die zukünftige Arbeit des Deutsch-Litauischen Forums zusammen. Eine der Perspektiven ist ja bereits allgemein bekannt: 2009 wird Vilnius Europäische Kulturhauptstadt sein. Also könnte eine der Zielsetzungen sein, Litauen und seine Hauptstadt auch in Deutschland bekannter zu machen. Aber auch Konferenzen von Studierenden, litauische Sonntagsschulen, und bildungspolitische Initiativen wurden als Themen für Aktivitäten benannt. Auch die Zukunft der Baltistik an deutschen Hochschulen wurde bereits diskutiert.

Zwischen Vilnius, Brüssel und Berlin
Politische Interessen offen zu diskutieren, fiel da deutlich schwerer. Von litauischer Seite wurden wiederholt große Erwartungen an die Große Koalition zwischen CDU und SPD formuliert, was offensichtlich vor allem auf einer Überschätzung der Machtposition einer konservativen Kanzlerin beruhte. Träume von einer neuen "konservativ-liberalen Bewegung" waren ja schon durch die Abwesenheit eines Teils der Bundestagsabgeordneten der entsprechenden deutschen Parteien konterkariert. Hoffnungen, dass Europa im Sinne Litauens auch einmal "mit einer Stimme sprechen" könne (und solle), richtete die litauische Seite vor allem auf den Bereich der Energiepolitik (im Sinne des litauischen Wunsches einer Wiederbelebung der Atomenergie).
Aber Andreas von Below (für die Adenauer-Stiftung) sowie Werner Jostmeier (für die CDU in NRW) machten deutlich, dass zum Thema eines EU-Beitritts der Türkei zumindest die CDU in Deutschland eine andere Position vertrete als die litauische Regierung.
Mehr Einigkeit bestand da schon in Fragen der Zusammenarbeit der Länder an der zukünftigen EU-Ostgrenze, und auch gegenüber dem litauischen Wunsch nach mehr Sensibilität für litauische Belange gegenüber Russland herrschte großes Verständnis.

Gründungsprozess abgeschlossen?
Mit dieser ersten gemeinsamen Veranstaltung des deutschen und litauischen Teils des Deutsch-Litauischen Forums könnte der Gründungsprozeß der neuen Vereinigung als fast abgeschlossen angesehen werden. Einzig die wirklich aktive Einbeziehung von Aktiven aus den vielen privaten deutsch-litauischen Projekten steht erst am Anfang. Auf litauischer Seite zeigten bisher eher Diplomaten, Beamte und Unternehmer Interesse an den litauisch-deutschen Kontakten, und auf deutscher Seite steht die erste Mitgliederversammlung erst noch bevor.

13 November 2006

Sportliche Studentin

Von einer engagierten Sportstudentin aus Litauen berichtete jetzt die "Allgemeine Zeitung" der Region Mainz. Rasa Sasnauskaite trainiert seit ein paar Monaten den sportlichen Nachwuchs der "Kasteler Ruder- und Kanugesellschaft". 10 Jahre nach Ende einer eigenen Laufbahn als Kanutin versucht sie jetzt Kinder und Jugendliche für diesen Sport zu begeistern.

Was die deutsche Regionalzeitung an der sportlichen Litauerin begeistert, ist aber offensichtlich deren Vielseitigkeit: Studentin der Sprachwissenschaft, Betriebswirtschaft und Informatik, spricht sie sieben Sprachen.
Interessant auch die zitierte Bemerkung, sie haben in 13 Jahren Deutschlandaufenhalt (anfangs als Au-pair-Mädchen) - abgesehen von der Ausländerbehörde - hier noch nie schlechte Erfahrungen gemacht.

Na dann: weiter so, und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Kontaktadresse Kanuabteilung Kastel hier.

09 November 2006

Einig beim Bier: Litauen, Deutschland, Lettland und Tschechien

Ganz genau beobachtet haben die (biertrinkenden?) und europafreundlichen Redakteure der WELT die Diskussionen der Finanzminister der Europäischen Union. "Heldenhaft" hätte sich dort die Fachminister aus Deutschland, Tschechien, Litauen und Lettland gemeinsam gegen eine Erhöhung der Biersteuer gewehrt, berichtet die WELT (und findet Widerhall in den FINANZNACHRICHTEN). "Da verschwinden Ländergrenzen", jubelt das Hamburger Nachrichtenblatt. Worum geht es? Kommen jetzt vielleicht Städtepartnerschaften zwischen Cesis, Warstein, Pilsen und Birzai? (Foto: DIE WELT)

Nein, die "Bierhauptstädte" der beteiligten Staaten werden den Finanzministern eventuell nicht einmal bekannt gewesen sein. Aber dem Druck der EU-Kommission, die Steuererhebungen in den EU-Ländern anzugleichen, konnte vorerst standgehalten werden. "Bier wird in Deutschland nicht als Alkohol, sondern als Nahrungsmittel angesehen", so soll Finanzminister Steinbrück argumentiert haben.

In Deutschland hätte sich der Bierpreis bei einer Steuerangleichung jedoch lediglich um einen Cent (in Zahlen = 1) pro halber Liter erhöht, wenn die Minister dem Vorschlag der EU-Kommission gefolgt wären. So aber kann nicht nur in Litauen und Deutschland in Ruhe weitergetrunken werden. Leider ist nicht überliefert, wieviel der bayrische Vorsitzende der CSU-Europagruppe, Markus Ferber, bereits getrunken hatte, als er den Vorgang wiefolgt kommentierte: "Die Vernunft hat die Oberhand behalten."

08 November 2006

Adamkus in Bern - auf dem richtigen Weg?

Der litauische Präsident Valdas Adamkus ist zu einem Besuch in der Schweizer Haupstadt Bern eintroffen. Positive Grundstimmung erzeugt dabei sicherlich dias weiter ansteigende Handelsvolumen zwischen der Schweiz und Litauen - Schweizer Medienberichten zufolge beliefen sich der Wert der Schweizer Warenausfuhren und Dienstleistungen nach Litauen auf 106,9 Millionen Franken, die Einfuhren auf 49,3 Millionen Franken. Die Bilanz ist also aus litauischer Sicht negativ - Grund genug, daran etwas verbessern zu wollen. Interessanterweise war in Bern auch die Energiepolitik Thema - allerdings ohne "heiße Eisen" wirklich öffentlich zu erwähnen. (Foto: Keystone)

Werbung um gegenseitiges Vertrauen
Adamkus ist gegenwärtig (Umfragen zufolge) der glaubwürdigste litauischer Politiker - so sehen es seine Landsleute. Wenn litauische Medien über den Besuch in der Schweiz berichten, werden sie das Wort "Kohäsionsfonds" übersetzen müssen.
Die Neue Züricher Zeitung (NZZ) erklärte es in einem Beitrag vom 8.11. ihren Leser/innen so: "„Osteuropa boomt, jedenfalls was die Wachstumszahlen angeht. Das durchschnittliche Wachstum in den neuen EU-Ländern zwischen 1996 und 2005 übertraf mit 4,4 Prozent bei weitem jenes der Schweiz von 1,5 Prozent.“ Aha, daher könnte also auch ein Kontakt mit Litauen interessant sein. Die meisten „Hilfegelder“ (EU-Anpassungshilfen, Strukturhilfen) haben ja seit dem EU-Beitritt Litauens 2004 eine ganz andere Grundvoraussetzung: sie liefen entweder aus, oder müssen neu konzeptioniert werden.

Am 26.November 2006 wird in der Schweiz abgestimmt. Die frühere „Osthilfe“ soll wieder aufgenommen werden – lesen wir noch einmal in der NZZ nach: „Das Gesetz ist Rechtsgrundlage für die klassische Osthilfe in den Staaten Südosteuropas und gewisser Länder der ehemaligen Sowjetunion, aber auch für Kohäsionsbeiträge zum Abbau der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in der erweiterten EU. Für Letzteres sollen bezogen auf einen Zeitraum von fünf Jahren Beiträge im Umfang von insgesamt einer Milliarde Franken an die zehn neuen EU-Länder ausgerichtet werden. Die Auszahlung wird sich über zehn Jahre hinweg erstrecken. Diese sogenannte Kohäsionsmilliarde ist für die Gegner des Gesetzes der Stein des Anstosses.“

Valdas Adamkus wird nun mit Worten des Lobes für die Schweizer „Großzügigkeit“ zitiert – nicht ohne die Nebenbemerkung, dass selbstverständlich auch bei einem Schweizer „nein“ bei der Volksabstimmung die Beziehungen beider Ländern unbeeinträchtigt blieben. Aber: für einen Einstieg des Nicht-EU-Mitglieds Schweiz in den litauischen Markt wäre es doch zumindest für die Geschäftswelt von großem Vorteil.

Wofür wird das Geld verwendet?
Schweizer Medien zitieren durchweg die Aussage des Schjweizer Bundespräsidenten Moritz Leuenberger, der die in Aussicht stehenden 71 Millionen SFr in Litauen zur technischen Nachbesserung litauischer Heizkraftwerke verwendet sehen will. Doch wird nicht Litauen selbst entscheiden, wofür das Geld verwendet wird?

In Litauen steht energiepolitisch gegenwärtig ganz klar die Frage im Vordergrund, ob nach Schließung des technisch veralteten AKWs bei Ignalina erneut ein Atommeiler gebaut werden soll. Diese Schließung war einmal von der EU benannte Bedingung für den EU-Beitritt Litauens - und viele Millionen Euro flossen dafür aus Brüssel.
Erst kürzlich einigten sich aber die drei Präsidenten Adamkus (Litauen), Vike-Freiberga (Lettland) und Ilves (Estland) auf eine gemeinsame Erklärung, in der ein Bau eines neuen AKWs von allen drei Staaten befürwortet wird (siehe Berichte
Deutschlandradio, Baltic Times, u.a.). In Lettland stimmte in dieser Woche erstmals eine Grüne Partei in Europa einer Regierungserklärung zu, in der ebenfalls ein AKW-Neubau geplant wird (auch damit ist ein AKW in Litauen gemeint). Und was wird da ein litauischer Präsident in der Schweiz verhandeln wollen, wenn es um Energiepolitik geht?

Greenpeace Schweiz sieht auch die Perspektiven Schweizerischer Energiepolitik für noch nicht gesichert an - die Entwicklung erneuerbarer Energien müsse ganz klar Vorrang haben, so Greenpeace. Vielleicht setzen die Schweizer aber auch eher auf Versprechungen der Internationalen Energieagentur IEA, die einen Ausbau der Atomkraft fordert - das gefiel der Schweizer Atomlobby gar nicht. Ein "Forum Energieperspektiven" in der Schweiz forderte kürzlich einen ganz klaren Vorrang für erneuerbare Energien für die Schweiz.

Soviel werden sich die Schweizer also noch überlegen müssen. "Osthilfe" ja, aber wofür? Und wird die Öffentlichkeit, wenn überhaupt informiert wird, tatsächlich über die Hintergründe der Wirtschaftsinteressen informiert, die eigentlich das Geschehen dominieren? Vielleicht werden ja längst Schweizer Bankgarantien für die litauischen strahlenden Bautvorhaben verhandelt?

Presseberichte dazu:
Nachrichten.ch
Zentralschweiz online
Schweizer Fernsehen
Basler Zeitung
Der Bund
Swiss Txt

Kommentare der NZZ zur geplanten Schweizer "Osthilfe":
"Osthilfe ist eine gute Investition"
"Chancen im wachsenden Europa sichern"

02 November 2006

Leben aus der Portokasse?

Nachdem die großen Banken Westeuropas sich in den vergangenen Jahren, nach langem Zögern, Partner in den baltischen Staaten gesichert haben, wird inzwischen auch versucht, potentielle Kunden mit Informationen über diese Länder zu versorgen. Zudem gibt es ja auch Unternehmer, die sich im Rahmen von Privatisierungen oder Geschäftsteilhaben ein Standbein zum Beispiel in Litauen sichern. Auch die Österreichische Landesbank (OeNB) versorgt ihre Kunden inzwischen mit Zahlen und Fakten über Litauen und stellt fest: Litauen ist dasjenige EU-Mitgliedsland, in dem die Einwohner am wenigsten Spareinkommen zur privaten Verfügung haben.

Die Landesbank stellt in einer Presseerklärung vom 16.10.2006 gleichzeitig heraus, dass Österreich in einigen Ländern Osteuropas inzwischen sogar auf Platz 1 der Direktinvestitionen gelandet ist: in Bosnien, Kroatien, Bulgarien und Slowenien. In Litauen liegt Österreich auf dieser Liste auf Platz 9. Interessant sind auch die Angaben zur Rendite dieser Investitionen: hier liegen mit der höchsten Rendite die Investitionen in Ländern wie Irland und Island vorn. Estland folgt auf Platz 4, Litauen auf Platz 7, Lettland erst auf Platz 9. In der österreichischen Presse (Kurier, Neues Volksblatt, Networld.at, Salzburger Nachrichten) wird ein weiterer Ländervergleich der OeNB zur "verfügbaren Volksvermögen" zitiert. Für die Medien Österreichs scheinen dabei zwar andere Schlagzeilen Vorrang zu haben ("Dänen sind doppelt so reich wie Österreicher"), aber Litauen taucht in dieser Statistik als dasjenige Land auf, das mit nur statistisch 3110 Euro pro Kopf an verfügbarem Geldvermögen in Europa an letzter Stelle liegt. Jedem Niederländer stehen dagegen im statistischen Mittel 93.415 Euro zur Verfügung, jedem Dänen noch 90.580 Euro und jedem Briten 88.573 Euro. In den Niederlanden macht das Geldvermögen insgesamt fast das Dreifache des Bruttoinlandsprodukts des Landes aus. Alles Geldvermögen zusammengerechnet, kommt Litauen nur auf 11 Milliarden Euro und ist auch hier europäisches Schlußlicht.

01 November 2006

Litauen eröffnet Studienzentrum mit Fokus auf östliche EU-Nachbarländer

"Dies ist ein ausgezeichnetes Beispiel für die Kooperation innerhalb der Europäischen Union, und der akademischen Welt mit unserem Ministerium", - das sagte Žygimantas Pavilionis als Vertreter des litauischen Aussenministeriums anlässlich der Eröffnung des "Eastern Europe Studies Centre (EESC)" am 27.Oktober 2006 in Vilnius. Das EESC wurde vom Institut für internationale Beziehungen und politische Wissenschaften an der Universität Vilnius und dem litauischen Aussenministerium gegründet und soll laut Angaben der Betreiber den Status einer "Nichtregierungsorgansation" haben. Auch das finnische "Institut für internationale Beziehungen" (UPI) ist an dem Projekt beteiligt.

Die neue Einrichtung lenkt den Fokus der wissenschaftliche Arbeit von Litauen aus weiter nach Osten: nach Moldawien, Weißrussland, die Ukraine, und dem südlichen Kaukasus. Die Unterstützung für demokratische und zivilgesellschaftliche Aktivitäten ist dabei ausdrücklich Thema und Ziel der geplanten Aktivitäten - auch von Seiten der Europäischen Union oder auch den Gremien des Ostseerats war zuletzt mehrfach die Priorität für Weißrussland unterstrichen worden. Litauen hatte sich in der jüngsten Vergangenheit bereits mehrfach besonders für demokratische Initiativen in Weißrussland eingesetzt, unter anderem durch Unterstützung für Studierende aus Weißrussland.

Den Worten der neuen EESC-Direktorin Kristina Vaičiūnaitė zufolge sollen Analysen zur Situation in den östlichen Nachbarstaaten der EU sowie ein Angebot an Trainingsmaßnahmen zu den zukünftigen Stärken des EESC zählen. Für Interessierte hier die Adressanschrift:

Eastern Europe Studies Centre

D.Poškos str. 59,
LT-08114 Vilnius, Lithuania
Tel. (370 5) 270 59 93
Fax. (370 5) 273 69 53
info@eesc.lt

28 Oktober 2006

Erneute Großproduktion im Filmland Litauen

Wieder hat es Litauen geschafft, die Produktion eines größeren Filmprojekts ins Land zu holen. Nach Robin Hood, Störtebecker, und "Flucht und Vertreibung" (letzteres noch im Entstehen) jetzt also: Krieg und Frieden.

Verschiedene Pressemeldungen geben Einzelheiten wieder. 26 Millionen Euro soll die Produktion insgesamt kosten, meldet Newsflex (siehe auch: TV-Wunschliste). SAT+Kabel bezeichnet die Kosten als "Rekordbudget". "Markenpost" berichtet von "aufwändigster Ausstattung" und "Tausende historische Kostüme" und sieht dementsprechend ein aussergewöhnliches Fernsehereignis voraus. Filmnews.at zitiert den Direktor der Litauischen Filmstudios (LFS), Ramunas Skikas, der diese Produktion als das teuerste und aufwändigste jemals in Litauen realisierte Filmprojekt bezeichnet.
Unter der Leitung der Münchner Firma EOS (Jan Mojto) entsteht eine deutsch - französisch - litauisch - italienisch - russisch - englische Koproduktion des Klassikers der Weltliteratur (Leo Tolstoi). Auch das ZDF ist beteiligt, und ausser in Litauen wird auch noch in St.Petersburg gedreht. In Litauen entstehen unter anderem die Szenen für die großen Schlachten von Austerlitz (1805) und Borodino (1812). Die staatliche russische Nachrichtenagentur Nowosti meldet, es sei nicht leicht gewesen, die russischen Partner davon zu überzeugen, dass die Produktion in Englisch gedreht wird.

Es gab ja schon mal eine US-Fassung (King Vidor, 1956, Oscar-Nominierung), und eine russische Produktion (Sergej Bondartschuk, 1968, Oscar-Preisträger).
Bei der Neufassung führt Robert Dornheim Regie, und als Schauspieler machen unter anderem Alexander Beyer ("Good bye, Lenin") und Hannelore Elsner mit.
Der fertige Film wird voraussichtlich im Herbst 2007 im ZDF zu sehen sein (voraussichtlich in vier Teilen). Auch ORF, RAI und weitere europäische Fernsehanstalten sollen an der Produktion beteiligt sein.

Weitere Infos zum Projekt bei EOS Entertainment - von dort stammt auch die obige Vorab-Illustrierung des Filmes..

25 Oktober 2006

Schweizer Blogging aus Litauen

Erlebnisse in Litauen beschreibt seit einigen Wochen der Schweizer Student Markus Moning. In seinem MONING BLOG können viele detailreiche Schilderungen nachgelesen werden. Hier einige Auszüge (Fotos: Markus Moning). Übrigens: Markus ist ein ISM-Student (International School of Management).

Ankunft mit unterschiedlichen Eindrücken
Erster Eindruck: flach. So beschreibt es Student Markus Moning seine Anreise nach Litauen am 1.September. Aber auch: viel Wald, viel Grün. Erster Schreck: Litauische Autofahrer. "An das Steuer eines Autos werde ich mich hier kaum wagen," schreibt Markus. "Die litauischen Fahrer benehmen sich, als ob sie jemand töten wollten," meint ein litauischer Bekannter. Dessen Freundin ergänzt: "Und wenn sie nicht ganz so schnell fahren, dann sind sie betrunken."

Wohnung einrichten - langwierig. Litauisch bowlen gehen - sehr geil!
Einen guten Handwerker in Vilnius zu bekommen - da muss man schon mal ein halbes Jahr warten, lernt Markus. Allzu gut beschäftigt sind die Fachleute bei all den laufenden anderen Bauprojekten. Allerdings eignen sich unfertige Wohnungen gut zum Party-Feiern, meint der Schweizer. Mehr interessiert Markus aber die Geschichte einer Litauerin über den 10-Litas Geldschein: angeblich weltweit beliebt, weil der einzige Geldschein, auf dem zwei Männer abgebildet sind ...
Ansonsten registriert Markus viel Katholisches: fünf Brautpaare und sieben Stretch-Limousinen eines Samstags in Kaunas. Das Sprichwort "wenn zwei Bräute sich begegnen - das bringt Unglück" - das könne ja wohl in Litauen nicht stimmen, schlußfolgert Markus.

Als es einmal heftig regnet, kommt Stimmung auf "wie Noah vor der Sinnflut".
Warum nur finden sich in Litauen keine Gullys auf den Straßen? "Ganzkörper-Regenschutz" ist seine Empfehlung, zumindest für Fussgänger.
Abends geht es auf die Bowlingbahn in Kaunas. "Sehr geil" berichtet Markus. Kulinarisch schreckt er offensichtlich vor nichts zurück: Schweineohren mit Speck, Thunfischpizza (Markus' Urteil: Pizza-Dichte in Litauen höher als in Italien!), Bier mit Salz, Pilzcremesuppe - offensichtlich neigt die studentische Gesellschaft zum Experimentieren. Nur Cepeliniai liegen ziemlich schwer im Magen ...

Preise manchmal wie in der Schweiz - Musikgeschmack: uncool.
Im 22.Stock des Hotel Vilnius - in der Sky Bar - kostet alles doppelt so viel wie sonst in üblich - also soviel wie in der Schweiz,
stellt Blogger Markus fest. Der Eingangsbereich beim Fernsehturm in Vilnius dagegen erinnert ihn eher an "eine Sowjet-Zentrale in einem älteren James-Bond-Film".
Auch den Musikgeschmack der Litauer findet Markus ziemlich von gestern: "gecoverte Liebeslieder", registriert er relativ emotionslos. Aber: "
Ich kenne niemanden in der Schweiz, der bei „Cotton-Eye Joe“ in Ekstase gerät und wild über den Parkettboden flizzt", meint Markus.

Auch sonst lässt sich Student Markus wenig von "litauischen Highlights" beeindrucken: "
Rumšiškės selber ist nicht sonderlich spektakulär, ich verschone euch mit Details, Häuser, traditionelle Kostüme, eine Windmühle und ein Restaurant, in dem es mehr als eine Stunde dauert, um eine Omelette zu kriegen." Soviel zum litauischen Freilichtmuseum, ein "Muss" in jedem Reiseführer.
Ein "Location-Test" in Kaunas bringt das "BlueOrange" als absolut angesagte Bar hervor. Aber Markus findet erneut Gründe für eingeschränktes Vergnügen: "notgedrungen" setzt er sich an einen Tisch mit Litauern, die er für "generell ziemlich geschwätzig" hält (und die Schweizer gelten als ziemlich langsam, oder, Markus?). Jedenfalls lernt der Schweizer Markus vom Litauer Ewaldas über dessen Studentenjahre in Avignon. "Er wusste zwar nicht wo St. Gallen liegt, kennt aber Vaduz - Fussball fördert Geographie-Kenntnisse", so Moning. Und dann noch: "Ewaldas lancierte einen grossen Monolog über die sprachlichen Unterschiede der drei baltischen Staaten (für die die’s nicht wissen: Litauen, Lettland und Estland) und über slowakische Wintersportorte, leider kann ich mich jedoch nicht mehr an alle Details erinnern. Ein kurzweiliger Abend."

Was lernt Markus sonst noch in Litauen? Dass Sehenswürdigkeiten manchmal nicht ausgeschildert sind, dass Busfahren nach Birštonas manchmal kompliziert sein kann, dass man besser nicht mit litauischen Studenten Schlittschuhlaufen geht, und dass Eltern von litauischen ISM-Studenten sich auch schon ganz schön luxuriöse Wohnanlagen leisten.
Dies und manches mehr vielleicht demnächst im Moning-Blog ...

Mehr von Markus Monings Fotos aus Litauen findet sich übrigens hier

STERN: Krank werden in Litauen?

Alle deutschen Urlauber, die dieses Jahr wieder einmal einen schönen Sommer in Litauen genießen konnten - oder dies in naher Zukunft vorhaben - werden vielleicht angesichts einer Meldung des STERN vom 31.8.06 etwas aufgeschreckt sein: Ganze Reisegruppen kehrten krank aus Litauen zurück? Kann denn das wahr sein?

Grob ungenau
Na ja, Osteuropa - so mag vielleicht mancher gedacht haben, der sich noch vom angeblich schlechten Image der Regionen östlich von Berlin abgeschreckt fühlt. Wer schaut da schon genau hin?
Übernommen hatte der STERN aber nur eine Kurzform eines Berichts der DEUTSCHEN ÄRTZEZEITUNG - immerhin mit dem gleichen Datum (STERN-Reporter arbeiten schnell!). Fachlich stand hier zunächst einmal etwas ganz anderes im Mittelpunkt der Original-Berichterstattung: die logistische Methodik einer Rückführung von 57 erkrankten Deutschen in die Heimat. Erkrankt waren die Reisegruppen aus Hamburg und Dresden aber bereits bei ihrem Aufenthalt in Russland - nur die Auswirkungen machten sich erst nach der Weiterreise nach Litauen bemerkbar. "Grünlich verfärbte Eier" habe man gegessen - angeblich nach Aufforderung, sich den "Gegebenheiten des Gastlandes" anzupassen (den Teller leer zu essen!).

Logistische Aufgabe - für die Ärzte
Die zwei in Russland erkrankte Reisegruppen mussten dann aus Litauen zurück nach Deutschland transportiert werden. Die einen waren inzwischen in Vilnius, die anderen in Klaipeda angekommen, als die Krankheitssymptome auftraten. Die Suche nach einem Transportflugzeug sei schwierig gewesen, berichtet die ärztliche Leiterin Dr. Christine Wehrhahn in der ÄRZTEZEITUNG. "Mit 120 Windeln und 80 Inkontinenzeinlagen zurück in die Heimat", so lautet dort die Überschrift, verbunden mit der Nebenbemerkung, dass auch die Stewardessen im Flugzeug OP-Kleidung und Handschuhe tragen mussten.

Was lernen wir daraus?
Erstens: beim STERN muss man genauer hinschauen - die Krankheitsursachen lagen keineswegs in Litauen.
Zweitens: Leider werden nur die medizinischen Hintergründe dieser Geschichte in der Presse herausgestellt. Zitiert werden bei der ganzen Geschichte nur die Ärzte, nicht aber die für die Reise und die Betreuung Verantwortlichen. In der ÄRTZEZEITUNG liest es sich so:
"Eine Empfehlung lautete, den Teller immer leer zu essen, da sich die meisten Einheimischen und auch das Hotelpersonal weder eine Übernachtung, geschweige denn ein Essen im Hotel leisten könnten. An diese Empfehlung hielt sich die Gruppe dann auch."

Glückwunsch, wer solche Reiseleiter hat! Und das gilt dann auch für Litauen: Trau, schau wem!

26 September 2006

Deutsch-Litauisches Forum stellt sich vor

Rückblick auf 15 Jahre erneuerte diplomatische Beziehungen
Der Tag begann mit einem Rückblick. Geladen ins Besucherzentrum des Auswärtigen Amts in Berlin waren am 22.September Bundesaußenminister a.D. Genscher,
Minsterpräsident a.D. Mart Laar, der ehemalige lettische Botschafter in Deutschland und gegenwärtige Richter am Europäischen Gerichtshof Egils Levits, und der litauische Historiker Dr. Alvydas Nikzentaitis.
"Schauen Sie doch mal nach, welcher andere westeuropäische Außenminister vor mir im Herbst 1991 die baltischen Staaten besucht hat", forderte Genscher die Diskussionsteilnehmer auf und war dabei bemüht zu betonen, dass bei der damaligen Bundesregierung überhaupt kein Zweifel bestanden habe im Hinblick auf die Anerkennung der Unabhängigkeit Estlands, Lettlands und Litauens.

Gemeinsamer Auftritt
Aus heutiger Sicht streiten Esten, Letten oder Litauer nicht mehr um Nuancen der Geschichte. Der Nutzen gemeinsamer Veranstaltungen hat sich offenbar herumgesprochen, denn so nebeneinander gestellt wirken estnische, lettische und litauische Stellungnahmen in ihrer Einigkeit überzeugend. Dank des gleichzeitig stattfindenden Bertelsmann-Forums konnten im Verlauf des weiteren Tages auch zwei der heutigen Ministerpräsidenten begrüßt werden: Gediminas Kirkilas aus Litauen und Aigars Kalvitis aus Lettland. Vielleicht hatte ja nur die gleichzeitig stattfindende Präsidentschaftswahl in Estland den estnischen Kollegen in der Heimat zurückgehalten.
Vom "Rand" nach Berlin-Mitte
Als "Randstaaten" bezeichnet die im Lichthof des Auswärtigen Amts noch bis zum 6.Oktober zu besichtigende gemeinsame Ausstellung die baltischen Staaten.
"Egal," - wird da vielleicht mancher denken, - Hauptsache nicht wieder das alte Klischee des 'Baltikums'! Denn der Begriff "Randstaaten" soll sich ja auf die Vergangenheit beziehen - aber ändert der Status "Partner in Europa" etwas an der geographischen Lage? Ob da jemand die Annahme einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit Russland gleich mit hineingelegt hat? Na ja, die deutsche Sichtweise - mögen da vielleicht wieder die Balten denken. Hauptsache, die Sichtweise einer Entwicklung zum Positiven ist allen gemeinsam.

Schwerpunkt des Tages war aber aus litauischer Sicht sicherlich eine weitere Veranstaltung am Abend desselben Tages. Vorgestellt wurde in den Räumlichkeiten der litauischen Botschaft in Berlin das "Deutsch-Litauische Forum", ein in Gründung befindlicher Verein, der mit einem litauischen und einem deutschen Zweig in Zukunft die Zusammenarbeit zwischen Litauen und Deutschland optimieren helfen s
oll. Gegründet auf Anregung der beiden Staatspräsidenten Valdas Adamkus und Horst Köhler, betreiben Gründungsmitglieder und Vorstand gegenwärtig die Registrierung des Vereins, damit die Grundlage zur Aufnahme weiterer Mitglieder gelegt ist. Etwa 100 Gäste bekundeten mehrheitlich ihren Willen zur Zusammenarbeit oder auch Mitgliedschaft in dem neuen Verein.
Dr. Joachim Tauber (Foto rechts), wissenschaftlicher Mitarbeiter am Nordost-Institut in Lüneburg, stellte seitens des Vorstandes den gegenwärtigen Stand der Diskussion um die zukünftigen Vereinsaktivitäten vor.

Deutsch-Litauische Ehrungen

Anschließend kam noch einmal Ministerpräsident Kirkilas zu Besuch, vor allem um einigen um die Zusammenarbeit Deutschlands mit Litauen verdiente Persönlichkeiten mit litauischen Verdienstorden auszuzeichnen. Unter den Geehrten waren u.a. der Präsident des Europäischen Parlaments a.D. Klaus Haensch, der Europaparlamentarier und Präsident der Europa-Union Deutschland Elmar Brok, und der Staatsminister im Auswärtigen Amt Gernot Erler (Foto links).

08 September 2006

Mulmig nach Litauen

Von Bretzenheim in Rheinland-Pfalz nach Kaunas in Litauen - aus deutscher Perspektive scheint dies immer noch eher eine Abenteuerreise zu sein. Die 19-jährige Karin Schewina will es ausprobieren, und hat sich dafür gleich erstmal die Unterstützung ihrer Heimatzeitung gesichert.

"Ein bischen mulmig ist mir schon," vertraute die Abiturientin der Allgemeinen Zeitung Bad Kreuznach an. Zehn Monate lang will Schewina im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes bei einer Einrichtung der Caritas in Kaunas Dienst tun. Das dortige "Haus der Generationen", 1996 gegründet,
besteht aus einer Kindertagesstätte, einem Frauenhaus und einem Wohnheim für ältere Menschen. Keine unbekannte Einrichtung in Litauen: Freiwillige sind dort häufiger eingesetzt, Arbeitspläne können Interessierte bereits im Internet einsehen. "Unsere Organisation ist offen für alle, die Kinder lieben und gerne auch mit älteren Menschen arbeiten," so die Betreiber.

Wer im Rahmen des EU-Förderprogramms "Jugend" an Austauschmaßnahmen teilnimmt, hat offensichtlich eine große Zahl sehr verschiedenartiger Projekte zur Auswahl - so weist es auch die Projektliste 2005-2006 aus. Aber Litauen? In der Umgebung ihres Heimatortes wohl doch ein so ungewöhnlicher Arbeitsort, dass Karin Schewina eine Kolumne in ihrer Heimatzeitung angeboten bekam. "Litauisch ist eine alte Sprache, ist komplex aufgebaut und klingt für deutsche Ohren ziemlich fremd," ist da am 7.9. zu lesen. Der Herbst in Litauen wird dort als "kühl und regnerisch" vorhergesagt, und für den Winter Temperaturen von bis zu minus 25 Grad angedroht.

Vielleicht sollte Karina sich ja mal die Bloggerseite des Holländers Richt Benedictus anschauen, der 2005 in Kaunas war, offensichtlich auch bei derselben Einrichtung.
Jedenfalls dürfen wir gespannt sein, was demnächst noch alles so aus Kaunas an Berichten geschrieben wird ...

03 September 2006

Und nicht nur unter dem Korb ...

Ja, ein schwacher Ballak im Fußball reicht immer noch zu einem Sieg über die Iren. Aber ein Nowitzki allein reicht eben nicht für eine junge litauische Mannschaft: 77-62 für Rot-Grün-Gelb. Damit ist Litauen WM-Siebter, Deutschland Achter.

"Lietuviai Neapolyje iškovojo istorines lygiąsias" - schreiben litauische Sportfans begeistert im Internet. Was ist passiert? Die Begeisterung ist schnell umgeschwenkt, Nowitzki nur noch Nebensache. Das litauische Fußball-Nationalteam erreichte im ersten Spiel der Qualifikation zur EM 2008 gleich ein 1-1 Unentschieden gegen den Weltmeister Italien (auswärts in Neapel!).

Vielleicht wird Litauen ja noch zum fussballerischen Schrecken der WM-Teilnehmer in Deutschland? Auch Polen hatte in diesem Jahr gegen Litauen schon das Nachsehen (siehe Spielbericht). "Wir müssen so in das Spiel gehen, als ob Litauen Weltmeister wäre, nicht wir," wurde Italiens Trainer Donadoni in der Presse vor dem Litauen-Spiel zitiert. Na, offenbar kann man sich an dieses ehrenhafte Perspektive ausgezeichnet gewöhnen! Für Weltmeister Italien ist es eine Blamage, da ist sich sicher nicht nur die deutschsprachige Presse einig (siehe z.B. Financial Times, ARD).

26 August 2006

Lietuva - siegreich unter dem Korb ...

Als die litauische Basketball-Nationalmannschaft zum Auftakt der Weltmeisterschaften 2006 in Japan gleich die ersten beiden Spiele verlor (gegen Griechenland nach Verlängerung, gegen die Türkei mit zwei Punkten), dachten manche vielleicht schon an einen Niedergang des litauischen Basketballs. Auch die estnischen und lettischen Nachbarn mögen vielleicht ein wenig die Daumen gedrückt haben - beide Länder sind diesmal bei der WM nicht dabei, die Basketball-Begeisterung ist aber gleichermaßen weit verbreitet.

Doch die litauische Männermannschaft gab sich kämpferisch: seit den ersten beiden Spielen ging kein weiteres mehr verloren. Und dann wurde in einem äußerst spannenden Achtelfinalspiel Italien mit 71:68 geschlagen. Dramatik pur: beide Teams vergaben insgesamt neun (!) Freiwürfe, als nur noch 7 Sekunden auf der Uhr waren. Fünfmal Fehlschüsse davon nahmen die Italiener auf ihr Konto und ermöglichten damit den litauischen Sieg. "Ein siegreicher Nervenkrieg" titeln litauische Medien. Beste Spieler auf Seiten der Litauer waren Arvydas Macijauskas und Darjus Lavrinovic.

Nun wächst in
Litauen wieder die Zuversicht. Kann dieses Team unter Nationaltrainer Antanas Sireika wieder Ähnliches erreichen wie am 14.September 2003, als Litauen Basketball-Europameister wurde? "Die Litauer geben dem Fußball einen Korb", so titelte das ZDF damals. Wohl eine noch sehr harmlose Beschreibung für die Jubelszenen, die sich auf allen Straßen nicht nur in der Hauptstadt Vilnius abspielten.

Bei Olympia 2004 in Athen blieb Litauen sechs Spiele unbesiegt und schlug sogar das "Dreamteam" der USA - um dann an Italien zu scheitern. Klar also, dass der heutige Spielausgang eine Genugtuung war (siehe Bericht auf der Seite der LKL). jetzt kann es frisch drauflos weitergehen - der zweifache Weltmeister Serbien/Montenegro ist raus, es wird also auf jeden Fall einen neuen Weltmeister geben. Ob wohl Nowitzki-Nowitzki (einen anderen Starspieler von Format scheinen die Deutschen ja nicht zu haben), oder die unerschrockenen Litauer diesmal weiter kommen?

Nachtrag - 31.August 14.30 Uhr - 73:75 gegen Frankreich. Nun können also Litauen und das Nowitzki-Team unter sich klar machen, wer momentan die bessere Mannschaft ist. Es wird das Spiel um Platz 7 oder 8 bei der WM werden.

Weitere interessante Seiten zu Basketball in Litauen:
Ausführlicher Spielbericht und Kommentar zu Litauen-Italien (Litauisch)
Spielbericht und Kommentar zu den letzten Sekunden des Spiels bei Crossover-Online (Deutsch)
Litauische Basketball-Liga
Webseite Lietuvos Rytas
Webseite Žalgiris Kaunas
Euroleague Basketball
Baltic Women's Basketball League
Litauische Basketballvereinigung
Litauische Stiftung Männerbasketball
Frauenbasketballteam TEO VILNIUS
Wikipeda-Seite zu Arvydas Sabonis
NBA-Spielerstatistik zu Arvydas Sabonis
Litauische Basketball-Fanseite KREPSINIS-NET

17 August 2006

MTV startet Musikkanal

Auf SATNEWS.DE las ich heute, dass MTV einen Kanal für Litauen, Estland und Lettland gestartet hat. Erste Testsendungen sollen zu hören sein auf Satellit Sirius, 5° Ost, undüber die Frequenz 12.680 GHz horizontal (SR 7.440, FEC 7/8) auch in Deutschland zu empfangen.
Hat vielleicht jemand von unserer Leser/innen-Gemeinde schon Erfahrungen damit gemacht?

Es soll bisher unverschlüsselt zu empfangen sein. Satnews schreibt: "
MTV Baltics will neben Sendungen von MTV Central auch sprachregionale Shows anbieten, die jeweils per Untertitel oder über Tonkanäle übersetzt werden."
Auf der MTV-Seite (International) ist leider noch nichts davon zu lesen. Auf mehreren anderen Seiten findet sich aber mehr: EU-BUSINESS meldet, dass jeweils für jedes Land separate Musikkanäle gegründet werden sollen. Zielgruppe sollen vorwiegend 15- bis 35-Jährige sein, wovon etwa eine Million in der Region der baltischen Staaten identifiziert wurden (als Zielgruppe für die Werbung - natürlich). In Litauen selbst wird das Thema bereits im ZEBRA-FORUM diskutiert. Auch WIKIPEDA hat bereits einen Hinweis auf "MTV Baltics" ergänzt (zusammen mit vielen interessanten Infos zur Geschichte von MTV). Und der "SatKlub Thüringen" hat schlechte Nachrichten: neuerdings soll MTV Baltics doch nur codiert zu empfangen sein.

Wer weiß mehr?

11 August 2006

Europas Kulturhauptstadt Vilnius - erste Vorbereitungen

Für Litauen - und ganz besonders für Vilnius - wird das Jahr 2009 ganz sicher ein kultureller Höhepunkt werden: Vilnius selbst wird 1000 Jahre alt (1009 erste Erwähnung in den Quedlinburger Annalen), und Litauen hat erfolgreich Vilnius als Europäische Kulturhauptstadt 2009 beworben.

Es war eine gemeinsame Bewerbung mit Linz in Österreich im Rahmen eines neu eingeführten Verfahrens,
in dem sich immer eine Stadt aus einem "alten" EU-Mitgliedsland zusammen mit einem der seit 2004 neuen EU-Länder bewirbt. Und beide Städte nehmen die Vorbereitungsphase sehr ernst und sind bereits in die erste Phase der Aktivitäten gestartet.
Zwar sind noch nicht sehr viele Materialien in Deutsch oder Englisch herausgegeben worden, und auf der Webseite der Stadt Vilnius ist immer noch die alte allgemeine Ankündigung des Bewerbungskonzepts vom September 2005 zu lesen. Aber wer Vilnius kennt (die Altstadt ist ja Teil des Weltkulturerbes, und jeder Besuch bringt neue Einblicke), der ist sicher ganz gespannt auf das, was nun für 2009 "ausgebrütet" wird. "Kreativität und Vitalität" soll das Motto heißen.

Inzwischen hat auch Linz die ersten Gespräche in Vilnius geführt, denn beide Städte wollen ja mindestens im Jahr 2009 intensiv kooperieren.
Die Intendantin und studierte Kunsthistorikerin Giedrė Kabašinskienė weilte kürzlich einige Tage in Linz, und auch der stellvertretende Intendant des Teams aus Linz, Ulrich Fuchs, hat die litauische Haupststadt inzwischen schon besser kennengelernt. Ein Bericht dazu ist auf der Linzer Webseite nachzulesen. "Ich will in Vilnius nicht ziellos durch die Quartiere gehen, sondern spüren, wie die Stadt atmet und riecht", schreibt Ulrich Fuchs dort. Nun, Gerüche wird eine Webseite leider nicht wiedergeben können (außer man denkt an leckeres litauisches Essen ...), aber einige Themen, die beide Seiten so bewegen im Vorfeld, sind dort schon erfreulicherweise nachzulesen. Die Transparenz, die sich da von Seiten der "Macher" gegenüber dem "Publikum" andeutet, ist durchaus nicht bei allen Städten wiederzufinden, die Kulturhaupstadt schon waren oder es gerne noch werden wollen. Eher "bottom-up" als andersrum, da sind sich die Linzer Partner mit den litauischen Kulturschaffenden offensichtlich einig.

So ist auch der Wille beider Seiten vielleicht verständlich, dass nicht nur Events der Hochkultur das ereignisreiche Jahr 2009 prägen sollen, sondern auch soziale Themen. "Die Infrastruktur- und vor allem die sozialen Probleme in der litauischen Gesellschaft sind so gewaltig, dass es nicht einfach ist, deutlich zu machen, dass die besondere Herausforderung des Jahres 2009 auch dafür ein Katalysator sein kann", so drückt es Ulrich Fuchs in seinem Bericht aus.
Angekündigt wird auch, dass Judith Lewonig, die bereits seit einigen Jahren in Vilnius lebt, für die Linzer den Kontakt dort halten und auch von den Aktivitäten berichten wird. Ein bekanntes Gesicht für "Insider" und deutschsprachige Litauen-Fans also, denn sie war vorher für die inzwischen in finanzielle Schwierigkeiten gekommene "Baltische Rundschau" als Journalistin aktiv. Also: wir warten gespannt auf Neuigkeiten!

02 August 2006

Kennen Sie Litauen? Infoseiten, vor denen selbst die Autoren warnen ...

Sie möchten etwas über Litauen wissen und nutzen gerne das Internet? Naheliegend wäre da wohl, eine der beliebten Suchmaschinen zu nutzen, und per Suchwort das Gewünschte aufzustöbern zu versuchen. Auf diese Weise jedenfalls werden zum Beispiel diese Seiten (www.litauen-blogspot.com) am meisten genutzt.

Wer nicht gern bei den unter vielen Stichwörtern getarnten scheinbar informativen Seiten verschiedenster Reisefirmen im Internet hängenblieben möchte, schaut auch vielleicht in einer der virtuellen Bibliotheken nach, die unter verschiedenen Labeln angeboten werden - möglichst kostenfrei natürlich. Große Beliebtheit hat dabei WIKIPEDIA erlangt, eine Seite, die sich selbst als "freie Enzyklopädie" bezeichnet. Zum system gemacht wurde hier, dass alle Menschen, die etwas beitragen wollen zu bestimmten Wissensgebieten, generell Zugang haben zu den entsprechenden Beiträgen. Wenn zu einem Thema noch kein Beitrag vorhanden ist, können neue verfaßt werden, oder über bestehende Texte kann diskutiert werden, was vielleicht verbesserungswürdig oder unklar dargestellt sein könnte.

Diese Entwicklung dauert bereits einige Jahre. Offensichtlich hat sie jetzt eine Gegenbewegung ausgelöst: Leute, die von ewigen "Besserwissern" die Nase voll haben? Von der Infoflut im Netz Gefrustete? Oder vom Mainstream des oberflächlichen Geschreibsels Angeödete? Unter "Uncyclopedia" finden sich mit direktem Bezug zu den "Vorbildern" der Wikipedia inzwischen Witzbolde und Quergeister ihren Platz, um sich auzubreiten. Der bezeichnende Wahlspruch: the content-free encyclopedia that anyone can edit.

Inhaltsfrei? Gemeint ist, das merken die Leser schnell, wohl eher "sinnfrei". In der englischsprachigen Version hat sich ein Autor für eine Litauen-Seite gefunden, der vor den dort zu findenden Texten gleich mehrfach selbst warnt. Glücklicherweise scheint sein Wahlspruch aber zu sein: How to be funny and not just stupid :-))
Dort steht unter anderem nachzulesen: - die Wahrheit ist in der Regel lustiger, als irgendeinen Nonsens zu schreiben - Wiederholung einfacher Wahrheiten kann lehrreich sein - mache Dich lustig über ernste Dinge - sei ernsthaft in lustigen Dingen

Aber genug der Vorrede. Besuchen wir "Lithuania" also einmal. Seit Februar 2006 steht sie im Netz, und der Schöpfer hat offensichtlich bereits so viele Reaktionen darauf bekommen, dass er mehrfach warnt: Wenn Sie hier etwas zu verbessern finden, überlegen Sie bitte, ob Sie nicht lieber eine Seite bei WIKIPEDA schreiben wollen!
Wer Litauen kennt, dem wird auffallen, dass hier durchaus ein Kenner des Landes am Werk ist. Nicht nur die ironische Verwandlung der litauischen Nationalflagge und des Vytis-Wappens, die Betonung der Basketball-Erfolge, die Dominanz von Kirche und Religion - alles spiegelt sich hier wieder. Sollte jemals eine litauische Kulturgruppe auf die Idee kommen, wie Charakteristika des eigenen Landes im Ausland kabarettreif und witzig dargestellt werden können - hier können Ideen angezapft werden. Wer ein wenig "schockresistent" auch vor schlechteren Witzen ist, kann sich mindestens für ein paar Minuten amüsieren.

Ein paar Textbeispiele (übersetzt):
"Die wichtigsten großen Städte Litauens. 1. Riga. Obwohl viele Menschen noch nie in Litauen gewesen sind, sagen sie, sie waren schon mal in Riga. Wissenschaftler konnten bisher noch keine Erklärung finden für dieses Phänomen."

"Sprachen in Litauen: 50% Litauisch, 45% Propaganda, 5% andere."

"Musik in Litauen: Eurovision, in städtischen Regionen. Traditionelle Heavy Metall Folk Musik in ländlichen Gebieten."

"Empfehlung: Versuchen Sie besser nicht Litauisch zu verstehen, ohne ein oder zwei Bier bereits im Magen zu haben. Zu diesem Zweck taugt die regionale Marke Svyturis sehr gut, besser noch "bambalis" (eine große Plastikflasche billigen Biers)."

"Litauen wird regiert von Abonentas Brazauskinis. Um Abonentas Brazauskinis zu helfen, das Land zu regieren, wurden einige zusätzliche staatliche Institutionen geschaffen. Als zusätzlicher Nebeneffekt helfen diese Instutionen dabei, dass Litauen nach außen schön demokratisch aussieht. Wir könnten ihnen davon noch mehr Details erzählen, wir müssten Sie dann aber leider danach erschießen."

Na, zumindest mit dem Abonnement von Brazauskas auf den Chefsessel der Regierung ist es im wirklichen Litauen ja nun erstmal vorbei. Und auch bei "Uncyclopedia" gibt es Änderungen. Die Philosophie der Macher dieser Seiten ist es ja, dass jeder Interessierte mitschreiben und verändern darf. Auch Litauisch-sprachige Kommentare haben sich inzwischen auf der Diskussionsseite zuhauf angesammelt. "Bitte stell doch die erste Fassung deines Textes wieder her" beklagen sich inzwischen schon Leser. Na, vielleicht sollte da mal jemand erklären (funny, but not stupid, selbstverständlich), was "verschlimmbessern" auf Litauisch heißt ...

16 Juli 2006

Litauen als Zentrum des Weltkulturerbes - 9 ereignisreiche Tage

Das Stichwort vom "Weltkulturerbe" ist auch im deutschsprachigen Raum inzwischen etwas bekannter geworden. Was sonst auch von strengen Naturschutzmaßnahmen bekannt ist - das Erstellen von "roten Listen für besonders gefährdete Arten" - hat sich jetzt auch bewährt, um die Weltöffentlichkeit für die Erhaltung der wichtigsten Kulturgüter der Welt zu sensibilisieren. Auf einer solchen UNESCO-Liste geführt zu sein, gilt als Prestigesache. Gefürchtet dagegen die UNESCO-Warnungen vor diesen Status gefährende Entwicklungen. Die litauische Hauptstadt Vilnius war 9 Tage im Juli (8.-16.7.06) Versammungsort für die 30.Sitzung des UNESCO-Weltkulturerbe-Komitees.

Aus Sicht Deutschlands und Österreichs war das Ereignis weitgehend von den Interessen einiger Städte verbunden, die entweder in die prestigeträchtige Liste des Weltkulturerbe aufrücken wollten (Regensburg), oder Befürchtungen hegten, die Beratungen der UNSECO-Gremien in der litauischen Hauptstadt könnte einen offiziellen Tadel für die kulturpolitischen und architektonischen Entwicklungen in ihrer Stadt ergeben (wie Köln, Dresden und Graz). Bisher umfasste die UNESCO-Liste des Welterbes bereits 812 Kultur- und Naturstätten in 137 Staaten (32 in Deutschland, darunter z.B. die Altstädte von Stralsund, Wismar, Bamberg, Quedlinburg, Lübeck, die Fossiliengrub in Messel, oder Rathaus und Rolandstatue in Bremen - siehe DER SPIEGEL).
Man braucht eigentlich nur auf die Liste der Neuaufnahmen der vergangenen Woche zu schauen, um die Vielfalt kultureller Leistungen zu erkennen, die hier versammelt sind: ein Panda-Reservat in der chinesischen Provinz Sichuan, die Insel Malpelo bei Kolumbien, zwei prähistorische Stätten von Steinkunst in Tansania und Malawi, die grenzübergreifenden Steinkreise von Gambia und dem Senegal, die mexikanische Algave- Landschaft, die Stadt Harar Jugol in Äthiopien sowie die Hafenstadt Port Louis auf der Insel Mauritius.

Im Bl
ickpunkt: Köln, Graz, Dresden, Regenburg
Leider wird die öffentliche Diskussion über das Welterbe-Thema in deutschsprachigen Medien meist nur von Schlagzeilen dominiert -
allerdings angesichts des oft mangelnden Interesses an kulturellen Werten vielleicht auch zumindest von lokalpolitischem Wert. So musste die Stadt Köln ihre nahe des Doms projektierten Hochhausplanungen erheblich ändern, um jetzt in Vilnius einen negativen Beschluß der UNESCO verhindern zu können - eine Einstufung als "gefährdetes Kulturerbe. Die für Köln positiven Nachrichten fanden dementsprechend in der Kölner Lokalpresse breiten Rückhall (Kölner Stadtanzeiger, KST-Chronologie der Ereignisse, Koeln.de).
Auch um das österreichische Graz gab es eine Diskussion: ein geplanter Kaufhausausbau in der Altstadt erhielt nicht das Placet der UNESCO-Kommissionen (Kleine Zeitung, der Standard). Von "Enterbung" war in Graz plötzlich die Rede, und ein Funktionär der Grazer Wirtschaftskammer ließ sich sogar hinreißen, "Einreiseverbot" für die Verantwortlichen für die UNESCO-Entscheidung zu fordern.
Die Diskussion beruhigte sich aber schnell wieder, und nun soll in den nächsten Monaten eine spezielle UNESCO-Kommission in Graz helfen, Kompromisse zu finden.

Ungeteilte Freude dagegen rief die Aufnahme der Altstadt Regensburgs in die Weltkulturerbeliste hervor (Frankenpost, SPIEGEL, DIE WELT). "Wir sehen einen Trend zu weniger Neuaufnahmen", zitierte die FRANKENPOST die litauische Komitee-Vorsitzende Ina Marciulionyte, "aber die Entscheidung für Regenburg war einfach und hat nur etwa sieben Minuten gedauert!"

Nicht im Sinne der sächsischen Regionalpolitiker kam dageben Dresden mit dem geplanten Bau der Waldschlößchen-Brücke weg. Die UNSECO sah das Projekt als Kulturerbe-gefährdend an. Zuvor hatte ein Volksentscheid in Dresden knapp für den Brückenbau entschieden. "Wir haben entschieden, wir sind das Volk. Punkt." So zitiert DIE WELT die Einstellung einflußreicher Politiker, die sich für die Brücke einsetzen (hier: Sachsens früherer Ministerpräsident Kurt Biedenkopf). Da werden Kritiker des Brückenprojekts, wie der Nobelpreisträger Günther Blobel, auch schon mal als "Verräter" gebrandmarkt (Lausitzer Rundschau). "Wir sind auch ohne den Welterbe-Titel ein
Tourismusmagnet", werden in der WELT wutschnaubende CDU- und FDP-Lokalpolitiker zitiert. Ob man diese Einstellung tatsächlich durchhalten will?

Konservieren, erhalten - warum eigentlich?
Überhaupt sind auch die kritische Stimmen mitzuverfolgen. "Welterbe der Menschheit, das ist ein Status, der nicht nur Ruhm und Zuschüsse einbringt, sondern auch Kosten verursacht. Die ausgezeichnete Kommune ist verpflichtet, den Erhalt des Denkmals zu garantieren - und das kostet viel Geld. Die Unesco gibt dafür keinen Cent," so war es in NEWSKLICK zu lesen. Und die TAZ meinte gar: "warum eigentlich bewahren?" und zeigte sich auch seltsam gleichgültig gegenüber der Diskussion um das Dresdner Elbtal - dessen Schönheit erschließe sich "sowieso nur von wenigen Aussichtspunkten aus". DIE WELT dagegen zitiert auch andere Beispiele der Vergangenheit, wo immer Kompromisse zwischen lokalen Bauprojekten und Erhaltung der traditionellen Bausubtanz gefunden werden konnten, so z.B. bei einem überdimensionierten Projekt der Deutschen Bahn in Potsdam.

Prestigegewinn für Litauen
Das weltweit beachtete Kulturthema brachte jedenfalls für Litauen - und auch wohl für Vilnius als Konferenzort - einen eindeutigen Gewinn an Ansehen und Beachtung. Zudem passt das Thema auch zur großen Bedeutung, die kulturelle Themen auch in Litauen selbst genießen
Schließlich wurde auch die Altstadt von Vilnius selbst bereits 1994 in die Welterbe-Liste aufgenommen.

Weitere Infos zum Thema:
- Pressemeldung der UNESCO zum Fall Dresden
- Litauisches Sekretariat zur UNESCO-Konferenz
- UNESCO Webseite zu World Heritage
- die Welterbe-Liste der UNESCO
- litauisches nationales UNESCO-Komittee (Seite nur in Litauisch)
- Webseite der Stadt Vilnius (englisch)